Määs-Absage: So ziehen es andere Grossevents durch
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Die Basler Herbstmesse will nach einem Jahr Corona-Zwangspause das 550-jährige Jubiläum nachholen. (Bild: Facebook/@Basler Herbstmesse)

Stierenmarkt bis zur grössten Schweizer Herbstmesse Määs-Absage: So ziehen es andere Grossevents durch

5 min Lesezeit 1 Kommentar 01.09.2021, 14:13 Uhr

Zu umständlich, zu teuer, zu wenig Tradition. Die «Lozärner Määs» ist abgesagt. Bei Schaustellerinnen und zentralplus-Lesern hinterlässt die Absage einen fahlen Nachgeschmack. Denn andere Grossveranstalter wie die Basler Herbstmesse ziehen es trotz den schwierigen Umständen durch. Dafür nehmen sie einiges in Kauf.

«Ich hätte die Määs auch auf der Allmend genommen.» Die Reaktionen der zentralplus-Leserinnen auf die Absage sind deutlich. Am Montag gab die Stadt Luzern bekannt, dass sie die «Lozärner Määs» im erwünschten traditionellen Stil unter Corona-Umständen nicht durchführen kann (zentralplus berichtete). Das stösst nicht nur den Lesern sauer auf.

Auch langjährige Schaustellerinnen wie Lisa Zanolla kritisieren den Entscheid. «Als Bürgerin glaube ich, die Mehrheit der Bevölkerung hätte auch mit einer kleineren Ausgabe oder mit einem angepassten Konzept gut leben können», nervte sich Zanolla gegenüber zentralplus. Und sie erwähnt die Basler Herbstmesse, die den Umständen trotzt.

Die Stadt Luzern rechtfertigt auf Anfrage, dass das Durchführen der «Lozärner Määs» in breiten Kreisen der Bevölkerung ganz bestimmte Erwartungen geweckt hätte. «Dazu gehört ein abgerundeter Mix von Schaustellerbuden, Fahrgeschäften, Verpflegungs- und Warenangeboten», so Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen. Man hätte sicherlich auch mit einer kleineren Ausgabe ein enormes Besucherpotential angesprochen. Trotzdem: Mit den täglich bis zu 20’000 erwarteten Besucherinnen kann die Stadt die Schutzkonzept-Anforderungen inklusive 3G-Kontrolle nicht über 14 Tage garantieren, verteidigt sich Lütolf.

Die Nachfrage von zentralplus zeigt: Ohne Abstriche geht’s kaum. Auch andere Grossveranstalter kämpfen.

Basler Herbstmesse schrumpft die Anzahl Geschäfte

Die älteste und grösste Herbstmesse der Schweiz verwandelt die Stadt Basel über zwei Wochen in einen einzigen Vergnügungspark. Mit täglich bis zu 100’000 Besucherinnen ist sie rund fünfmal grösser als die «Lozärner Määs». Sie ist auf sechs Plätze in der Innenstadt und in eine Messehalle verteilt. Die Abzäunung dürfte sich ähnlich schwierig gestalten wie in Luzern.

Die Basler Herbstmesse wollte bereits letztes Jahr ihr 550-Jahre-Jubiläum feiern, wurde aber aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt.

Die Zertifikatspflicht und damit eine aufwendige Eintritts- und Sicherheitskontrolle ist unumgänglich. Die zuständige Leiterin Aussenbeziehungen und Standortmarketing beim Kanton Basel-Stadt, Sabine Horvath, hält auf Anfrage von zentralplus fest: «Unser Ziel wird es sein, die vorgegebenen Schutzmassnahmen wirkungsvoll und effizient für das Publikum sowie die Messeteilnehmenden umzusetzen. Dabei wollen wir auch von den Erfahrungen anderer Grossveranstaltungen profitieren.»

Für jeden einzelnen Platz benötigen die Messeveranstalter ein separates, funktionierendes Schutzkonzept. Die Detailplanung ist noch im Gang, weshalb Horvath nicht ausführen kann, wo und unter welchen Umständen eine Zertifikatspflicht gelten wird. Die Anzahl Geschäfte wird aus Platzgründen jedenfalls leicht geschrumpft, «wobei dies nicht augenfällig sein wird».

«Es sind die Menschen, welche die Tradition leben und von Generation zu Generation weitergeben.»

Sabine Horvath, Kanton Basel-Stadt

Die Basler strahlen Optimismus aus: «Unser Bestreben ist es, im Rahmen des 550-Jahr-Jubiläums eine würdige Herbstmesse zu realisieren und wir spüren dabei viel Wohlwollen und Unterstützung.» Dass die Tradition durch die schwierigen Umstände flöten gehen könnte, wie es die Luzerner befürchtet haben, scheint die sonst so traditionsbewussten Basler nicht aufzuhalten. «Es sind die Menschen, welche die Tradition leben und von Generation zu Generation weitergeben. Unsere Aufgabe ist es, hierfür den bestmöglichen Rahmen zu bieten.»

Zuger Stierenmarkt: Gelände sei Dank

Ein weiterer Grossanlass, der den Umständen trotzt, ist der Zuger Stierenmarkt (zentralplus berichtete). Nach einem Jahr Unterbruch findet der tierische Anlass in einer Woche, genauer am 8. und 9. September, statt. Als Organisator ist der Verein Braunvieh Schweiz gezwungen, die täglich jeweils über 10’000 Besucherinnen nur mit Zertifikat aufs Gelände zu lassen.

Mitglied Stefan Hodel sagt zu zentralplus: «Wir haben das Glück, dass unser Areal rundherum mit Stallungen und Büros eingerahmt ist. Wir müssen also keinen Hag um das Gelände errichten, sondern lediglich zwei Eingänge mit je zwei Kassen installieren.» Vor diesen Kassen kontrollieren ausgebildete Leute einer Sicherheitsfirma die Zertifikate. «Ohne Zertifikat kommt man also wirklich nicht rein», betont Hodel.

Der Zuger Stierenmarkt zieht jeweils tausende Besucher an.

Zudem bieten die Organisatoren in Zusammenarbeit mit einer Zuger Apotheke die Möglichkeit, sich vor Ort gratis per Schnelltest ein Zertifikat ausstellen zu lassen. «Der Testcontainer ist von 7.30 bis 22 Uhr geöffnet, damit auch Besucher, die nur für die Festwirtschaft erscheinen, noch ein Zertifikat erhalten können.»

Die Kosten für den Mehraufwand, besonders für das Sicherheitspersonal, belaufen sich gemäss Hodel auf rund 20’000 Franken. Zum Vergleich: Die «Lozärner Määs» berechnete alleine für die Umzäunung und Eingangskontrolle 150’000 Franken. Neu läuft die Festwirtschaft am Zuger Stierenmarkt dieses Jahr komplett in Selbstbedienung. Und erstmals können Interessierte auch online an der Rinderauktion mitbieten.

Nur wenige trotzen der Kilbi-Flaute

Andere Veranstalterinnen in Luzern und Zug haben bereits vor der Määs die Reissleine gezogen. Darunter die Chilbi in Emmen, Adligenswil oder Horw. Nur wenige ziehen es durch, darunter etwa der «Ägerimärcht» in Unterägeri. Am kommenden Wochenende werden die Besucher des Markts über fünf Ein- und Ausgänge gezielt geleitet. Eine Zertifikatspflicht gibt es nicht. Hinweistafeln weisen auf die geltenden Schutzmassnahmen hin.

Am diesjährigen «Ägerimärcht» wird der Besucherstrom gezielt über diesen Plan gelenkt.

Optimistisch, die dreitägige Chilbi durchzuführen, gibt sich die Stadt Kriens auf Anfrage. Womöglich gibt es wieder eine «Mini-Chilbi» wie letztes Jahr, noch berät sich die Stadt mit dem Stadtrat.

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1 Kommentare
  1. Rentner J, 03.09.2021, 09:46 Uhr

    oh Gott und das Knaben Schiessen ist auch nicht, Feiern wir mit der Mari auf der Alm, da geht es auch lustig zu, der Berset muss gehen der Treibt alle und alles in den Ruin, wir Geimpfte sind die Dummen, die nicht Geimpften sollte man am Kragen nehmen,,,

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