Filiale schliesst nach 20 Jahren an bester Lage

Mietknatsch um Luzerner Dessous-Geschäft

Das Dessous-Geschäft Perosa hat seine Filiale am Schwanenplatz in Luzern geschlossen. (Bild: mst)

Der Feinwäsche-Verkäufer Perosa hat seine Filiale am Luzerner Schwanenplatz nach 20 Jahren geschlossen. Es geht um zu hohe und teils unbezahlte Mieten.

Über den Schwanenplatz in Luzern flanieren täglich Scharen von Menschen. Rings um den Platz finden sich Geschäfte von Rang und Namen. Bucherer reizt Kauffreudige mit teuren Uhren, Gübelin bietet seinen Schmuck feil und die Confiserie Bachmann lockt mit Pralinés. Auch das Dessous-Geschäft Perosa war bis vor kurzem an der prestigeträchtigen Adresse zu finden. Jetzt hat es seine Filiale dort nach 20 Jahren geschlossen und verlassen. Seit dem ersten April ist Perosa nicht mehr präsent in der Luzerner Altstadt.

Das Unternehmen mit seinem Hauptsitz in Littau und nunmehr 19 Filialen in der Schweiz schreibt auf seiner Website: «Die Miete war viel zu hoch und wir konnten den Vertrag nach 20 Jahren nicht mehr verlängern.» Eine aussergewöhnlich deutliche Erklärung und zugleich eine Anschuldigung an den Vermieter. Wie sich zeigt, ist damit aber nicht die ganze Geschichte erzählt.

Geschäft zahlte Mieten nicht mehr

Gegenüber zentralplus erklärt Roger Schärer, CEO von Perosa, dass der Vertrag mit der Vermieterin schlicht ausgelaufen sei. «Die Miete war vor 20 Jahren schon hoch, aber damals okay», schreibt Schärer. Vor fünf Jahren wollte das Unternehmen den Mietvertrag neu verhandeln. Das Unterfangen scheiterte. Die Verhandlungen wurden abgebrochen.

Mit dem Vorwurf konfrontiert, zeichnet die Vermieterin ein anderes Bild der Situation. Die Liegenschaft gehört der Swiss Life AG, der grössten Lebensversicherung der Schweiz. Den Vorwurf von Schärer betreffs der überhöhten Miete weist der Konzern von sich. Es handle sich um eine marktübliche Miete an dieser zentralen Lage, wie die Versicherung auf Anfrage schreibt. Und: «Das Unternehmen weist schon über einen längeren Zeitraum hohe Mietzinsausstände aus, weshalb dazu aktuell auch ein Nachlassverfahren läuft.» Der alte Mietvertrag ist also nicht nur ausgelaufen, das Dessous-Geschäft zahlte seit längerem seine Miete nicht mehr.

«Schaffen die Sache erwachsen aus der Welt»

Die Aussage von Swiss Life trifft zu. Das bestätigt Schärer auf Nachfrage von zentralplus. Es laufe ein stilles Nachlassverfahren, das sich auf ausgelassene Mieten während der Pandemie-Zeit beziehe. Über das Verhältnis mit dem ehemaligen Vermieter sagt Schärer: «Wir sind miteinander im Gespräch und werden die Angelegenheit ganz erwachsen aus der Welt schaffen.» Von einem Streit will er nicht reden. Ein Gerichtsverfahren stünde nicht im Raum.

Während die ehemaligen Mieter und Vermieter sich aussprechen, mischt sich unter das Geschnatter der Touristen am Schwanenplatz bereits der Lärm von Bohrmaschinen. Das Ladenlokal, in dem Perosa beheimatet war, wird renoviert. Unklar ist, wer nach Perosa in das Lokal einzieht. Dessen Chef Schärer blickt optimistisch in die Zukunft. Er will weiterhin eine Filiale in der Luzerner Altstadt. Drei Angebote habe er bereits auf dem Tisch, wie er durchblicken lässt. Alle mit «sehr vernünftigen und fairen Mietzinsen».

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Roger Schärer, CEO Perosa
  • Schriftlicher Austausch mit Tatjana Schachenmann, Mediensprecherin Swiss Life
  • Augenschein vor Ort am Schwanenplatz
  • Website Perosa
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