Kultur
KKL versucht Alternativprogramm zu organisieren

So reagieren Blue-Balls-Partner auf Absage des Festivals

Die Blue Balls-Partner zeigen Verständnis für die Absage des Festivals 2022. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Nichts mit Festival im Herzen von Luzern: Das Blue Balls findet auch 2022 nicht statt. Partner des Grossanlasses bedauern die Absage, stärken den Veranstaltern aber den Rücken.

Die Corona-Massnahmen sind gefallen, der Festivalsommer kann kommen. Doch letzte Woche kam für Luzerner Musikliebhaberinnen die Hiobsbotschaft: Das Blue Balls 2022 ist abgesagt. Die Nachricht kam rund vier Monate vor dem Startschuss, die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Doch Festivaldirektor Urs Leierer ist schwer erkrankt und dürfe wegen ärztlicher Verfügung das Festival nicht mehr betreuen (zentralplus berichtete).

Viel Rückhalt fürs Blue Balls

Die Stadt Luzern bedauere die Absage sehr. Man suche nun mit den Verantwortlichen des Blue Balls das Gespräch, erklärt die Leiterin Kultur und Sport, Letizia Ineichen. Die Stadt lasse ihnen aber «aus Respekt auch etwas Zeit, sich nach dem Schock über den gesundheitlichen Ausfall von Urs Leierer etwas zu sammeln».

Ähnliche Töne schlagen auch andere Partner und Sponsoren des Blue Balls an. So zeigt beispielsweise die Studhalter International Group Verständnis. Mit ihrer Firma Swiss International Advisory Group AG respektive mit der «Fondation Aline»-Stiftung unterstützen sie das Luzerner Blue Balls Festival bereits seit Jahren. «Wir bedauern zutiefst, dass das Blue Balls Festival 2022 abgesagt wurde, vor allem, nachdem es in den letzten beiden Jahren aufgrund der Pandemie abgesagt wurde», sagt Jérémy Studhalter. «Wir haben jedoch Verständnis für diese Entscheidung und wünschen Urs eine schnelle Genesung und hoffen, ihn nächstes Jahr bei der nächsten Ausgabe des Festivals wieder in Topform anzutreffen.» Gemäss Manager Jérémy Studhalter beabsichtige die Stiftung auch in den nächsten Jahren, das Blue Balls Festival zu sponsern.

«Es ist effektiv sehr schade, dass das Blue Balls Festival wiederum abgesagt werden muss, da es mit zum vielfältigen Musik- und Kulturangebot in Luzern beiträgt und der Anlass sowohl bei der Bevölkerung wie auch bei musikinteressierten Gästen sehr beliebt ist», heisst es vonseiten der Luzern Tourismus AG. Wie es betreffend der Partnerschaft weitergeht, werde man zum gegebenen Zeitpunkt abklären. Zuerst wünsche man Urs Leierer eine schnelle Genesung.

Auch Getränkepartner Schuler bedauert die Absage des Blue Balls. Seit 2018 ist die Schuler St. Jakobs Kellerei offizieller Weinpartner des Festivals. Für den Entscheid habe man vollstes Verständnis und wünsche Leierer baldige Besserung. «Das Blue Balls Festival ist ein grossartiger Anlass. Wir sind sehr gerne auch in den kommenden Jahren als Weinpartner mit an Bord», so Geschäftsführer Nikolas von Haugwitz.

KKL versucht trotzdem etwas zu organisieren

Hauptbetroffener dürfte indes das KKL sein. Denn die geplanten Konzerte mit Stars wie Emeli Sandé, James Blunt oder Passenger hätten in den Sälen des Konzerthauses stattgefunden. «Derzeit sind wir noch in Gesprächen mit den Veranstaltern des Blue Balls Festivals», sagt CEO Philipp Keller. Einen Ersatz für die Konzerte wird es wohl nicht geben. Denn laut Keller sind die Blue-Balls-Veranstalter hierfür allein verantwortlich. Ganz die Flinte ins Korn werfen wird das KKL jedoch nicht: «Wir probieren trotzdem etwas auf die Beine zu stellen. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.»

Hat denn das KKL überhaupt die Mittel, nachdem Konzerte ausfallen und die Eventbranche erst langsam wieder Fahrt annimmt? «Dem KKL geht es derzeit gut», beschwichtigt Keller. Seit letztem August ziehe die Kundschaft wieder etwas an und man habe viele gut besuchte Konzerte durchführen können. Derzeit organisiert das KKL sogar zwei Benefizkonzerte für die Ukraine, für die es selbst aufkommt. «Mit der derzeitigen Situation in der Ukraine und den aufkommenden Ferien ist es nicht zwar nicht immer leicht. Doch wir versuchen stets das Beste herauszuholen.»

Stiftung sollte Abhängigkeit von Leierer verringern

Nicht nur die Sponsoren hat die Absage überrascht. Der eine oder andere Musikliebhaber wird sich fragen, ob das ganze Festival denn nur von einer Person abhänge. Der Verein Luzerner Blues Session begründet die Absage auch mit Corona: «Wegen der coronabedingten Ausfälle des Festivals, die uns auch personell geschwächt haben, ist unsere Organisation noch nicht wieder so etabliert, dass sie das Festival ohne Direktor fertig aufgleisen kann», so Vizepräsident Pirmin Lötscher (zentralplus berichtete).

Dass das Festival stark von Leierer abhängt, ist allerdings kein Geheimnis. 2019 war der Verein in Gesprächen mit der Stadt, um die Finanzierung zu sichern – und um die Abhängigkeit von Direktor Urs Leierer langsam zurückzufahren. Die Idee war ein Stiftungsmodell, in dem die Stadt Luzern als Stifterin und Beitragsgeberin mitwirkt. Der jährliche Beitrag von 130'000 Franken wäre auf 200'000 Franken erhöht worden. Zuzüglich kämen nach wie vor die Nutzungsrechte im KKL Luzern und die unentgeltliche Nutzung des öffentlichen Grundes.

Die Stadt erteilte der Idee jedoch eine Absage. Auch eine SVP-Motion zur Rettung wurde 2020 abgelehnt. Seither muss das Festival vor allem auf Sponsoren und den Goodwill der Besucher setzen (zentralplus berichtete).

Ganz leer gehen Luzerner Festivalliebhaber übrigens nicht aus. Vom 16. bis zum 18. Juni findet nach zweijähriger Pause wieder das B-Sides Festival auf dem Krienser Sonnenberg statt (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Nikolas von Haugwitz, Geschäftsführer der Schuler St. Jakobs Kellerei
  • Stellungnahme Motion 424
  • Schriftlicher Austausch mit Letizia Ineichen, Leiterin Kultur und Sport Stadt Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Jérémy Studhalter, Manager der Swiss International Advisory Group AG
  • Telefonat mit Philipp Keller, CEO des KKL
  • Schriftlicher Austausch mit Sibylle Gerardi, Leiterin Unternehmenskommunikation Luzern Tourismus AG
  • Medienberichte zentralplus
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