Kanton sträubt sich gegen separate Bus- und Velospur auf der Seebrücke
  • Politik
  • Verkehr
Der Verkehr auf der Luzerner Seebrücke nimmt stetig ab, doch für eine separate Bus- und Velospur reicht es nicht. (Bild: jal)

Luzerner Regierung hat andere Pläne Kanton sträubt sich gegen separate Bus- und Velospur auf der Seebrücke

4 min Lesezeit 3 Kommentare 17.11.2020, 05:00 Uhr

Der Autoverkehr auf Luzerns Hauptverkehrsachse über die Seebrücke nimmt seit Jahren ab. In Zeiten der Klima- und Coronakrise wollen Grüne und SP den Velos und Bussen mehr Platz einräumen. Doch der Luzerner Regierungsrat winkt ab – zumindest vorerst.

Sie ist die Hauptschlagader des Luzerner Verkehrsnetzes: Die Strecke vom Bahnhofplatz über die Seebrücke bis zum Luzernerhof. In den letzten Jahren querten jedoch immer weniger Autos die Seebrücke (siehe Grafik).

Für die Grünen ist der Weg damit frei, um zwei Autospuren künftig als kombinierte Bus-/Velospuren zu nutzen. «Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir vermehrt zu Fuss und per Velo unterwegs sind», heisst es im Postulat von Fraktionschefin Monique Frey, das auch mehrere SP-Kantonsräte unterzeichnet haben. «Wenn es New York, Barcelona, Brüssel, Mailand und Berlin vormachen, ist es höchste Zeit, dass Luzern nachzieht.»

Es braucht noch weniger Autos

Die Forderung ist nicht neu. Bereits vor über 20 Jahren stand die – damals gänzliche – Sperrung der Seebrücke für den Autoverkehr im Raum. Die Idee erlitt aber Schiffbruch. Vor drei Jahren hat das Luzerner Stadtparlament ein Postulat überwiesen, das pro Richtung eine Spur für Busse und Velos reservieren. Weil es sich jedoch um eine Kantonsstrasse handelt, hat nicht die Stadt das Sagen (zentralplus berichtete).

Beim Kanton beissen die Linken nun erneut auf Granit. «Durchgehende Busspuren sind aufgrund der heutigen verkehrlichen Belastung der Seebrücke nicht vorgesehen», schreibt er in seiner Antwort auf das aktuelle Postulat der Grünen. «Massgebend für die Funktionsfähigkeit des Verkehrssystems ist die Auslastung in den Spitzenstunden. Diese bewegt sich auch heute an der Leistungsgrenze.» 

Denn zu den Stosszeiten am Abend hat sich die Verkehrsbelastung laut Regierung nur um rund zehn Prozent verändert. Dies rechtfertige keine Halbierung der Spurzahl und infolgedessen eine starke Reduktion der Leistungsfähigkeit einer zentralen Achse. Als abschreckendes Beispiel verweist er auf den Sommer 2017, als der Verkehr auf der Seebrücke wegen Bauarbeiten nur jeweils einspurig geführt wurde: Das habe zu starken Verkehrsbehinderungen geführt, so die Regierung.

Die Regierung ist zudem überzeugt, dass es grosse Auswirkungen auf den gesamten Aggloverkehr hätte, würde man den Verkehr auf der Seebrücke neu regeln. Solche Massnahmen könnten darum nicht isoliert angegangen werden.

zentralplus fragt
Aktuelle Meinungsumfrage
Würdest Du eine separate Bus-/Velospur auf der Seebrücke gutheissen?
Danke für Deine Stimme. Du hast bereits teilgenommen.

Der Kanton hat ursprünglich mal 32’000 Fahrzeuge pro Tag als Zielgrösse definiert – er ging allerdings davon aus, dass es dazu die Spange Nord braucht. Das Projekt unter diesem Namen ist inzwischen faktisch vom Tisch und die Zahlen zeigen, dass der Verkehr auf der Seebrücke auch ohne zurückgeht.

Dass der Verkehr heute noch über dieser Richtlinie und damit im «störungsanfälligen» Bereich liegt, räumt Monique Frey in ihrem Vorstoss ein. Sie sieht aber in sicheren Velowegen und stabileren Busverbindungen grosses Potenzial für «Umsteiger», zumal fast die Hälfte der Autos auf der Seebrücke nur eine Strecke innerhalb der Stadtgrenzen zurücklegt – und nicht von ausserhalb kommt.

Mehr Platz dank neuem Steg

Der Kanton will indes nichts überstürzen, sondern hält an seinen bisherigen Plänen fest. Denn der Status quo wird ohnehin angepasst. Vorgesehen ist auf dem Bahnhofplatz ein neues Busperron, damit mehr Verbindungen als Durchmesserlinien geführt werden können. Zusätzlich wird am Brückenkopf eine zusätzliche Plattform errichtet (zentralplus berichtete).

Eine angehängte Plattform soll bei der Seebrücke temporär mehr Platz schaffen. (Symbolbild: zvg/Stadt Luzern)

Das Projekt ist im Topf A – und damit mit höchster Priorität – im aktuellen Bauprogramm 2019–2022 enthalten. Laut der Stadt soll das Vorprojekt bis nächsten Frühling erarbeitet werden, frühester Baustart wäre zwei Jahre später, im Frühling 2023.

Langfristig soll die Seebrücke auf der gesamten Länge verbreitert werden. Bis es so weit ist und das Projekt konkrete Züge annimmt, dürften aber noch einige Jahre ins Land ziehen.

Ganz vom Tisch ist die Idee einer separaten Bus- und Velospur indes nicht. Das Departement des neuen Verkehrsdirektors Fabian Peter (FDP) erarbeitet derzeit ein neues Mobilitätskonzept für den ganzen Kanton (zentralplus berichtete). Im Rahmen dieses Konzepts soll gesamtheitlich geprüft werden, ob die Voraussetzungen für eine Reduktion der Autospuren auf der Seebrücke gegeben sind, welche Konsequenzen das hätte und ob dazu ergänzende Massnahmen nötig wären.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 300 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

3 Kommentare
  1. Philipp, 18.11.2020, 15:35 Uhr

    Die Lösung ist einfach. Rechts und links einen neuen Gehweg bauen. Den alten nutzt man dann für die Radfahrer. Problem gelöst und das ohne Fahrspuren abzubauen die es braucht.

  2. Müller Rentner, 17.11.2020, 16:12 Uhr

    die Seebrücke ein Problemkind zu klein gebaut von Anfang an, Breiter und noch mehr Busspuren wo den in der engen Stadt, es wird zeit das Problem Metro in angriff zu nehmen, auch in den Aglos ,Kriens ,Emmen, Littau wird es immer Enger, eine Hochbahn, ? Eine Metro,? Die Seebrücke muss breiter Gebaut werden das ist klar , dafür muss der Schiff Steg 1 dem Opfer Fallen,,, und nach weiter oben verschoben werden,

  3. Luc Bamert, 17.11.2020, 08:56 Uhr

    «Wenn es New York, Barcelona, Brüssel, Mailand und Berlin vormachen, ist es höchste Zeit, dass Luzern nach zieht.» (Korrekt wäre: nachzieht). Mit Verlaub, liebe Links-Grüne, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.