In der Innenstadt liegt Tempo 30 auf Eis – doch in den Quartieren geht was
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Die Würfel sind noch nicht endgültig gefallen – doch Tempo 30 setzt sich langsam auch in Zug durch. (Bild: Adobe Stock)

Umdenken im Auto-Kanton Zug In der Innenstadt liegt Tempo 30 auf Eis – doch in den Quartieren geht was

3 min Lesezeit 16.11.2020, 05:00 Uhr

Mit 50 Sachen durch enge Quartierstrassen zu heizen, ist in vielen Städten heute undenkbar – in Zug ist es die Norm. Zögerlich gibt’s jedoch Anzeichen dafür, dass in der Stadt gerade ein Umdenken stattfindet, wie ein Blick vor Ort zeigt.

Temporeduktionen sind in Zug eine heisse Kartoffel, an der man sich schnell verbrennen kann. Bestes Beispiel dafür ist die Grabenstrasse in der Innenstadt Zugs.

Seit über einem Jahrzehnt wird – jeweils bis vor Bundesgericht – für und gegen die Einführung von Tempo 30 gekämpft. Derzeit ist eine Beschwerde des TCS vor dem Bundesgericht hängig (zentralplus berichtete).

«Entwicklung der Innenstadt ist blockiert»

Das Thema «Tempo 30» liegt beim Zuger Stadtrat nicht komplett auf Eis. Das betont Urs Raschle, Vorsteher des Departements Soziales, Umwelt und Sicherheit. «In Bezug auf die Zuger Innenstadt hängt aber tatsächlich viel vom ausstehenden Bundesgerichtsentscheid zur Grabenstrasse ab.»

2017 wurde das Tempo-30-Regime auf der Grabenstrasse bereits getestet. (Bild: zvg)

Wann das Bundesgericht sein Urteil fällt, ist nicht absehbar. Raschle hofft, dass dies bald der Fall sein wird. «Die Entwicklung der Inneraltstadt beispielsweise, bleibt in der Zwischenzeit blockiert.» Sollte sich das Bundesgericht zugunsten eines Tempo-30-Regimes aussprechen, könnte und müsste die Geschwindigkeitsbegrenzung auch auf umliegende Strassen angepasst werden. Für den Moment bleibt’s bei Tempo 50.

Kuriosum Dorfstrasse

Apropos Tempo 50: Dieses gilt eigentlich überall dort in der Stadt, wo keine Tafel oder Strassenmarkierung etwas anderes signalisiert. So befindet man sich etwa auf der Dorfstrasse – trotz beschaulichem Kopfsteinpflaster, dem direkt anstossenden Burgbachschulhaus oder dem Kunsthaus Zug – mitten in einer 50er-Zone. Andernorts unvorstellbar und ganz klar eine Begegnungszone mit Tempo 20, in Zug jedoch Courant normal.

Durch die Dorfstrasse kann man mit 50 fahren:

Die gleichen Situation besteht an der unweit gelegenen Hofstrasse – und den Quartierstrassen, die von ihr abgehen. Sie führt via Zurlaubenhof mitten in dicht besiedelte Wohnquartiere. Praktisch in der ganzen Gegend herrscht jedoch «Generell 50».

«Man muss sich bewusst sein, dass das Auto in Zug politisch und gesellschaftlich einen ganz anderen Stellenwert besitzt als anderenorts», erklärt Urs Raschle darauf angesprochen.«Es gibt aber durchaus auch Beispiele – insbesondere aus den letzten  paar Jahren – in denen solche Projekte umgesetzt worden sind.»

Enge Absprache mit den Quartiervereinen

Als Beispiel nennt er das Hertiquartier im Westen Zugs. «Die Strassen in diesem Gebiet sind grösstenteils 30er-Zonen, in der Eichwaldstrasse wurden zudem Rampen eingebaut.» Ein weiteres Beispiel sei der Bleichimattweg im Guthirtquartier. «Man spürt einen Wandel und ein Umdenken, welches für die anstehende Ortsplanung zentral sein wird.»

Dies kam zuletzt auch in der öffentlichen Mitwirkung zur Ortsplanungsrevision zum Ausdruck. Dort wurde der deutliche Wunsch nach mehr Tempo-30-Regimen geäussert (zentralplus berichtete).

«Man spürt einen Wandel und ein Umdenken, was für die anstehende Ortsplanung zentral sein wird.»

Urs Raschle, Vorsteher des Departements Soziales, Umwelt und Sicherheit der Stadt Zug

In beiden genannten Fällen sind es Anliegen aus den Quartieren gewesen, die umgesetzt werden konnten. «Die aktive Forderung aus der Bevölkerung ist für solche Massnahmen mitunter matchentscheidend», sagt Raschle. «Es ist mit ein Grund dafür, weshalb der Stadtrat in engem Austausch mit den Quartiervereinen ist.»

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