Im Sinne der Transparenz: Wie viel verdienen Sie, Stefan Wolf?
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FCL-Präsident Stefan Wolf: «Bernhard Alpstaeg stützt die Neuausrichtung des FC Luzern und lässt den Verwaltungsrat frei entscheiden.» (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Das erste Interview mit dem neuen FCL-Präsidenten Im Sinne der Transparenz: Wie viel verdienen Sie, Stefan Wolf?

7 min Lesezeit 4 Kommentare 20.02.2021, 05:00 Uhr

Das Aktionariat befriedet, den Verwaltungsrat neu bestellt und einen neuen starken Mann installiert: Der FC Luzern hat mitten in der Saison einen Neustart lanciert. Stefan Wolf heisst der Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft. Der 50-jährige Luzerner redet über seine Mission, seinen Führungsstil und sein Salär.

Am 11. Februar ist der Kommandowechsel vollzogen worden: Stefan Wolf hat Philipp Studhalter als Verwaltungsratspräsident und CEO des FC Luzern abgelöst (zentralplus berichtete). Diese Neuausrichtung trieb Josef Bieri voran. Er kaufte das Aktienpaket der «Sieberianer» und sitzt nur noch zusammen mit Mehrheitseigner Bernhard Alpstaeg (52 Prozent) im Aktionariat des FC Luzern (zentralplus berichtete).

Stefan Wolf steht am Sonntag in Lugano vor seinem dritten Spiel als Klubverantwortlicher des abstiegsbedrohten FC Luzern. Bislang gab es einen 4:0-Sieg gegen Vaduz und am Mittwoch eine 1:2-Niederlage in St. Gallen.

zentralplus: Stefan Wolf, seit einer Woche sind Sie das neue Gesicht des FC Luzern. Mit Ihnen als Luzerner und ehemaligem Nationalspieler will der Klub sein Image aufpolieren. Was für eine Ausstrahlung wollen Sie dem FCL verpassen?

Stefan Wolf: Dass wir nahe bei den Leuten sind, dass wir bodenständig sind, als Team agieren und gemeinsam nach vorne gehen.

zentralplus: Das haben Sie beim FCL vor Ihrer Ernennung zum Präsidenten und Geschäftsführer also vermisst?

Wolf: Ich habe den FCL als funktionierendes Gebilde wahrgenommen. Dazu gehört eine Mannschaft mit einer Handschrift, eine funktionierende Geschäftsleitung, eine Nachwuchsabteilung, Fans, Sponsoren, Partner. Jetzt gilt es, alle auf das gleiche Gleis zu bringen, um gemeinsam Erfolg haben zu können.

zentralplus: Wo sehen Sie denn als Nächstes Ihre wichtigsten Aufgaben auf dem Weg, den Sie skizziert haben?

Wolf: Kurzfristig will ich jetzt die ganze Organisation kennenlernen und die Menschen, die für sie stehen und alle Vertreter der einzelnen Gruppierungen. Danach gilt es, eine Strategie zu entwickeln, um die Richtung zu definieren, in die wir gehen wollen. Und natürlich ist es sportlich wichtig, dass wir vom neunten Platz wegkommen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

«Ich möchte langfristig erreichen, dass alle den FCL wieder spielen sehen wollen und wir das Stadion füllen können.»

zentralplus: Welchen Zeithorizont geben Sie sich für die Implementierung eines ausdrucksstarken FCL, der begeistert?

Wolf: Schon seit unserer Vorstellung am 11. Februar spüre ich eine starke Aufbruchstimmung. Das beziehe ich nicht auf meine Person, sondern darauf, dass das Aktionariat und der Verwaltungsrat des FC Luzern neu aufgestellt sind. Dazu kommt das wichtige Signal, dass der Klub in Innerschweizer Händen ist und bleibt. Jetzt fängt unsere Arbeit an, aber ich möchte keinen Zeitpunkt für das Erreichen irgendeines Etappenziels nennen.

zentralplus: Aber Sie haben bestimmt eine Vision?

Wolf: Ich möchte langfristig erreichen, dass die ganze Innerschweiz, wenn sie denn wieder darf, unbedingt zurück ins FCL-Stadion will. Dass alle den FCL wieder spielen sehen wollen und wir das Stadion füllen können.

zentralplus: Im Sinne der Transparenz: Wie viel verdienen Sie als Verwaltungsratspräsident und CEO des FC Luzern?

Wolf: (lacht). Sie werden verstehen, wenn ich mich nicht zu Inhalten meines Vertrags äussern werde.

zentralplus: Dann sagen Sie uns wenigstens, was Ihre VR-Kollegen verdienen.

Wolf: Meine VR-Kollegen haben einen Job, die machen ihre Aufgabe im FCL nebenbei. Ich arbeite vollamtlich und zu 150 Prozent für den FC Luzern.

zentralplus: Dann kann man schon davon ausgehen, dass Ihr Jahreslohn bei rund 200’000 Franken liegt.

Wolf: Nehmen Sie es sportlich, dass ich nichts dazu sage.

«Mir ist wichtig zu betonen, dass ich nie als Spielerberater tätig war.»

zentralplus: OK. Existiert in Ihrem Vertrag aber eine Art Erfolgsprämie, nach dem Grundsatz: Je erfolgreicher der FCL, desto mehr verdienen Sie?

Wolf: Nächste Frage, bitte.

zentralplus: Vor etlichen Jahren waren Sie noch als Spielerberater tätig: Existieren noch alte Seilschaften?

Wolf: Mir ist wichtig zu betonen, dass ich nie als Spielerberater tätig war. Mit meiner Stiftung habe ich Kinder und Jugendliche begleitet. Aber ich habe nie Spieler vermittelt, und deshalb kann es auch keine alten Seilschaften geben.

zentralplus: Sie waren Mitglied im Verwaltungsrat des FC St. Gallen bis zum letzten August. Jetzt leiten Sie im FC Luzern zwei Gremien: den Verwaltungsrat und die operative Ebene. Welche Erfahrung bringen Sie auf dieser Führungsebene mit?

Wolf: Ich bin seit 2014 Präsident der Krankenkasse Luzern Hinterland mit einem Umsatz von 80 Millionen Franken und 20’000 Mitgliedern. Da leite ich noch bis zum nächsten Sommer ein sechsköpfiges Gremium. Darüber hinaus habe ich das CAS Leadership abgeschlossen.

zentralplus: Das Adlatentum im FC Luzern hat Tradition: Bis vor Kurzem liessen die zerstrittenen Aktionäre ihre Interessen durch Stellvertreter am runden Tisch wahren. Jetzt zügelt mit Bruno Affentranger der Adlatus von Bernhard Alpstaeg in den neuen FCL-Verwaltungsrat. Sehen Sie darin kein Problem?

Wolf: Bernhard Alpstaeg unterstützt die Neuausrichtung und unsere Philosophie. Und der Zuständigkeitsbereich von Bruno Affentranger im Verwaltungsrat liegt nicht darin, Bernhard Alpstaeg zu vertreten. Vielmehr soll er den FC Luzern in Kommunikation und Vermarktung unterstützen. Bernhard Alpstaeg wird von mir stets informiert, aber als Gremium können wir unabhängig entscheiden.

zentralplus: In der Gunst von Aktionär und Verwaltungsrat Josef Bieri standen Sie schon seit einiger Zeit ganz weit vorne. Hat er Sie für den Job gewonnen?

Wolf: Ja, Josef Bieri und Bruno Affentranger sind im Dezember auf mich zugekommen.

«Bestimmt bin ich kein Diktator, diese Art von Führung liegt mir fern.»

zentralplus: Welchen Einfluss hatten Sie auf die Zusammenstellung des Verwaltungsrates?

Wolf: Ich hatte gewisse Wunschszenarien, was die Kompetenzbereiche im VR betrifft, und ich muss Vertrauen in die Leute haben. Letztlich ist es aber das Aktionariat, das den Verwaltungsrat bestellt und wählt.

zentralplus: Was für eine Art Führungsperson sind Sie?

Wolf: Ich habe Vertrauen in die Spezialisten, darum haben wir den Verwaltungsrat mit den verschiedenen Kompetenzen auch so aufgestellt. Ich will als Team agieren, so funktioniere ich schon seit Jahrzehnten. Bestimmt bin ich kein Diktator, diese Art von Führung liegt mir fern.

zentralplus: Einen Platz im Verwaltungsrat mit einer Frau zu besetzen ist im Sport gerade en vogue: Ist das beim FCL mehr als ein Marketing-Gag und tatsächlich eine strategisch bedeutende Position?

Wolf: Wenn wir nur auf einen Hype aufspringen wollten, hätten wir schon jetzt die Frau für den Verwaltungsrat bestimmt. Wir haben das Bedürfnis, eine Frau in einer Männerdomäne zu haben, weil diese einen anderen Blickwinkel auf Dinge hat als wir Männer. Sie muss aber natürlich Kompetenzen mitbringen und einen Bereich abdecken, den wir noch nicht besetzt haben. In dieser Evaluation befinden wir uns gerade.

zentralplus: Der frühere Verwaltungsrat des FC Luzern wurde oft dafür kritisiert, dass ihm die sportliche Kompetenz abgeht. Mit Ihnen und Laurent Prince ist das Manko aus der Welt geschafft. Dafür ist der Verwaltungsrat in Zeiten von Corona nun eher in Sachen wirtschaftlicher Kompetenz nicht mehr so stark auf der Brust.

Wolf: Auf Stufe VR erachte ich das nicht als Manko. Josef Bieri kommt ja aus dem Finanzsektor. Was wir aber haben, ist ein hervorragender Finanzchef. Das ist das Wichtigste in einem Betrieb. Richard Furrer macht seit Jahren einen Topjob. Um ihn werden wir beneidet, nur schon wegen des für Transparenz sorgenden Geschäftsberichts, der unter seiner Federführung entsteht.

«Es gibt aber in der Zeit der Coronapandemie die Möglichkeit einer Vorwärtsstrategie.»

zentralplus: Es hätte risikofreiere Momente gegeben als jenen, den Sie zum Einstieg in den FC Luzern gewählt haben. Sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Hatten Sie nie Bedenken?

Wolf: Niemand weiss, wann die Coronapandemie vorbei und der richtige Moment da ist. Es gibt aber in dieser Zeit die Möglichkeit einer Vorwärtsstrategie. Zu sagen, wir schauen vorwärts, wir sind positiv eingestellt, auch wenn wir nach wie vor keine Zuschauer ins Stadion lassen dürfen und wenn es auf dem Weg in die Zukunft Hindernisse zu überwinden gibt.

zentralplus: Für die Mannschaft, die um den Ligaerhalt kämpft, war es vielleicht auch nicht ganz einfach, mitten in der Saison einen neuen Überbau zu bekommen. Das könnte Unruhe produzieren.

Wolf: Aber die gab es ja nicht, sondern ganz im Gegenteil: Es gab Euphorie. Und das kann ja auch eine Mannschaft beflügeln. Wir kommen ja nicht, um Leute rauszuwerfen und einen Neustart zu wagen. Das haben die Verantwortlichen im sportlichen Bereich und die Spieler auch so aufgenommen. Erst recht auch dadurch, dass sie von ihrem eigenen Umfeld zu spüren bekamen, dass es jetzt los geht beim FCL.

zentralplus: Mit Ihnen wurde dem Modell «Luzerner für den FCL» neuer Schub verliehen. Ist Ihnen die Stärkung dieser Identifikation wichtig für die Zukunft des Vereins?

Wolf: Das Gesicht gegen aussen war natürlich wichtig. Ich gehöre zu einer Spielergeneration, die noch erkannt wird von den Leuten. Das hilft mir und uns allen. Aber wir wollen die ganze Innerschweiz für den FCL begeistern und das schliesst für mich mit ein, dass wir die ehemaligen Spieler für unseren Plan gewinnen können.

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4 Kommentare
  1. Roger, 22.02.2021, 17:59 Uhr

    Im Sinne der Transparenz: Wie viel verdienen Sie, Stefan Wolf?
    und
    Der 50-jährige Luzerner redet über seine Mission, seinen Führungsstil und sein Salär.

    Was für eine reisserische Aufmachung. Und im Artikel dann kein Wort über das Salär von Stefan Wolf. Ist auch nicht spannend, was er verdient. Der Typ, Stefan Wolf ist spannend und wird an seinen Leistungen gemessen. Bringt er das, was von ihm erwartet wird, spielt sein Salär auch keine Rolle.

    Im Übrigen steht in dem Artikel nichts, was man nicht schon seit 10 Tagen weiss…

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    1. Redaktion Andreas Ineichen, 23.02.2021, 08:54 Uhr

      Besten Dank für Ihre kritische Rückmeldung. Was Sie als reisserisch bezeichnen, ist meines Erachtens eine Zusammenfassung dessen, was im Interview folgt. Stefan Wolf redet über die angesprochenen Punkte. Auch die Frage nach seinem Salär wird gestellt. Dass Sie diese nicht als relevant erachten, ist Ihr gutes Recht. Gerade in Zeiten von Corona, in denen nach Darstellung der Profi-Vereine jeder Franken umgedreht werden muss und finanzielle Staatshilfe verlangt wird, vertrete ich einen anderen Standpunkt.

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  2. Beat Keiser, 20.02.2021, 12:59 Uhr

    Besten Dank Stefan für Dein Interview. Mir Dir ist wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Du stehst über den Geschichten der Vergangenheit und über den Anti-FCL Medien. Es gilt jetzt nach vorne zu schauen und nicht den verpassten Chancen der Vergangenheit nach zu trauern. Als langjähriger treuer FCL-Fan stehe ich ganz klar hinter der Neuausrichtung des FC Luzern. Was ich dabei nicht vergessen möchte ist, Philipp Studhalter ganz herzlich zu danken. Er hat in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet und war auch immer für uns Fans da.
    Herzlichen Dank Philipp !

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  3. Karl Ottiger, 20.02.2021, 12:55 Uhr

    Endlich haben sie es beim FCL geschafft einen kompetenten Präsidenten einzustellen ich bin glücklich das Stefan Wolf das Amt angenommen hat. Wir sind uns nie sehr viel begegnet aber wenn es einmal statt gefunden hat hatte ich immer das Gefühl mit einem grossartigen Menschen gesprochen zu haben. Ich wünsche dir nur das beste bei deinem neuen Job . Hopp FCL

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