Gesellschaft
Keine Gewalt an FCL-Spielen

Trotz friedlicher Saison – FCL muss Kameras aufrüsten

25.05.2016: Die FCL-Mannschaft bedankt sich nach dem letzten Saisonspiel gegen den FC Sion mit einem Spruchband bei den Fans. Auch Kanton und Polizei sind mit ihnen zufrieden.

(Bild: meienberger-photo.ch)

Null Ausschreitungen: Die Fussballsaison 2015/2016 in Luzern gehört zu den friedlichsten seit Jahren. Gründe sind laut den Beteiligten eine starke Repression, aber auch ein enger Dialog mit den Fans. Jetzt kann der FCL auf tiefere Sicherheitskosten hoffen – er muss aber auch in bessere Kameras investieren.

Solche Mitteilungen hört man gerne: «Weder bei den letzten 18 Heimspielen des FCL noch bei den Cupspielen kam es zu nennenswerten Auseinandersetzungen unter den Fanlagern oder mit der Polizei.» Das teilt der Kanton Luzern diesen Donnerstagnachmittag mit. Die letzte massive Ausschreitung gab’s 2015, am Pfingstmontag, gegen den FC Zürich. Seither ist nichts mehr passiert.

Die Saison 2015/2016 wird damit als eine der friedlichsten in die Geschichte der Stadt eingehen. Im Schnitt «klöpfte» es sonst pro Saison ein- bis zweimal gröber zwischen den Fans.

Kleiner Wehrmutstropfen: Zu einzelnen Sachbeschädigungen an Bussen durch Gästefans sowie Sprayereien an Fassaden kam es auch in der vergangenen Saison.

FCL muss wohl weniger zahlen

Die Mitteilung des Kantons ist unterzeichnet von einem Gremium, welches sich regelmässig zu einem runden Tisch trifft. Dazu gehören der FC Luzern, die Fanarbeit Luzern, die beiden Fanorganisationen USL und Vereinigte FCL-Fanclubs, die Verkehrsbetriebe (VBL) sowie die Luzerner Polizei und Vertreter des Kantons Luzern und der Stadt.

«Massgebend war die konstruktive gute Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure.»

Erwin Rast, Justiz- und Sicherheitsdepartement Luzern

Für Erwin Rast vom kantonalen Justiz- und Sicherheitsdepartement ist denn auch dieser runde Tisch ein wichtiger Teil des Erfolges: «Massgebend war die konstruktive gute Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Die neue Vereinbarung betreffend Sicherheitskosten zwischen Kanton und FCL kann ebenfalls eine Wirkung haben.» Damit meint Rast, dass der FCL seit diesem Jahr 300’000 Franken mehr, neu maximal 870’000 Franken an die Sicherheitskosten zahlen muss. Das hat der Kantonsrat so verlangt.

Der Fankrawall zwischen den FCL- und den FCZ-Fans vom Pfingstmontag 2015 sorgte für grosse Empörung.

Der Fankrawall zwischen den FCL- und den FCZ-Fans vom Pfingstmontag 2015 sorgte für grosse Empörung.

Als «Zückerli» werden dem FCL aber je 100’000 Franken erlassen, wenn es innerhalb und ausserhalb des Stadions ruhig bleibt. FCL-Pressesprecher Max Fischer sagt dazu: «Wir haben jetzt ein halbes Jahr hinter uns. Wenn es in der Vorrunde der neuen Meisterschaft so friedlich weitergeht, stehen die Chancen gut, dass wir einen möglichst hohen Bonus erhalten.» Auch für Fischer ist der Austausch unter allen Beteiligten der Schlüssel zum Erfolg: «Es zeigt sich, dass der ständige Dialog mit allen Involvierten bestens funktioniert und dass die auf Prävention ausgerichtete Arbeit erfolgreich ist.»

Abschreckende Urteile

Bernhard Aregger

Bernhard Aregger

(Bild: )

An der friedlichen Situation Freude hat natürlich auch die Polizei. Denn deren Leute werden bei Ausschreitungen schnell mal selber Ziel von Gewalt. Für Bernhard Aregger, Chef Planung und Einsatz, war nicht nur der runde Tisch für den Erfolg verantwortlich. Auch Ermittlungserfolge in der Vergangenheit, etwa nach der wüsten Massenschlägerei gegen den FCZ im Frühjahr 2015, hätten dazu beigetragen. Seither konnten 26 von 34 Gewalttäter verurteilt werden. Die Täter wurden mit Geldstrafen zwischen 3900 und 15’600 Franken bestraft. Zudem müssen die Verurteilten Bussen bis zu 4000 Franken und die Untersuchungskosten bezahlen. «Das hatte sicher eine abschreckende Wirkung», ist Aregger überzeugt.

«Wir prüfen den künftigen Einsatz von effizienten hochauflösenden Kameras im Stadion.»

Bernhard Aregger, Luzerner Polizei

Doch alle Probleme können am runden Tisch nicht gelöst werden. So beharren einige Fans in der «Kurve» darauf, die verbotenen Pyro-Fackeln abzubrennen. Der FCL zahlt dafür jedes Mal eine Busse an den Fussballverband. Die FCL-Fans waren diese Rückrunde damit ausgesprochen zurückhaltend. Bis aufs letzte Spiel gegen den FC Sion, als sie dafür gleich ein paar Dutzend Pyros abfackelten. Wegen Fackeln und ähnlichen Verstössen spricht der FCL im Schnitt 50 Stadionverbote pro Jahr aus.

Fans ersetzen Bahnpolizei

Seit letztem Herbst/Winter fahren in den FCL-Extrazügen keine Sicherheitsleute mehr mit. Stattdessen übernehmen von der Transportpolizei geschulte Fans diese Aufgabe. Dies, weil es in der Vergangenheit einige Male zu Gewalt gegen die Sicherheitsleute kam. Die Rückmeldungen der SBB sind laut Luzerner Polizei bislang positiv, das Konzept scheine zu funktionieren.

Mit besseren Kameras gegen Übeltäter

Um künftig mehr Pyromanen und Gewalttäter ermitteln zu können, wünscht sich die Polizei modernere Videokameras im FCL-Stadion. Bernhard Aregger erklärt: «Gute Bilder und Videoaufnahmen helfen uns bei der Ermittlungsarbeit bei Gesetzesverstössen. Deshalb sind wir im Dialog mit dem FCL und prüfen den künftigen Einsatz von effizienten hochauflösenden Kameras im Stadion.» Max Fischer vom FC Luzern bestätigt das. Man evaluiere derzeit bessere Kamerasysteme. Fischer gibt aber zu bedenken: «Hier handelt es sich um eine grössere Investition, was für den finanziell limitierten FCL eine Herausforderung darstellt.»

Kritik an Internetfahndung

Thomas Buchmann

Thomas Buchmann

Auch Thomas Buchmann von der Fanarbeit Luzern ist zufrieden mit der vergangenen Saison: «Der gute Dialog unter allen Beteiligten war entscheidend dafür. Wenn wir damit weiterfahren können, sind wir zuversichtlich, dass es auch in Zukunft so friedlich bleibt.» Es gebe jedoch keine Garantie, dass Vorfälle ganz ausgeschlossen werden könnten.

Der runde Tisch sei wichtig, um auch die Anliegen der Fans miteinzubeziehen. Buchmann bringt ein Beispiel: «Die Fans können ihre Choreografien aufhängen und distanzieren sich gleichzeitig von Böllern im Stadion.» Anders als einige Beobachter behaupten, erreiche die Fanarbeit fast alle Fans – also auch solche, die Gewalt gegenüber nicht abgeneigt sind. Zudem finden laut Buchmann auch unter Fans selber oft Diskussionen über Sinn und Unsinn gewisser Aktionen statt. Ein Beispiel dafür: Nach der missglückten Fasnachtsaktion eines Fans, der sich am Auswärtsspiel gegen St. Gallen als Jude verkleidet hat, versprach die Fanorganisation USL, dass man rassistisches Verhalten nicht dulde.

Buchmann bestätigt zwar die Aussagen der Polizei, wonach deren Internet-Fahndungserfolge samt den hohen Bussen eine abschreckende Wirkung auf potentielle Krawallmacher hat. Jedoch stelle sich hier klar die Frage, ob die Verhältnismässigkeit dieser Art der Öffentlichkeitsfahndung noch gewährleistet sei. Bekanntlich stellt die Justiz damit Leute an den Pranger, deren Schuld noch gar nicht erwiesen ist.

FCZ-Abstieg sorgt für tiefere Kosten

Erwin Rast hofft, dass sich die friedliche Phase noch lange hinzieht: «Im Grundsatz sind wir zuversichtlich, aber uns ist bewusst, dass immer wieder Vorfälle möglich sind. 100-prozentige Sicherheit ist leider auch in diesem Bereich nicht möglich.» Genau gleich sehen es der FCL und die Polizei.

Stellt sich zum Schluss die Frage: Können die hohen Sicherheitskosten an FCL-Heimspielen gesenkt werden? Zumal der abgestiegene FC Zürich mit seinen teils rabiaten Fans mindestens eine Saison nicht mehr in der obersten Spielklasse mitspielen darf, und dafür Lausanne zum Zug kommt. Bernhard Aregger von der Polizei will sich dazu nicht auf die Äste lassen. «Wir überprüfen laufend die Lage und beurteilen sie neu. Das ist immer ein Abwägen: Wenn wir mal weniger Leute aufbieten, und dann passiert etwas, ist das auch nicht gut. Wir müssen immer parat sein.»

Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.