Gesellschaft
Stadt testete an der Tribschenstrasse

Luzerner Super-Ampel weckt sogar in Deutschland Interesse

Die intelligente Ampel verspricht «mehr Grün». (Bild: Adobe Stock)

«Mehr Grün» versprechen die intelligenten Ampel-Anlagen, die von der Stadt Luzern in den letzten Monaten getestet wurden. Die Technik soll nun an weiteren Standorten zum Einsatz kommen – nicht nur in der Stadt Luzern.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Ampeln kann die von der Stadt Luzern getestete «Super-Ampel» auf das Verkehrsaufkommen reagieren. Grünzeiten können länger beibehalten oder die Ampel schneller umgestellt werden. Sekündlich wird der Verkehrsstrom neu berechnet. An der Tribschenstrasse wurde im Oktober vergangenen Jahres ein entsprechender Pilotversuch gestartet, der alle Verkehrsteilnehmer schneller ans Ziel bringen soll (zentralplus berichtete).

Nun kommt die Stadt Luzern zum Schluss, dass sich die Wartezeiten dank selbststeuernden Anlagen tatsächlich stark verkürzt haben. Eine Auswertung der ETH zeige, dass sich die Wartezeiten entlang der Tribschenstrasse um bis zu 90 Prozent verkürzt haben.

Effekt an der Werkhofstrasse weniger spürbar

Die besten Resultate wurden an der Kreuzung bei der Kellerstrasse erzielt. Dort hat sich die durchschnittliche Wartezeit für den Fussverkehr um rund einen Drittel verringert. Die Häufigkeit von langen Wartezeiten konnte stark, um bis zu 96 Prozent, reduziert werden.

Bei der verkehrsreichen Kreuzung an der Werkhofstrasse haben sich die durchschnittlichen Wartezeiten hingegen nicht merklich verkürzt. Dies sei hauptsächlich auf die stark frequentierte Rechtsabbiegespur aus der Werkhofstrasse zurückzuführen, schreibt die Stadt. Die Häufigkeit von langen Wartezeiten konnte jedoch auch hier deutlich um bis zu 85 Prozent reduziert werden.

Auch die durchschnittliche Wartezeit für die Busse konnte zudem minim verkürzt werden. Sie müssen selten anhalten, und wenn doch, sind die Wartezeiten sehr kurz. Beim Auto-, Motorrad- und Veloverkehr ist die durchschnittliche Wartezeit an der Kreuzung Kellerstrasse um 18 Prozent kürzer als vorher. Bei der Werkhofstrasse ging sie sogar um 38 Prozent zurück.

«Harte Grünabbrüche» sind seltener geworden

An beiden Kreuzungen konnten zudem die Anzahl der «harten Grünabbrüche» um rund einen Viertel reduziert werden. Harte Grünabbrüche sind Situationen, in denen Fahrzeuglenker bei der Annäherung an die Ampel vom Rot überrascht werden.

Entwickelt wurde das «Super-Ampel»-System zusammen mit der Roland Müller Küsnacht AG und dem Steuergerätehersteller Bergauer AG. Zudem wird es vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) im Rahmen der Koordinationsstelle nachhaltige Mobilität (Komo) unterstützt.

Schlossberg und Eichhof wären Optionen

Das positive Fazit veranlasst die Stadt, nun weitere Standorte zu prüfen. Wo weitere Anlagen instaliert werden könnten sei noch nicht definiert worden, sagt Projektleiter Thomas Karrer auf Anfrage.

«Im Fokus werden primär Verkehrsknoten stehen, die für sich alleine stehen und nicht Teil eines aufeinander abgestimmten Systems von Ampeln sind.»

Thomas Karrer, Projektleiter, Stadt Luzern

Es besteht jedoch ein klares Auswahlkriterium. «Im Fokus werden primär Verkehrsknoten stehen, die für sich alleine stehen und nicht Teil eines aufeinander abgestimmten Systems von Ampeln sind», erklärt Karrer. Ein Beispiel: Auf der Strecke Pilatusstrasse bis Löwenplatz sind alle Ampeln aufeinander abgestimmt. Dort würde es vorerst keinen Sinn ergeben eine davon durch ein neues System zu ersetzen. Eher kämen autonome Knotenpunkte wie etwa beim Schlossberg oder im Eichhof in Frage.

Einen Zeithorizont, um solche neuen Standorte zu definieren, bestehe derzeit ebenfalls nicht, so Karrer. Dies hänge in den meisten Fällen auch davon ab, ob ein Ampelsystem seine Lebensdauer von durchschnittlich 20 bis 25 Jahren erreicht hat und ersetzt werden muss. «In besonderen Fällen, wo grosser Bedarf an einer Verbesserung besteht, könnte man eine Umrüstung jedoch ins Auge fassen», sagt Karrer.

Zweijähriger Prozess

Dem Praxistest an der Tribschenstrasse ging ein gut zweijähriger Prozess voraus, erklärt Karrer. So wurde die Wirkung der neuen Ampeln bereits 2018 mittels einer Verkehrssimulation getestet. «Der Vergleich mit der damals bestehend realen Situation liess bereits eine deutliche Verbesserung erkennen.» Im Herbst 2019 fanden die Arbeiten für den realen Praxistestlauf statt.

«Selbst aus diversen deutschen Städten, insbesondere im Bundesland Baden-Württemberg, haben wir Anfragen dazu erhalten.»

Thomas Karrer, Projektleiter

Dieser fand während rund zwei Wochen im Januar 2020 statt. Die relativ kurze Testphase sei jedoch ausreichend, um die Verkehrsströme entlang der viel befahrenen Tribschenstrasse abzubilden, so Karrer. Die Kosten für den Pilotversuch belaufen sich auf insgesamt rund 300'000 Franken. Sowohl der Bund wie auch der Gerätehersteller und der Entwickler der Selbststeuerung beteiligen sich an den Kosten. «Bei möglichen weiteren Ampeln würde ein wesentlicher Teil dieser Kosten wegfallen, da viele Arbeiten einmalig und nur für den Pilotbetrieb nötig waren», ergänzt Karrer.

Die nun vorliegenden Resultate des Pilotversuchs wurden derweil weit über die Stadtgrenzen hinaus heiss erwartet. So haben diverse Schweizer Städte, Kantone und der Bund ebenfalls Interesse an den intelligenten Ampeln bekundet. «Selbst aus diversen deutschen Städten, insbesondere im Bundesland Baden-Württemberg, haben wir Anfragen dazu erhalten», berichtet Karrer.

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