Gesellschaft

Ökobilanz Leitungswasser
Lass das Wasser ruhig laufen

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Der Hauptsitz der ewl an der Industriestrasse. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Das Sparen von Leitungswasser sei nicht effektiv, um die Umwelt zu schonen. Es könne für die Qualität und die Ökobilanz sogar kontraproduktiv sein. Dies zumindest ergibt eine neue Studie, die vom Luzerner Wasserversorger ewl mitfinanziert wurde.

Wer beim Einseifen unter der Dusche oder während dem Zähneputzen das abstellt, tut der etwas Gutes. Zumindest dachte man das bis anhin. Gemäss einer im Auftrag des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW) erstellten Studie, soll das jedoch wirkungslos sein.

Der Verein, in welchem alle grösseren Gas- und Wasserwerke der Schweiz Mitglied sind, lässt die Ökobilanz des Leitungswassers jährlich überprüfen (siehe Box). Die kürzlich veröffentlichten Resultate für 2014 zeigen deutlich: Leitungswasser hat eine hervorragende Ökobilanz. So hervorragend, dass es hierzulande kaum effektiv ist, diese Ressource einzusparen, um die Umwelt zu schonen. Auch seitens von , Wasser Luzern (ewl), die auch in den Kommissionen des SVGW vertreten ist, hat man die Studie zur Kenntnis genommen.

Kaum Umweltbelastungen durch Leitungswasser

«Mit Trinkwassersparen kann der Konsument die durch ihn verursachte Umweltbelastung nicht wesentlich reduzieren», ist der Studie zu entnehmen. Der von kaltem Hahnenwasser trage insgesamt nur wenig zu den gesamten Umweltbelastungen bei. «Deshalb kann mit einer Reduktion des Wasserverbrauchs nur ein relativ kleiner Beitrag zur Reduktion der Umweltbelastungen erreicht werden.» Doch ist Wassersparen deshalb sinnlos?

«Seit den 80er Jahren lässt sich feststellen, dass der Verbrauch von Leitungswasser rückläufig ist», sagt Patrik Rust, Mitglied der Geschäftsleitung von ewl und zuständig für die Trinkwasser-, Fernwärme- und Gasversorgung. Dies sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung auf die globale Wasserknappheit sensibilisiert wurde und somit zunehmend einen bewussteren Umgang mit der Ressource pflege.

«Werden die Leitungen wenig durchspült, stagniert das Wasser, was zu einer verstärkten Keimbildung führen kann.»
Patrik Rust, Mitglied der Geschäftsleitung von ewl

Mehr Keime und Energieaufwand

«Wasser sparen ist natürlich kein Blödsinn», erklärt Rust. Aber es sei so, dass der verringerte Wasserverbrauch sich negativ auf die ansonsten sehr gute Ökobilanz des Leitungswassers auswirke. «Werden die Leitungen wenig durchspült, stagniert das Wasser, was zur verstärkten Keimbildung führen kann.» Das Wasser in den Leitungen muss dann zusätzlich gespült werden und dies ist mit weiterem Energieaufwand verbunden. «Man kann schon sagen, dass wir uns in der Schweiz und auch in der Stadt Luzern in einer privilegierten Situation befinden. Unser Wasser fliesst quasi ohne zusätzlichen Energieaufwand vom Pilatus direkt zum Endverbraucher», so Rust.

55‘000 Liter Hahnenwasser pro Jahr

Hahnenwasser hat eine hervorragende Ökobilanz und ist das mit Abstand umweltfreundlichste Getränk. So das Fazit der Ökobilanz 2014, die der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) erstellen liess (siehe weiterführende Links). In der Studie, die letzte Woche veröffentlicht wurde, wird Trinkwasser mit anderen Getränken und Konsumgütern verglichen.

Dabei wird aufgezeigt, dass durch den Konsum eines Liters Mineralwasser durchschnittlich 450mal mehr Umweltbelastungen verursacht werden, als durch dieselbe Menge an Leitungswasser. Eine Person in einem Privathaushalt konsumiert rund 55‘000 Liter Hahnenwasser pro Jahr. Die damit einhergehenden Umweltbelastungen entsprechen einer Autofahrt von Chur nach Genf.

Dem schliesst sich auch Werner Göggel, Abteilungsleiter Gewässer des Kantons Luzern, an. «Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass das Wassersparen an sich aufgrund des ausreichenden Angebots in der Schweiz nicht unbedingt notwendig ist.» Leitungswasser einzusparen sei deshalb aber noch längst nicht sinnlos, sind sich die beiden einig.

Energie sparen ist effektiver

«Im Gegenteil, es macht sehr wohl Sinn, wenn man alle relevanten Prozesse inklusive der Warmwasseraufbereitung beachtet», meint Göggel weiter. Es müsse ebenfalls berücksichtigt werden, dass das Wasser nach Gebrauch geklärt wird. «Das alles braucht viel Energie.»

Seitens ewl versucht man die Kundschaft deshalb darauf aufmerksam zu machen, dass Wasser sparen in erster Linie bedeutet, Energie zu sparen. «Dabei geht es vor allem um Warmwasser», erklärt Rust. Verkürze man die Duschzeit, so gehe es nicht um die Anzahl Liter Wasser, die dadurch eingespart werden, sondern viel mehr um das Einsparen der Energie, die zu dessen Erwärmung benötigt wurde.

Gewässerschutzzonen als Herausforderung

Der SVGW sieht die hervorragende Ökobilanz des Leitungswassers in erster Linie als Ansporn, diese auch weiterhin zu erhalten. «Dem Trinkwasser und der natürlichen Ressource muss eine hohe Priorität eingeräumt werden – insbesondere in der Raumplanung und Entwicklung der Gemeinden.»

«Im dicht besiedelten Gebiet ist dabei insbesondere die Einrichtung und Aufrechterhaltung von Gewässerschutzzonen von Bedeutung», so Rust. Dies, da in diesen Gebieten vermehrt Fremdstoffe, wie Hormone, Antibiotika oder Pestizide ins Grundwasser gelangen. Obwohl das Sparen der Ressource Wasser nicht primär das Ziel von ewl ist, versuche man, «ein Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Leitungswasser zu schaffen», meint Rust.

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1 Kommentare
  1. David, 15.01.2015, 18:15 Uhr

    Mich überrascht die folgende Aussage ein wenig:
    «Man kann schon sagen, dass wir uns in der Schweiz und auch in der Stadt Luzern in einer privilegierten Situation befinden. Unser Wasser fliesst quasi ohne zusätzlichen Energieaufwand vom Pilatus direkt zum Endverbraucher»

    Ich meine mich erinnern zu können, vor vielen Jahren (noch als Schüler) einmal eine grosse Wasserpumpstation in der Stadt Luzern besichtigt zu haben, welche durch massive Rohre Seewasser den Hang hinauf gepumpt, anschliessend gesäubert und dann ins Leitungsnetz gespeist hat.
    Uns wurde glaube ich erklärt, dass die «untere Hälfte» der Stadt Luzern durch das Seewasser dieser Pumpstation verorgt werde und nur die obere Hälfte vom herabfliessenden Pilatuswasser.
    Ein gewisser Energieaufwand scheint also doch notwendig zu sein.

    Aber völlig klar ist natürlich, dass hauptsächlich der Warmwasserverbrauch auf die Ökobilanz schlägt, nicht das kalte Wasser. (Immerhin macht das Warmwasser ja einen wesentlichen Teil des heimischen Stromverbrauchs des Durchschnittsschweizers aus.)

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