Gesellschaft
Hunderte Plätze fallen weg – noch fehlt ein Ersatz

In Luzern wird der Platz für Ukrainerinnen knapp

Die grösste temporäre Unterkunft des Kantons in der Libellenstrasse wird wohl Ende September geschlossen. (Bild: kap)

Bis Ende des Jahres fallen zwei Unterkünfte mit insgesamt 360 Unterkunftsplätzen für ukrainische Geflüchtete weg. Eine Nachfolgelösung hat der Kanton Luzern noch nicht gefunden.

Voraussichtlich Ende September müssen die ukrainischen Geflüchteten die temporäre Unterkunft in der Luzerner Libellenstrasse verlassen. Die Eigentümerin der Grundstücke, die Wohnbaugenossenschaft Luzern, plant auf dem Areal eine neue Überbauung (zentralplus berichtete). Mit derzeit rund 280 Geflüchteten ist diese Unterkunft die grösste im ganzen Kanton.

Es ist nicht die einzige temporäre Unterkunft, der noch dieses Jahr die Schliessung droht. Wie Viva Luzern, die städtische Anbieterin von Betagtenzentren und Altersheimen, diese Woche ankündigte, wird voraussichtlich bis Ende des Jahres das Haus Bernarda in der Stadt Luzern schliessen (zentralplus berichtete). Der Grund auch hier: Bauarbeiten.

Nicht genügend Platz für Geflüchtete in temporären Unterkünften

Mit der Schliessung der Unterkünfte in der Libellenstrasse und im Haus Bernarda fallen noch dieses Jahr 360 Unterkunftsplätze für Ukrainer weg. Das entspricht dem Platz für 13 Prozent aller im Kanton Luzern wohnhaften ukrainischen Flüchtlingen.

Demnach stünden dem Kanton Luzern künftig nur noch 520 statt 880 Plätze in temporären Unterkünften zur Verfügung. Derzeit sind in diesen 615 Geflüchtete untergebracht. Dementsprechend hätte der Kanton nach der Schliessung ein Platzproblem in temporären Unterkünften: rund 100 Plätze zu wenig.

Das Haus Bernarda an der Schweizerhausstrasse 6 wird voraussichtlich Anfang 2024 umgebaut.
Die Geflüchteten im Haus Bernarda an der Schweizerhausstrasse in Luzern müssen wohl Ende des Jahres raus. (Bild: zvg)

Infolgedessen braucht es alternative Unterkunftsplätze. Neben temporären Unterkünften wohnen Ukrainerinnen im Kanton Luzern auch in Gastfamilien und in Kantonswohnungen. Letztere sind vom Kanton Luzern angemietete Wohnungen.

Freiwillige Aufnahme von Ukrainerinnen nimmt ab

Mit der aktuellen Strategie des Kantons kommt als Ersatz neben neuen temporären Unterkünften lediglich die Unterbringung in Kantonswohnungen infrage, da private Unterbringungen auf Freiwilligkeit der Gastgeber beruhen. Ebendiese Freiwilligkeit hat aber abgenommen: Wohnten zu Beginn des Krieges noch 1000 Geflüchtete in Gastfamilien, seien es heute noch 400, schreibt die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen (DAF) auf Anfrage von zentralplus.

Eine Nachfolgelösung für die 280 untergebrachten Ukrainer in der Libellenstrasse gebe es derzeit nicht, wie aus den Antworten der DAF hervorgeht. «Wir verhandeln periodisch mit der Wohnbaugenossenschaft Luzern über die weitere Unterbringung in der Libellenstrasse», teilt die DAF mit.

Die Dienststelle bezeichnet die Situation im Asyl- und Flüchtlingswesen als «angespannt». In den nächsten Monaten erwartet der Kanton einen weiteren Anstieg an Personen aus dem ordentlichen Asylverfahren.

Einsprachen gegen Bauprojekt könnten dem Kanton helfen

Das Problem der fehlenden Plätze würde sich entschärfen, wenn die Geflüchteten länger in der Libellenstrasse bleiben könnten. Der aktuelle Vertrag zwischen der Wohnbaugenossenschaft Luzern und dem Kanton ist bis Ende September 2023 gültig. Womöglich könnten die Geflüchteten aber länger bleiben, schreibt Andreas Bucher, Präsident der Wohnbaugenossenschaft Luzern, auf Anfrage. Ob dies der Fall ist, hängt von allfälligen Einsprachen gegen das geplante Bauprojekt der Wohnbaugenossenschaft Luzern ab, welches zurzeit öffentlich aufliegt (zentralplus berichtete).

Diese Einsprachefrist wird auch der Kanton Luzern abwarten, bevor er das weitere Vorgehen beschliesst. «Wir beurteilen die Situation, sobald klar ist, ab wann die Unterbringung in der Libellenstrasse wegfällt», heisst es auf Anfrage bei der DAF.

Obwohl die DAF die Situation als «angespannt» beurteilt, weist sie darauf hin, dass zurzeit noch ein leichter Überschuss an Plätzen im Kanton Luzern bestehe. «Die DAF arbeitet mit einer vorausschauenden Eventualplanung, sodass wir Engpässe in der Unterbringung frühzeitig erkennen und darauf reagieren können.» Falls es aber notwendig wäre, sei die Anmietung von weiteren Wohnungen sicher eine Option, schreibt die Dienststelle abschliessend.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen
  • Schriftlicher Austausch mit Andreas Bucher, Präsident Wohnbaugenossenschaft Luzern
  • Website des DAF
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