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Fünf Quadratmeter, die die Welt bedeuten
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André Schürmann auf den wenigen Quadratmetern seiner Loge-Bühne in Luzern. (Bild: Ausschnitt aus «Da, wo etwas los ist»)

Ehre für Luzerner Kulturort «Loge» Fünf Quadratmeter, die die Welt bedeuten

3 min Lesezeit 26.03.2016, 13:13 Uhr

Die «Loge» in der Luzerner Neustadt ist einer der kleinsten Kulturbetriebe der Zentralschweiz – und gleichzeitig einer mit den bekanntesten Gästen. Nun erhält der Veranstaltungsort einmal mehr nationale Aufmerksamkeit.

«Ein Blick durch die offenen Türen und Fenster» von 15 Kulturorten der Schweiz – das frisch erschienene Buch «Da, wo etwas los ist» zeigt eine kleine Auswahl von aussergewöhnlichen Häusern und Räumen aus den verschiedenen Landesteilen. Die Autoren haben sich für die traditionelle Sommerserie des Schweizer Feuilleton-Dienstes mit besonderen Schweizer Kulturhäusern befasst.

Aus der Zentralschweiz hat es ein Kulturort in das Buch geschafft: die Loge. Das kleine Veranstaltungslokal in der Luzerner Neustadt ist mit rund 40 Veranstaltungen im Jahr sicher keines der meistbesuchten oder auffälligsten Kulturhäuser der Zentralschweiz. Aber es vereint ein unkonventionelles Programm, eine persönliche Atmosphäre und die grossen Namen des Spoken Word auf kleinster Fläche.

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Der Autor Beat Mazenauer beschreibt es in der Neuerscheinung passend: «Die Loge zeigt auf, dass eine Bühne von fünf Quadratmetern die Welt bedeuten kann.»

Kultur auf 45 Quadratmetern

Die Loge ist auch abgesehen von der Bühne ein einfaches Lokal mit 45 Quadratmetern, einer sehr kleinen Bar, einem Kühlschrank und einer kleinen Toilette. Vor der Eröffnung 2004 war das Lokal noch die «Loge Records», ein Plattenladen mit Raritäten schwedischer Musik; dies erfährt man, wenn man es vorher nicht schon wusste.

«Die Loge ist ein sehr atmosphärischer Raum, und es steckt viel Herzblut darin.»
André Schürmann, Co-Leiter der Loge

Als klein, aber fein wird die Loge im Buch beschrieben. Und jeder, der bereits eine Veranstaltung im Lokal von André Schürmann und Jürg Lischer besucht hat, kann dies bestätigen. Die Atmosphäre ist familiär, man lernt immer neue Leute kennen, trifft alte Bekannte, unterhält sich querbeet – die Unterschiede zwischen Künstlern, Zuschauern und Veranstaltern verschwimmen.

Zwischen 1200 und 1500 Besucher lockt die Loge mittlerweile jährlich an. Doch es lief nicht von Beginn an reibungslos. Auch einige Veranstaltungen mit einer Besucherzahl, die gegen null tendierte, musste die Loge erleben. Manchmal arbeiteten die Veranstalter, ohne dafür einen Lohn zu erhalten. «Mittlerweile können wir uns aber sogar etwas für die eigene Arbeit ausbezahlen», lacht Schürmann. 

Das Buch

«Da, wo etwas los ist – 15 Kulturorte in der Schweiz» ist im März 2016 im Limmat Verlag erschienen. Mit Texten von Ursula Binggeli, Frank von Niederhäusern, Bruno Rauch, Karl Wüst, Judith Wyder, Beat Mazenauer, Beat Grossrieder, Antje Bargmann, Sabine Arlitt, Annina Hasler.

Mit Fotografien von Christian Beutler und einem Geleitwort von Isabelle Chassot, Direktorin des Bundesamtes für Kultur.

Unter den portraitierten Kulturorten sind unter anderem:

– Teatro Paravento in Locarno
– Kulturbühne La Vouta in Lavin GR
– Gschichtuhüs in Agarn VS
– Boschbar in Zürich
– Théâtre du Jorat in Mézières VD
– Kulturschuppen in Klosters GR
– Progr in Bern
– Zentrum für Gegenwartskunst Nairs in Scuol GR
– Festival Antigel in Genf

Elfjährig ist das Lokal heute und hat sich schweizweit zur am regelmässigsten veranstaltenden Bühne für Spoken Word entwickelt, zum Zentrum für Vermittlung und zu einer Drehscheibe der Schweizer Spoken-Word-Szene. Und immer wieder auch zur Plattform neuer Zusammenarbeiten, betont Schürmann. Neu arbeiten sie beispielsweise auch mit dem Literaturhaus Zentralschweiz lit.z in Stans zusammen.

Grosse Namen in kleinem Rahmen

Das Programm beinhaltet eigene Formate mit lokalen Sprachkünstlern wie «The Beauties & The Beast», Plattformen für erste Versuche, aber auch grosse Namen wie Pedro Lenz, Hazel Brugger oder Arno Camenisch, die die Atmosphäre und den Einsatz der Loge schätzen und ihre Wurzeln nicht vegessen haben.

Das Kritierium ist einfach: Literatur für die Bühne, nicht für das Büchergestell.

Der Leiter der Loge, André Schürmann, der in Zürich und San Diegeo Anglistik studiert hat, war auch Mitbegründer des «La Fourmi». Heute arbeitet er 60 Prozent als Englischlehrer. Mit 30 bis 40 Prozent schmeisst er die Co-Leitung, die Programmation und die Vermittlung der Loge. Der Zweite im Bunde ist Jürg Lischer, Mitinhaber auch der Pfistergassoptik, der sich mit einem Pensum von rund 20 Prozent hauptsächlich um die Technik kümmert.

Das Einzigartige bei dem kleinen Kulturbetrieb in der Neustadt sei der enge Austausch während und nach den Veranstaltungen, so Schürmann. «Die Loge ist persönlich geführt, ein sehr atmosphärischer Raum, und es steckt viel Herzblut darin», so Schürmann.

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