Freizeit
«Lieber gar nicht an die Fasnacht, als unverkleidet»

Fasnachts-Bazar: Zwischen Plastik-Kronen und Hippie-Hemden

Damian Surber, Geschäftsführer des Fasnachts-Bazars am Paulusplatz, spürt die Euphorie um die diesjährige Fasnacht. (Bild: jdi)

Mit dem Urknall startet in drei Wochen die Luzerner Fasnacht. Im Fasnachts-Bazar haben wir uns mit Geschäftsführer Damian Surber über Trends bei Kostümen unterhalten – und darüber, ob kulturelle Aneignung auch im Kostümladen Thema ist.

Vom winterlich grauen Paulusplatz ins lebendig bunte Kostümparadies: Die Holzglöckchen über der Eingangstür vertonen den radikalen Szenenwechsel beim Eintritt in den Fasnachts-Bazar. Hier eine schräg grinsende Maske, dort ein glitzerndes Prinzessinnenkleid – und mittendrin Damian Surber im Gespräch mit Kunden, die über die Passform verschiedener Hüte diskutieren.

Im Fasnachts-Bazar ging es vor einem Jahr um die Existenz: Aufgrund der Corona-Pandemie war bis kurz vor der Fasnacht unklar, ob diese überhaupt stattfinden würde. Dementsprechend harzig lief das Geschäft im bekanntesten Kostümladen Luzerns (zentralplus berichtete).

Fasnacht ohne Abstriche

Dieses Jahr sieht alles anders aus. Die Euphorie bei den Luzerner Fasnachtsliebhabern sei seit Wochen zu spüren. Das sagt Damian Surber im Gespräch zwischen glitzernden Sonnenbrillen und Perücken in allen erdenklichen Haarfarben.

Die Euphorie teilt Surber. Er ist seit über 20 Jahren aktiver Fasnächtler und trommelt bei der Krienser Guuggenmusig Amok-Symphoniker.

Ein kleiner Teil des riesigen Perückenangebots im Fasnachts-Bazar. (Bild: jdi)

«Piraten und Piloten gehen immer»

Neben uns versuchen sich zwei Kundinnen zwischen Hexenumhang und Astronautenanzug zu entscheiden. Trends für dieses Jahr festzumachen, sei schwierig, so Surber. «Piraten und Piloten gehen aber immer.» Auch Tierkostüme kämen gut an. In den Jahren vor der Pandemie seien Steampunk-Kostüme äusserst beliebt gewesen. Dieses Jahr zeige sich ein Trend bei Wikinger- und Western-Sujets. «Ich selbst mag verrückte Verkleidungen, mache mich gerne zum Affen», meint Surber schmunzelnd.

«Kulturelle Aneignung war bei uns kein grosses Thema.»

Damian Surber, Geschäftsführer des Fasnacht-Bazars

Im Webshop des Fasnachts-Bazars fällt auf: Um Dreadlocks mit Strickmütze, Sombreros oder Federschmuck zu finden, müssen Kunden lange scrollen. Das sei Zufall. Denn «kulturelle Aneignung war bei uns kein grosses Thema», sagt Surber. Die Diskussionen habe er zwar mitbekommen. Im Laden selbst habe es dazu aber kaum Feedbacks gegeben. Er ist sich sicher: Die allermeisten aktiven Fasnächtlerinnen würden mit ihrer Sujetwahl niemanden verletzen wollen.

Lieber keine Fasnacht als keine Verkleidung

Fündig werden Kundinnen im Fasnachts-Bazar auch mit kleinem Budget, versichert Damian Surber. Und wenn es nur eine lustige Perrücke sei. Generell gilt: «Man geht lieber gar nicht an die Fasnacht, als unverkleidet!»

Übrigens: Für Schnäppchenjäger und Secondhand-Liebhaberinnen lohnt es sich, in Brockenhäusern rumzustöbern. So führen die Heilsarmee Brocki in Kriens oder der Caritas-Laden Carla in Emmen ein Fasnachtssortiment.

Verwendete Quellen
  • Interview mit Damian Surber, Geschäftsführer des Fasnachts-Bazars
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