Regionales Leben
Kostümverkauf im Luzerner Theater

Als Ferrari an die Fasnacht: Wo sich Luzern mit Kostümen eindeckt

Der Kostümverkauf hat zum ersten Mal im Luzerner Theater stattgefunden. (Bild: kap)

Am Freitagabend fand im Luzerner Theater ein Verkauf von alten Stücken aus dem Kostümfundus statt. Zahlreiche deckten sich hier für die Fasnacht ein. Unter den 2000 Kostümen entdeckten wir auch einige kuriose Stücke.

Es ist Freitagabend, kurz vor 16 Uhr. Bei -2 Grad warten dutzende Männer und Frauen, Alt und Jung vor dem Luzerner Theater. Nur noch zehn Minuten, bis der erste grosse Kostümverkauf im Luzerner Theater seit sechs Jahren losgeht! Die Schlange wand sich bereits Minuten vor der Eröffnung bis zum Bekleidungsgeschäft «Zaunkönig». Wenig später wird sie bis zum Fussgängerstreifen zu der Kreuzung Hirschengraben-Hirschmattstrasse reichen.

Eine junge Frau blickt neben dem Eingang auf die lange Menschenschlange. Sie scheint überrascht zu sein, dass so viele Menschen dieselbe Idee wie sie hatten. Sie telefoniert gerade. «Mega viele Menschen sind da» sagt sie der anderen Person an der Leitung. Dennoch stellt sie sich hinten an.

Dick eingehüllt in einen Parka wartet eine Frau in der ersten Reihe auf ihren Einlass: «Ich bin seit drei Uhr hier», sagt sie. Der Grund für ihren Besuch ist einfach – und wohl für die meisten zutreffend: «Ich habe noch nichts für die Fasnacht».

Über eine Stunde Wartezeit bis zum Einlass

Die Stimmung in der Warteschlange ist ausgelassen, trotz Minustemperaturen. In kleinen Schritten geht es allmählich vorwärts. Dennoch wird es eine Stunde dauern, bis der Eintritt in das Foyer des Theaters gewährt wird. Wie wir später erfahren, dürfen sich nämlich maximal 170 Personen gleichzeitig auf den drei Etagen aufhalten.

«Fasnachtsgwändli, 50 Stutz!»

Ein Besucher des Kostümverkaufs

Bereits um 16:15 Uhr tritt die Frau vor uns aus der Warteschlange aus und ergreift die Flucht über den Theaterplatz in Richtung Bahnhof. Wenig später verlassen bereits die ersten Personen wieder das Theater. Ein Mann hält strahlend sein ergattertes Kostüm in die Luft, als er die Warte entlangläuft.«Fasnachtsgwändli, 50 Stutz!», schreit er. Kurz vor fünf Uhr beginnt ein Mann den Wartenden Tee zu verkaufen. Dem Geruch nach inklusive Schuss.

2000 Stücke standen zur Auswahl

Im Theater beginnt für die Besucherinnen die Suche nach dem passenden Kostüm. Die Auswahl ist gross: Rund 2000 Stücke der insgesamt rund 26'000 Kostüme aus dem Fundus im Südpol wurden dafür ins Luzerner Theater gebracht. Praktisch alle von ihnen haben Schauspielerinnen, Tänzer und Sängerinnen auf der Bühne des Luzerner Theaters getragen. Sie wurden eigens angefertigt, lediglich einen kleinen Teil habe man bei anderen Kostümverkäufen zugekauft. Das erzählt uns die Leiterin der Kostümabteilung, Ulrike Scheiderer.

Im Foyer des ersten Stockes zwängen sich die Gäste durch die engen Gänge zwischen den Kleiderstangen. Auf dieser Etage befindet sich zwischen lauten Gesprächen und Kindergeschrei das «Kostüm-Sammelsurium». Die Kostüme hier sind günstig. Der leicht modrige Geruch gewisser Kleidungsstücke verrät: Sie dürften schon länger nicht mehr zum Einsatz gekommen sein. Wie alt die Kleidungsstücke sind, ist nicht ganz klar. Entsprechend der Verarbeitungsart dürften sie aber bis 70 Jahre alt sein, sagt die langjährige Mitarbeiterin im Kostümfundus, Birgit Künzler.

Ausgefallene Kostüme kosten bis 400 Franken

Je weiter wir im Luzerner Theater aufsteigen, desto gesitteter geht es zu und her. Kein Wunder: Die Kostüme werden von Stock zu Stock teurer. Wahrlich ausgefallene Unikate findet der extrovertierte Fasnächtler im obersten Stock. Wer als KKL, Luzerner City-Train oder als Schiffsrestaurant Wilhelm Tell verkleidet an die Fasnacht will, wird hier fündig. Viele dieser aussergewöhnlichen Kostüme stammen aus dem Theaterstück «Das kleine Gespenst», wie Ulrike Scheiderer, Chefin der Kostümabteilung, verrät.

«Die Kostüme haben einen so hohen Wiedererkennungswert, dass es schwierig wäre, sie in einer anderen Produktion einzubringen.»

Ulrike Scheiderer,  Leiterin der Kostümabteilung

Während Waren im untersten Foyer bereits ab fünf Franken zu ergattern sind, müssen Fasnächtlerinnen für diese Unikate deutlich tiefer in die Taschen greifen. Diese kosten zwischen 150 und 400 Franken.

Ulrike Scheiderer war an der Produktion sämtlicher Kostüme massgeblich beteiligt. Fällt es ihr nicht schwer, sich von den kunstvoll gestalteten Kostüme zu trennen? «Ein wenig schon. Aber die Kostüme haben einen so hohen Wiedererkennungswert, dass es schwierig wäre, sie in einer anderen Produktion einzubringen.»

Ein Augenschein kurz vor 21.30 Uhr zeigt: Noch immer sind Leute auf der Sucher nach ihrem Fasnachtskostüm. Die Hektik ist allerdings der Gelassenheit gewichen. Zwischen den Kleiderstangen gibt es wieder deutlich mehr Platz, auch wenn diese noch immer gut gefüllt sind. Kisten voll mit Kleiderbügeln verraten, dass einiges verkauft wurde.

Veranstalter sind zufrieden

Mit dem Kostümverkauf im Luzerner Theater erhoffen sich die Organisatoren denn auch «Menschen, die unser Theater noch nicht gut kennen, das Haus an der Reuss nahezubringen». Bisher hat der Kleiderverkauf nämlich im Südpol – wo sich der Kostümfundus befindet – stattgefunden. Die letzte Ausgabe liegt allerdings bereits sechs Jahre zurück. Das Ziel dürfte erreicht sein: «Wir sind sehr zufrieden», bestätigt Monique Zimmermann, Eventverantwortliche am Luzerner Theater. Zwischen 1800 und 2000 Personen dürfen gemäss Zimmermann den Weg ins Luzerner Theater gefunden haben.

Ebenfalls zufrieden zeigt sich Ulrike Scheiderer. Im dritten Stock wurde über die Hälfte der ausgefallenen Kostüme verkauft. Was mit den übrig gebliebenen Kostümen passiert, ist unklar. Wahrscheinlich finden sie den Weg zurück in den Fundus. Gewisse Kostüme können umgestaltet oder anders wiederverwendet werden. Vielleicht findet das Ferrari-Kostüm einst den Weg zu einem Ferrari-Club.

Die Leiterin der Kostümabteilung freut sich jedenfalls, die Kostüme an der Fasnacht wieder anzutreffen. Bis zur Fasnacht dauert es nicht mehr lange: Heuer beginnt sie mit dem Urknall am «Schmutzigen Donnerstag» am 16. Februar. Es bleibt also genug Zeit für alle, die den Kostümverkauf verpasst haben, sich ein passendes Gewand anzuschaffen.

Verwendete Quellen
  • Augenschein vor Ort
  • Persönliche Gespräche mit Mitarbeiterinnen vor Ort
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