FC Luzern
Aufschub für verärgerte FCL-Fans

Personalisierte Tickets ab nächster Saison? Eine Utopie

Erst auf übernächste Saison könnten in der Schweiz und den dannzumal elf weiteren Super-League-Stadien personalisierte Tickets eingeführt werden. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Eine Recherche von zentralplus zeigt: Obwohl die Luzerner Politik auf die Einführung von personalisierten Tickets in Fussballstadien drängt, ist es frühestens in zwei Jahren so weit. Die Umsetzung lässt keinen anderen Zeitplan zu.

Vor zwei Monaten ging es los. Die Kantonale Konferenz der Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), die Swiss Football League (SFL), die Bewilligungsbehörden und Fan-Delegierte haben ein Projekt lanciert, um die Machbarkeit von personalisierten Tickets zu eruieren (zentralplus berichtete).

Dabei kümmern sich verschiedene Arbeitsgruppen um Teilaspekte dieses komplexen Themas. Zum Beispiel eine um juristische Belange, eine andere um die Umsetzung in der Praxis und so weiter.

Doch die Ferienzeit in diesem Sommer scheint dem Projekt etwas den Schwung genommen zu haben. Bis dato ist noch keine Leiterin dieser Arbeitsgruppen bestimmt.

SFL-Mediensprecher Philippe Guggisberg sagt auf Anfrage: «Auf dem Projekt lastet kein zeitlicher Druck. Relevant ist, es richtig statt schnell zu machen.»

Stehplatz-Fans laufen Sturm

Darum ist nicht absehbar, wann das Resultat dieser Machbarkeitsstudie vorliegen wird. Und erst recht nicht, wie dieses aussehen wird. Sind personalisierte Tickets ein probates Mittel, um das Gewaltproblem in- und ausserhalb von Schweizer Fussballstadien einzudämmen?

Die überwiegende Mehrheit der Stehplatz-Fans aus allen Teilen der Schweiz wehrt sich vehement dagegen. Sie wollen in den nächsten Jahren nicht beim Einlass ins Stadion neben einem gültigen Ticket auch noch einen Personalausweis vorlegen müssen.

Die Super-League-Klubs befürchten mit der Einführung von personalisierten Tickets eine Erosion einer zentralen Einnahmequelle. Denn der Ticketerlös übertrifft hierzulande das TV-Geld um ein Vielfaches. Zudem kämen noch ein höherer Administrativaufwand und wohl auch bauliche Anpassungen auf die Klubverantwortlichen zu.

Ihnen gegenüber steht die Politik. Sie will der Gewaltbereitschaft gewisser Fangruppierungen im und ausserhalb der Arena ein für alle Mal den Riegel vorschieben (zentralplus berichtete).

Kommen die Resultate erst im nächsten Sommer?

Guggisberg sagt, es erstaunte ihn nicht, wenn die Resultate zur Machbarkeitsstudie erst im nächsten Sommer vorlägen. «Wir werden in nächster Zeit ja auch noch ein Stück weit mit der Umsetzung eines neuen Modus absorbiert sein.»

Das bedeutet: Bei einer Einführung von personalisierten Tickets kommt auch die Saison 2023/24, die mit zwölf Mannschaften und dem neuen Playoff-Modus über die Bühne gehen wird, zu früh.

Warum? Die Klubs brauchen mindestens ein halbes Jahr Vorlaufzeit, um ihr Verkaufssystem auf die neuen Anforderungen umzustellen und einen neuen «Meccano» bei ihren Ticketanbietern zu implementieren.

Falls die Machbarkeitsstudie zum Schluss gelangen sollte, dass personalisierte Tickets der richtige Weg in die Zukunft des Schweizer Profi-Fussballs sind, so wird bis zu deren Einführung noch einiges an Wasser die Reuss hinunterlaufen. Weil eine schweizweite Lösung noch ein paar Anschlussfragen nach sich ziehen wird.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Philippe Guggisberg.
  • Vertrauliche Gespräche mit Klubvertretern
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