Fall Bodum: Nun geht es für die Journalistin vors Kantonsgericht
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In dieser Villa an der Obergrundstrasse machte sich unsere frühere Mitarbeiterin Jana Avanzini ein eigenes Bild der Hausbesetzung. (Bild: jav)

Benefizanlass mit prominent besetztem Podiumsgespräch Fall Bodum: Nun geht es für die Journalistin vors Kantonsgericht

3 min Lesezeit 12 Kommentare 12.02.2020, 11:19 Uhr

«Medienfreiheit JETZT!»: Nachdem die Luzerner Journalistin Jana Avanzini wegen ihrer Berichterstattung über die besetzte Villa des dänischen Haushaltswaren-Designers Jørgen Bodum vom Bezirksgericht Luzern verurteilt wurde, geht der Fall am 9. März vor das Kantonsgericht. Zur Finanzierung wird ein Benefizevent durchgeführt.

Das prominent besetzte Podiumsgespräch, das am ersten Samstag im März im Luzerner Restaurant Parterre den Start zu einer Benefizveranstaltung machen wird, liefert Antworten auf die Frage, ob Medien wegen drohender Gerichtsverfahren immer mehr unter Druck stehen und ob sie deshalb faule Kompromisse eingehen.

Wegen Recherchearbeiten in der besetzten Luzerner Villa Gundula wurde die Journalistin Jana Avanzini im April 2017 verzeigt und per Strafbefehl verurteilt. Zwar stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen Hausfriedensbruchs nach ihrem Einspruch ein.

«Die Berichterstattung lag zweifellos im öffentlichen Interesse.»

Christian Hug, CEO von zentralplus

Villenbesitzer und Multimillionär Jørgen Bodum aber will die Journalistin um jeden Preis verurteilt sehen. «Bodum und seine Rechtsvertreter wollten vermeiden, dass sich Medienvertreter ein eigenes Bild von der Besetzung machen können», sagt Christian Hug. Der CEO von zentralplus steht hinter seiner ehemaligen Mitarbeiterin. «Wenn Journalisten nicht mehr vor Ort sein dürfen, sind wir auf die Informationen Dritter angewiesen. Dies wiederum birgt die Gefahr der Manipulation. Die Berichterstattung lag zweifellos im öffentlichen Interesse und ist grundsätzlich durch die Medien- und Pressefreiheit zu schützen», so Hug.

Nun steht die mittlerweile selbständige Journalistin am 9. März 2020 vor Kantonsgericht.

Jetzt spenden für die Medienfreiheit!

Das Crowdfunding läuft bis zum 9. März 2020. Das Funders-Projekt kann unter diesem Link erreicht werden.

Für die Medienfreiheit: Jetzt vor Kantonsgericht!

Die Gerichtskosten für das seit 2017 dauernde Verfahren möchte Jana Avanzini durch ein Crowdfunding finanzieren. Bereits über 10’000 Franken kamen im letzten Jahr zusammen. Damit konnte ein wesentlicher Teil der Kosten für die erste Berufungsinstanz finanziert werden. Für das Kantonsgericht wird mit Anwalts- und Gerichtskosten von rund 12’000 Franken gerechnet.

Die Krux dabei: Weil Bodum als Nebenkläger auftritt, muss im Fall einer Niederlage ein Teil seiner Anwaltskosten übernommen werden. Wiederum wird via Crowdfunding Geld gesammelt. Dieses Jahr wird Avanzinis Verteidigung durch einen Benefizevent, organisiert durch ihren damaligen Arbeitgeber zentralplus, unterstützt.

Benefiz im Restaurant Parterre

Der Abend vom 7. März 2020 im Luzerner Restaurant Parterre wird ganz im Zeichen der Medienfreiheit stehen. Der Benefizevent startet mit einer Podiumsdiskussion am frühen Abend. Das Ziel der Podiumsdiskussion ist es, die Situation rund um die Frage «Knicken Medien wegen drohender Gerichtsverfahren ein?» zu beleuchten und diese offen zu diskutieren.

Die um 19 Uhr beginnende Diskussion ist prominent besetzt. Mit dabei sind der Journalist und ehemalige SRF-Chefredaktor Ueli Haldimann sowie Medienrechtsanwalt Simon Canonica, der 25 Jahre lang die Redaktionen von Tamedia beraten hat. Flankiert werden sie von Mascha Santschi. Sie berät von Strafverfahren Betroffene und ist Präsidentin der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI). Wie es einer Journalistin geht, wenn sie im Rahmen ihrer Berufsausübung ins Visier der Strafbehörden gerät, erzählt die Luzernerin Jana Avanzini.

Am späteren Abend spielt die Luzerner Band NOAN. Danach legt die Luzernerin Lluvia Pulpa Tresmil auf.

Sämtliche Einnahmen des Benefizanlasses werden von zentralplus für die Anwalts- und Gerichtskosten von Jana Avanzini verwendet. Nach der Verhandlung Anfang März wird dann klar werden, ob das Kantonsgericht ein Zeichen für die Medienfreiheit setzt.

Weitere Informationen zum Benefizevent hier

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12 Kommentare
  1. David L, 15.02.2020, 22:35 Uhr

    Natürlich kann man sich als Feind der Pressefreiheit exponieren, Herr Bodum.

    Die Frage ist, ob die Freunde der Pressefreiheit einem dann noch die Kafitässeli und Teechrüegli abkaufen wollen.

  2. Jana Avanzini, 13.02.2020, 09:13 Uhr

    Vielen Dank für Ihr reges Diskutieren.

    Ich finde es jedoch etwas befremdlich, wenn Personen über meine «geistige Nähe», über «ideelle Unterstützung» und den Pressekodex blosse Behauptungen ins Feld führen. Meine Meinung, dass ich es tragisch finde, was mit den beiden Häusern an der Obergrundstrasse gelaufen ist, und noch läuft, tut nichts zur Sache und macht mich weder «abhängig» noch kriminell. Hinter Texten stehen Menschen. Und Menschen haben (hoffentlich) Meinungen.

    Die Entscheidung, über die Häuser zu berichten, sowie, eine Reportage aus der Hausbesetzung zu publizieren, war eine gemeinsame der Redaktion. Wäre ich an dem Tag der Reportage nicht anwesend gewesen, wäre jetzt wohl jemand anderes an meiner Stelle.

    Übrigens haben wir in der Redaktion mehrfach versucht, mit Herrn Bodum ins Gespräch zu kommen. Jeglicher Kontaktversuch wurde abgeblockt.

    Einewäg. Alles Gute und einen schönen Tag wünsche ich.

  3. simi, 13.02.2020, 08:18 Uhr

    anders gefragt: ein hausbesitzer (bodum) gibt vor mehreren jahren sein haus auf und lässt es verfallen. eine journalistin betritt ein gelände durch ein offenes tor und spricht mit besetzern. das soll strafbar sein? lachhaft!

    1. Dani, 13.02.2020, 15:36 Uhr

      Eine offene Tür, ein offenes Fenster ist keine Rechtfertigung ein Grundstück zu betreten. Selbst ein Vorplatz, welcher nicht eingezäunt ist aber als zugehörig zu einem Privatgrundstück darf nicht ohne Grund betreten werden. Es gibt Urteile die das so sehen.

      Als Journalistin würde ich mich jedoch auf die Nichtbeantwortung ihrer Anfrage stützen. Ein Nichthandeln des Besitzers könnte man durchaus als passive schweigende Zustimmung verstehen… es war Boddum scheinbar egal.
      Mal angenommen, Bodum hätte vorgängig Anzeige gegen die Hausbesetzer gemacht wäre ein Nichthandeln Bodum gegenüber der Journalistin doch noch seltsamer.

  4. Martin Gerber, 13.02.2020, 07:48 Uhr

    @Dunning-Kruger: Dann sind sie also der Meinung, dass Frau Avanzini für Ihre Meinung / Haltung Nähe zu den Besetzern verurteilt werden soll? Ich kenne diese behauptete oder tatsächliche Nähe nicht, halte aber wenig von Sippenhaftung und kennen diesen Strafbestand auch eher aus Erdogans Türkei. Zudem denke ich, dass unsere Gericht unabhängig genug sind, um Handlungen frei von Spendenaktionen beurteilen zu können.

    1. Dunning-Kruger, 13.02.2020, 09:16 Uhr

      @Gerber: Nein. Frau A. wurde nicht aufgrund ihrer Nähe zur Hausbesetzerszene verurteilt. Lesen Sie doch bitte in einer ersten Phase das Urteil des Bezirksgerichts Luzern und machen sich schlau. Dann wissen Sie Bescheid über den Tatbestand. Nun gut, nur weil Sie diese Hintergründe nicht kennen, heisst das noch lange nicht, dass dem nicht so ist. Tätigen Sie Recherche und Sie werden mannigfaltigste Informationsbestandteile finden, die sich zu einem Gesamtbild zusammensetzen lassen.

  5. CScherrer, 12.02.2020, 17:09 Uhr

    Wenn Frau Avanzini die Pressefreiheit so wichtig ist, warum berichtet sie dann nur einseitig über die Hausbesetzer. Warum hat Frau Avanzini nicht auch über Herr Bodum berichtet? Frau Avanzini missbraucht Zentralplus für Ihre persönlichen politischen Anliegen. Das ist genauso verwerflich, wie der bürgerliche Filz.

    1. Redaktion Christian Hug, 12.02.2020, 17:57 Uhr

      Wir fühlen uns hier keineswegs missbraucht. Zum Zeitpunkt der Hausbesetzung war Jana Avanzini als Redaktorin bei zentralplus angestellt und hat in dieser Eigenschaft immer bei beiden Parteien Stellungnahmen eingeholt und diese objektiv eingeordnet – auch bei Herrn Bodum und seinen Vertretern. Dies kann in unserem umfangreichen Dossier nachgelesen werden. https://www.zentralplus.ch/dossier/bodum-villen-gundula/ Leider hat Jorgen Bodum nur zu oft darauf verzichtet, sein Handeln zu erklären. Wir wären sehr interessiert, seine SIcht umfassend abzubilden.

    2. Ram Dass, 12.02.2020, 19:13 Uhr

      Das sehe ich auch so. Frau Avanzini ist als Sympathisantin und ideelle Unterstützerin der Hausbesetzer-Szene nicht glaubwürdig und durch diese Befangenheit nicht im Stande nach den journalistischen Codizes objektiv zu berichten. Die Medienfreiheit wird hier als blosse Schutzbehauptung ins Feld geführt!

    3. Martin Gerber, 12.02.2020, 21:07 Uhr

      Wer sagt denn, dass ein Journalist / eine Journalistin keine Haltung oder Meinung haben darf? Ich wünsche mir das sogar. Sie haben ja auch eine Meinung. Wichtig ist mir jedoch, dass berufsethische Prinzipien eingehalten werden. Und dass Medien ihren Job ausüben können, ohne von Gerichten dafür bestraft zu werden. Und genau deshalb unterstütze ich diese Sache.

    4. Dim Dunning-Kruger, 13.02.2020, 07:00 Uhr

      @Gerber: Niemand sagt, dass es illegitim ist, eine Meinung haben zu dürfen. Selbstverständlich sind auch JournalistInnen berechtigt, eine zu haben. Nur, in der Berichterstattung ist es mitunter problematisch, die eigene Meinung/Haltung einfliessen zu lassen. Hier ist ja gerade des Pudels Kern. Frau A. ist nicht unabhängig, kann folglich nicht unbefangen und objektiv in dieser Sache reportieren. Die geistige Nähe von Frau A. zur Szene ist evident! Deshalb wird auch das Kantonsgericht dies einfliessen lassen müssen. Zudem: Über politischen Druck (Aktionismus, Akzeptanförderung und Spenensammlung) die Judikative beeeinflussen zu wollen, ist jetzt auch nicht gerade die feine englische Art. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema.

    5. Dani, 13.02.2020, 15:55 Uhr

      „Filz“ ist eine groteske Untertreibung der Realität. Als ehem. Sympathisant der SVP schäme ich mich heute richtig gehend dafür. Dann habe ich mal reflektiert wie es dazu kam. In Wahrheit fand ich das Auftreten der Linken und Grünen dermassen arrogant und falsch, dass ich deren Gegenpol automatisch als positiv betrachtete und die gar nicht näher hinterfragte. (Der Feind meines Feindes ist dein Freund)

      Könnte SP und Grüne nicht mal an ihrem Image arbeiten und zum Wohle der Menschen ihr arrogantes Gehabe verbergen? Vielleicht würden dann mehr die SVP und FDP als das sehen was sie sind; eine mafiöse Struktur.

      Merkwürdig einfältig lassen sich die Linken von den Rechten instrumentalisieren und das dabei dermassen konsequent, dass man durchaus etwas misstrauisch sein darf. Solche Aktionen der Journalistin dienen vor allem der SVP/FDP.

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