Ex-Partei startet einen (zarten) Versöhnungsversuch mit Jolanda Spiess-Hegglin
  • Politik
Jolanda Spiess-Hegglin setzt sich mit #NetzCourage gegen Hass im Netz ein – auch dafür dankt ihr die ALG. (Bild: zvg)

«Danke für das Engagement» Ex-Partei startet einen (zarten) Versöhnungsversuch mit Jolanda Spiess-Hegglin

3 min Lesezeit 1 Kommentar 11.08.2020, 05:00 Uhr

Die Alternativen – die Grünen Kanton Zug loben hochoffiziell ihre ehemalige Kantonsrätin. Ihr Kampf um den Schutz von Persönlichkeitsrechten verdiene Anerkennung, schreibt die Partei in einer Medienmitteilung. Vor fünf Jahren war davon noch wenig zu spüren.

Die Ereignisse rund um die Landammannfeier 2014 haben die Zuger Politik durchgerüttelt. Nachdem der Verdacht bekannt wurde, dass es im Verlauf jenes Abends zu einem Sexualdelikt gekommen sein könnte, folgte monatelang Schlagzeile auf Schlagzeile. Das Leben der Betroffenen stand plötzlich Kopf.

Die Strafverfahren gegen die Beteiligten – einmal wegen mutmasslicher Schändung, einmal wegen mutmasslicher falscher Beschuldigung – wurden letztlich eingestellt. Bis heute ist unklar, was sich damals zugetragen hat.

Die Staatsanwaltschaft hielt in der abschliessenden Einstellungsverfügung fest, dass die ehemalige Politikerin ausging, Opfer eines Sexualdelikts geworden zu sein. Sie hat sich keiner falschen Beschuldigung schuldig gemacht.

«Dass Jolanda Spiess-Hegglin sich in dieser äusserst schwierigen Situation nicht unterkriegen liess (…) verdient unsere Anerkennung.»

ALG in der Medienmitteilung

Gerichtlich steht inzwischen fest, dass die «Weltwoche» in diesem Zusammenhang die Persönlichkeitsrechte von Jolanda Spiess-Hegglin verletzt hat (zentralplus berichtete). Auch der «Blick» wurde erstinstanzlich deswegen verurteilt. Dieser Fall ist aber noch am Obergericht hängig.

Die damalige Berichterstattung blieb jedenfalls nicht ohne Folgen. In einem offenen Brief forderten mehrere Parteien den Rücktritt der grünen Kantonsrätin – und auch des SVP-Präsidenten. Letzterer trat bei den folgenden Wahlen nicht mehr an.

Jolanda Spiess-Hegglin trat nach der Hälfte der Legislatur zurück und sah sich sogar gezwungen, aus der grünen Partei auszutreten. Dies, nachdem im Parteiblatt der Grünen eine Kolumne erschienen sein soll, in der man sich auf ihre Kosten über K.o.-Tropfen lustig machte (zentralplus berichtete). Nach dem Rücktritt gründete sie den Verein #NetzCourage, welcher Betroffene von Onlinediffamierungen unterstützt.

Berichterstattung war «wenig rücksichtsvoll»

Fast sechs Jahre später machen die Alternativen – die Grünen einen Schritt auf ihre ehemalige Parteikollegin zu. In einer Medienmitteilung schreiben sie, dass die mediale Berichterstattung damals «oft reisserisch formuliert» gewesen sei und «wenig Rücksicht» auf die Betroffenen genommen habe.

«Ich freue mich, dass die Partei reinen Tisch macht und die Probleme damit aus dem Weg schafft.»

Jolanda Spiess-Hegglin

«Dass Jolanda Spiess-Hegglin sich in dieser äusserst schwierigen Situation nicht unterkriegen liess und trotzdem weitergekämpft hat, verdient unsere Anerkennung», schreibt die Partei. Der Einsatz habe sich gelohnt, auch wenn es «für die Alternativen – die Grünen damals nicht immer einfach war» und die Partei sich «schwergetan» habe.

Ein Schritt, um abzuschliessen

Das klingt schon fast nach einer Entschuldigung dafür, dass man Jolanda Spiess-Hegglin damals nicht den Rücken gestärkt hat. Explizit liest man das jedoch nicht.

Die Partei hat immer betont, Spiess-Hegglin sei freiwillig ausgetreten (zentralplus berichtete). Trotzdem ist die öffentliche Anerkennung ihres Engagements sicherlich ein Schritt auf die ehemalige Kantonsrätin zu. «Ich bin sehr überrascht und absolut glücklich darüber», sagt Spiess-Hegglin auf Anfrage von zentralplus.

«Ich freue mich, dass die Partei reinen Tisch macht und die Probleme damit aus dem Weg schafft», meint Spiess-Hegglin. Nach wie vor sei es so, dass sie sich der Partei inhaltlich verbunden fühle. «Weil sie sich für diejenigen Anliegen einsetzt, die auch mir am Herzen liegen.»

Die öffentliche Anerkennung ihrer Arbeit durch die ALG sei für sie ein wichtiger Schritt, um die Geschehnisse von damals abzuschliessen. «Ausserdem macht es den Weg frei, um wieder an einem Strick ziehen zu können», so Jolanda Spiess-Hegglin.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 200 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Landolt, Brigitte, 11.08.2020, 16:10 Uhr

    ich bin froh, dass da endlich Klarheit geschaffen wird.
    Danke!

Wie viel ist Dir unabhängiger Journalismus wert?

Schön besuchst Du zentralplus. Für Dich gehen wir vor Ort, sind mitten drin und nahe dran. Doch ganz gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Um die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben, benötigen wir Deine Unterstützung. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

Schön besuchst Du zentralplus. Du verwendest einen Adblocker. Werbung ist für eine wichtige Einnahmequelle, die uns hilft, die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben. Denn gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

CHF