EVZ-CEO Lengwiler: «Unser Verlust liegt bei gut vier Millionen Franken»
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Der EVZ wird nächste Saison maximal 3'800 Zuschauer in sein Stadion eintreten lassen können – das bedeutet für ihn einen Millionenverlust. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Vereine reagieren auf Bundesentscheid EVZ-CEO Lengwiler: «Unser Verlust liegt bei gut vier Millionen Franken»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 02.09.2020, 20:42 Uhr

Während die Verantwortlichen des FC Luzern neuen Mut in Zeiten der Corona-Krise geschöpft haben, stehen den Zugern schwierige Zeiten bevor. CEO Patrick Lengwiler sieht keine andere Wahl, als «mit Lohnreduktionen für Spieler und Entlassungen» dem happigen Defizit entgegenzutreten.

Für etwas Planungssicherheit hat der Bundesrat bei den grössten Sportvereinen inner- und ausserhalb der Zentralschweiz gesorgt. Beim FC Luzern und EV Zug können die Vereinsverantwortlichen zumindest erahnen, wie sich die zwei Drittel der maximal erlaubten Stadionauslastung auf die eigene Erfolgsrechnung 2020/2021 auswirken wird.

Bedeutend für eine Einschätzung des Entscheids ist dabei die Grösse der Spielstätte: Beim FC Luzern waren es in den guten alten Zeiten vor Corona 17’000 Zuschauer, beim EV Zug 7’200.

Deshalb ist der heutige Tag für den FCL ein angenehmer, für den EV Zug hingegen ein unbefriedigender.

Fast 2’000 Sitzplätze weniger als im EVZ-Plan

Die Zuger verfolgten den Plan, die 5’700 Sitzplätze in der Bossard Arena vollumfänglich besetzen zu können. Das hätte ziemlich genau 80 Prozent der maximalen Stadionauslastung von 7’200 Zuschauern (inklusive Stehplätze) entsprochen. «Dann hätten wir Lösungen gefunden, um die nächste Saison selber kostendeckend durchführen zu können», sagt EVZ-CEO Patrick Lengwiler.

«Es wird nicht eine beste Lösung geben, sondern nur noch die am wenigsten schlechte.»

EVZ-CEO Patrick Lengwiler

Aber durch den Bundesratsentscheid muss seine Führungsriege mit tieferen Massgaben kalkulieren: Jetzt liegt eine maximale Auslastung des EVZ-Stadions mit ausschliesslich Sitzplätzen bei 3’800 Zuschauern. «Wir rechnen mit einem Verlust von vier bis fünf Millionen Franken in der nächsten Saison», so Lengwiler.

Im Eishockey wird die Meisterschaft 2020/2021 frühestens im Oktober beginnen, sobald die 1000er-Obergrenze gefallen ist.

EVZ kann sich bloss unbeliebt machen

Den Zuger Verantwortlichen bleibt keine andere Wahl, als sich in der nächsten Spielzeit unbeliebt zu machen – sowohl bei den zahlenden Kunden als auch bei den Angestellten.

Der EVZ steht vor der Frage, wie er bei gut 6’000 verkauften Saisonabos seine ihm grosszügig und herzlich gesinnten Anhänger vollumfänglich befriedigen kann, wenn er nur 3’800 Personen Eintritt ins Stadion gewähren darf. Weil das rein rechnerisch ein Ding der Unmöglichkeit ist, sagt Lengwiler: «Das macht uns keinen Spass und das Ergebnis wird niemanden befriedigen, denn es wird nicht eine beste Lösung geben, sondern nur noch die am wenigsten schlechte.»

EVZ-CEO Patrick Lengwiler muss in den nächsten Wochen und Monaten gegenüber Kunden und Angestellten unangenehme Entscheide vertreten. (Bild: EVZ)

Auf der anderen Seite wird es auch all die Angestellten in der EVZ-Garderobe, der Administration und Gastronomie treffen. Lengwiler hält fest: «Um das voraussehbare Defizit so weit wie möglich zu minimieren, werden wir weder um einschneidende Sparmassnahmen noch um eine Lohnreduktion für alle Angestellten herumkommen.» Es wird eine harte und schmerzhafte Zeit im EV Zug anbrechen, vor allem bei den Niedriglohn-Empfängern.

Auf eine entsprechende Nachfrage bekräftigt der Zuger CEO: «Alles, was wir bisher in der Corona-Krise unternommen haben, um die Liquidität sicherzustellen, hat die Geschäftsleitung, die Coaches und Spieler betroffen. Und ich bin Teil der Geschäftsleitung.»

Vor der wirtschaftlich unerfreulichen Zukunftsperspektive erwartet Lengwiler, dass der Bund die unannehmbaren Kredite für die Schweizer Profi-Ligen im Eishockey und Fussball in einer neuen Verordnung anpasst. Was er nicht explizit sagt: Es geht um die Umwandlung der bisherigen Kredite in eine Art Subventionen.

Die eidgenössischen Räte werden sich damit noch befassen müssen. Lengwiler mahnt: «Es braucht jetzt echte Hilfe, sonst werden die Ligen nicht mehr so aussehen wie vor Beginn der letzten Saison.»

Fast 3’000 FCL-Billette für den Einzelverkauf

Ist die Swissporarena auf ausschliesslich Sitzplätze umgerüstet, beträgt die Stadionkapazität abzüglich der 600 Einheiten im Gästesektor 14’400 Zuschauer. Zwei Drittel davon bedeutet in Zeiten von Corona eine maximale Auslastung von 9’600 Zuschauern.

«Wir gehen von 9’000 Zuschauern als Maximum in unserem Stadion aus», sagt FCL-Präsident Philipp Studhalter mit Blick auf den Fall der 1000er-Obergrenze per Anfang Oktober. Der Spielbetrieb wird bereits am übernächsten Wochenende mit dem Cup-Spiel der Luzerner in Thun und eine Woche später mit dem ersten Meisterschaftsauftritt in Lugano aufgenommen.

«Bei einer Stichprobe muss die Person damit rechnen, dass ihr der Zugang zum Stadion verwehrt wird.»

FCL-Präsident Philipp Studhalter

Auf der Basis der klubeigenen Zielsetzung, dass der FC Luzern wieder die rund 6’100 Abos wie im Vorjahr absetzen kann (zentralplus berichtete), können fast 3’000 Billette im Einzelverkauf angeboten werden.

Zur Einordnung: In der Saison vor dem Corona-Ausbruch lag der Zuschauerschnitt in der Swissporarena bei gut 9’300 Besuchern. Es war der tiefste vergleichbare Wert seit Eröffnung des neu erbauten Stadions 2011.

Wie stellt der FCL das Contact Tracing sicher?

Die entscheidende Frage beim Verkauf der Einzeltickets ist: Wie stellt der Veranstalter das behördlich vorgeschriebene Contact Tracing sicher?

Bei den Saisonabo-Besitzern kennt der FCL die Daten des Karteninhabers. «Das ist eines der Dinge, die wir mit dem Kanton noch final besprechen müssen», sagt Studhalter. Ihm schwebt aber vor, den Verkauf von Einzeltickets nicht über Tageskassen vor dem Stadion, sondern ausschliesslich online ablaufen zu lassen. «Dann muss beim Kauf deklariert werden, wer auf welchem Sitz Platz nehmen wird.»

«Unser Ziel ist ein skalierbares Schutzkonzept.»

FCL-Präsident Philipp Studhalter

Und wenn der Käufer die Tickets kurzfristig an eine x-beliebige Person verschenkt? «Bei einer Stichprobe muss die Person damit rechnen, dass ihr der Zugang zum Stadion verwehrt wird.»

Klarheit bis spätestens Ende September

Nach Studhalters Vorstellung soll das schriftliche Schutzkonzept des FC Luzern bis zum Monatsende vom Kanton Luzern gutgeheissen werden. «Unser Ziel ist ein skalierbares Schutzkonzept. Falls weniger als die jetzt definierte Maximalauslastung gutgeheissen werden muss, wollen wir im Gegenzug auch wissen, was das für unsere Foodboxen, Stadionsicherheit und so weiter bedeutet.»

Für den FCL-Präsident bedeutet der heutige Entscheid der Landesregierung «eine Erleichterung». Philipp Studhalter wertet es als «Zeichen des Vertrauens», dass der Bundesrat die meisten Vorschläge der Fussball-Liga in seiner Verordnung umgesetzt habe.

Dennoch: In den beiden wichtigsten Mannschaftssportarten der Schweiz gibt es noch so viele Unwägbarkeiten, dass eine chaotische Meisterschaft droht.

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1 Kommentare
  1. Marc, 03.09.2020, 10:06 Uhr

    Das Gejammer von Lengwiler wird langsam peinlich. Er könnte einfach mal froh sein dass überhaupt wieder Leute ins Hockey-Stadion dürfen, damit stehen wir in Europa nämlich so ziemlich alleine da (Finnland und Russland ausgenommen). Immer weiter zu jammern wird den Goodwill der Behörden bestimmt nicht fördern. Und wenn es hart auf hart kommt (und auch wenn das von ihm gern bestritten wird), wissen wir ja alle dass da noch jemand mit einem grossen Portemonnaie im Hintergrund ist, was längst nicht alle Clubs von sich behaupten können. Also, mit den Fans reden, mit den Angestellten reden, kreativ werden und die Situation so gut wie möglich meistern.

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