Eine Männerfreundschaft zwischen Kitsch und Ironie
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Stephan Eicher (Bild: Marco Masiello)

Ausverkauftes KKL – Stephan Eicher & Martin Suter Eine Männerfreundschaft zwischen Kitsch und Ironie

3 min Lesezeit 01.03.2018, 13:33 Uhr

Wenn der Strahler Martin Suter auf den Hornusser Stephan Eicher trifft, sorgen nicht nur die humorvoll klischierten Texte und melancholischen Melodien für gute Stimmung im KKL. Ein Abend mit einfach gestrickten Geschichten und einem leicht chauvinistischen Unterton.

Ganz leger mit den Händen in den Hosentaschen betritt Stephan Eicher pünktlich um halb acht die Bühne des Konzertsaals und eröffnet den Abend mit dem Lied «Spil no eis». Es geht dabei um all diejenigen, die es nicht so lustig haben und die verloren, vergessen und vereinsamt durch die Beizen ziehen, weil zuhause niemand auf sie wartet.

Nach und nach kommen die Musiker auf die Bühne, darunter auch ein bekanntes Gesicht hinter der Mundharmonika: der Jubilar Martin Suter. Das Schaltjahrskind würde nämlich am 29. Februar 2018 seinen 70. Geburtstag feiern, falls es diesen denn gäbe. Was es nun gibt oder nicht, was wahr ist oder fiktiv, überspitzt oder real, spielt an diesem Abend eine sekundäre Rolle. So stehen auch die hochironisierten Geschichten über die langjährige Männerfreundschaft unter einem fiktiv autobiografischen Stern. Es geht vor allem um ein bestimmtes Gefühl, um ein «Weiss Nid, Was Es Isch», was zugleich ihr erstes gemeinsames Projekt war.

Eingespieltes Duo

In ihrem gemeinsamen Werk «Song Book» haben sich der Chansonnier Eicher und der Schriftsteller Suter einen langersehnten Traum erfüllt. Zwischen den kitschig berührenden und mit Selbstironie gespickten Anekdoten Suters über die gemeinsame Freundschaft interpretiert und vertont Eicher Suters Songtexte mit der nötigen Prise Melancholie und Schwermut.

Die Kombination der humoristischen Texte gepaart mit der balladenhaften Musik geht auf; mal geht ein lautes Gelächter durch den Konzertsaal, mal eine nachdenkliche Stille und ein besinnliches Horchen. «Still» ist auch eines der herausragenden Lieder des Abends. Darin geht es um all das, was gesagt werden sollte und doch unausgesprochen bleibt. In «Wägg vom Bäre» hingegen kommt all das zur Sprache, was geträumt, aber nicht gelebt werden kann. Eicher singt darin aus der Perspektive einer Emmentaler Serviertochter, die sehnsüchtig dem Alltag aus Stammtischgeschwätz, Röstigeruch und Jassgepolter entfliehen will, aber nicht kann.

Beschwipste Liedergeschichte

Doch nicht nur neue Songs finden ihren Platz im Programm. In einer nostalgischen «Tour d’alcohol» spielt Eicher einige seiner grössten Hits an und lässt das Publikum mitsingen. In «Combien de temps» wird ebenso getrunken wie in «Campari Soda», mit Martin Suter als Co-Pilot. Die beiden sind jedoch nicht nur fliegend unterwegs, sondern in Suters Anekdoten in allen möglichen absurden Situationen. Ob als passionierte Strahler auf dem Gurgelstupf, als Musher eines Hundeschlittengespanns oder als gierige Kontrahenten in einer hart umkämpften Monopoly-Partie.

«Die Stories sind eher einfach gestrickt und von triefender Selbstironie.»

Und ganz häufig auch hier wieder am Trinken; mal gibt’s einen rauchig-torfigen Single Malt an Charlies Bar, mal einen Pastis mit zwei Eiswürfeln (und zwei Röhrchen) im Strassencafé. Die Stories sind eher einfach gestrickt und schaffen es trotz der triefenden Selbstironie nicht, den leicht chauvinistischen Unterton der beiden Herren zu verwischen.

«Song Book»

Sie kennen sich seit Jahren und inspirieren sich gegenseitig: Der Schriftsteller Martin Suter erweist sich dabei als musikalischer Mundart-Poet, der Chansonnier Stephan Eicher als feinfühliger Interpret. Entstanden sind Buch und CD unter dem Namen «Song Book». Erschienen beim Diogenes Verlag.

Luzerner Beteiligung

Die humoristischen Pointen setzt Suter in seinen Texten mit starken Kontrastierungen und zugespitzten Klischees. Und doch überzeugt er mit seiner äusserst scharfen Beobachtungsgabe und erschafft damit stimmungsvolle Situationen und Dialoge. Musikalisch werden diese auch von einigen Lokalmatadoren untermalt. Heidi Happy sorgt mit dem Xylophon nicht nur für die passende Stimmung in der Strahlerhöhle, sondern stimmt harmonisch zu den Liedern Eichers mit ein.

Sehr gefühlvoll begleitet wird das Duo auch vom Luzerner Chor Molto Cantabile, der sich zu Beginn in den Gängen des Konzertsaals, später auch auf der Bühne positioniert. Dem Publikum gefällt’s und es bedankt sich mit einer Standing Ovation.

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