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Eine banale Treppe soll mehr Kultur und Quartierdurchmischung bringen
  • Kultur
Freuen sich auf die enge Zusammenarbeit: Reto Ambauen (Leiter Theater Pavillon), Corinne Imbach (Leiterin Treibhaus) und Thomy Büchler (Obmann der Luzerner Spielleute). (Bild: bic)

Treibhaus und Theater Pavillon spannen zusammen Eine banale Treppe soll mehr Kultur und Quartierdurchmischung bringen

4 min Lesezeit 18.06.2018, 18:45 Uhr

Zwischen dem Treibhaus und dem Theater Pavillon entsteht eine Treppe. Damit soll zusammengeführt werden, was zusammengehört, so die Beteiligten. Denn die aktuelle Situation zementiere eine Trennung der Kulturhäuser, die es schon lange nicht mehr gibt. Am Projekt beteiligen sich nun sogar Private. 

Das Projekt scheint auf den ersten Blick ziemlich banal. Beim Luzerner Theater Pavillon entsteht eine 2,5 Meter hohe Treppe in den Treibhausgarten. Doch hinter dem Vorhaben steckt viel mehr als nur ein bisschen Beton und Stahl. Vielmehr sollen die Stufen verschiedene Menschen miteinander in Kontakt bringen.

Unnötige Trennung

«Der Garten zwischen den beiden Häusern wird heute schon oft gemeinsam genutzt», sagt Thomy Büchler, Obmann der Luzerner Spielleute und Bauleiter. Einige Theaterproduktionen, die im Pavillon stattfinden, würden den Ort bereits heute bespielen. 

Dies sei von der Stadt eigentlich schon beim Bau des Theaters vorgesehen gewesen, so Büchler. Dass bislang keine direkte Verbindung bestand, habe jedoch oft zu unnötigen logistischen Herausforderungen geführt.

Ein kultureller Hotspot

Unbefriedigend empfindet die momentane Situation auch Reto Ambauen, Leiter des Theater Pavillons. «Mit den heutigen Erfahrungen würde man die Treppe sicher gleich von Anfang an bauen», gibt er sich überzeugt. Für die bisherige räumliche Trennung hat er aber eine Erklärung.

«Als der Pavillon neben das vier Jahre zuvor errichtete Treibhaus gebaut wurde, haben wir uns gegenseitig noch nicht gekannt, wussten kaum etwas voneinander und erblickten mögliche Synergien erst mit der Zeit», sagt er. Die beiden Häuser zusammen hätten sich bis heute indes zum kulturellen Hotspot auf der linken Seeseite entwickelt.

Überwindung von Grenzen

Dass die aktuelle Situation etwas Trennendes habe, sagt auch Treibhaus-Chefin Corinne Imbach. «Ich sehe oft vom Garten hoch zum Pavillon und habe das Gefühl, dass viele Theaterbesucher auf den Platz runterkommen wollen, sich aber nicht getrauen.»

Mit der neuen Treppe könne man nun eine Schnittmenge von unterschiedlichen Menschen schaffen, die sich im Garten treffen können. «Auch eine bessere Vermischung der Generationen ist das Ziel», sagt sie.

Kann das gut gehen?

Es scheint jedoch, dass eine gewisse Trennung der beiden Kulturhäuser trotz des gemeinsamen Gartens vorgesehen war. Blickt man etwas in die Vergangenheit, ist es folglich keineswegs selbstverständlich, dass das Projekt nun realisiert wird.

Er könne sich an kritische Stimmen erinnern, vor zehn Jahren, als der Pavillon neben das Treibhaus gebaut wurde, sagt Thomy Büchler. «Es wurden Zweifel geäussert, ob es funktionieren kann, wenn die beiden Häuser direkt nebeneinander zu stehen kommen.»

Die Klientele seien sehr verschieden, was zu Konflikten führen könne, soll der Tenor gelautet haben, erinnert sich Büchler. Hier die Jugend, dort die Theaterbegeisterten. «Die letzten zehn Jahre haben nun aber gezeigt, dass die beiden Häuser super zusammenpassen. Ich jedenfalls fühle mich auch als etwas älterer Mann sehr wohl im Jugendhaus. Ich wurde noch nie komisch angeschaut», sagt Büchler lachend.

Idee ist lange gereift

«Die Idee einer Verbindungstreppe ist daher nicht neu und geistert schon seit längerer Zeit in den Köpfen umher», sagt Treibhaus-Chefin Imbach. Bereits ihr Vorgänger habe davon gesprochen. Imbach hat im Treibhaus seit gut einem Jahr das Sagen. «Bei solchen Projekten geht es letztlich aber immer um die Ressourcen und den richtigen Zeitpunkt. Dieser ist jetzt gekommen und wir packen es endlich an», sagt sie erfreut.

Das zeige sich auch daran, dass die Kulturförderung der Migros dieses Jahr 10′000 Franken an das Projekt zahlt (zentralplus berichtete). Neben den beiden Kulturhäusern leisten aber auch noch weitere Partner einen finanziellen Beitrag. Am Fuss der Treppe entsteht eine Art Bühne, die bespielt werden kann.

Zwei Treppen sollen vom Theater Pavillon in den Treibhausgarten führen (Blick vom Treibhaus Richtung Pavillon).

Zwei Treppen sollen vom Theater Pavillon in den Treibhausgarten führen (Blick vom Treibhaus Richtung Pavillon).

(Bild: Thomy Büchler)

VBL leisten kleinen Zustupf

Finanzielle Unterstützung erhalten die Kulturhäuser aber auch von privater Seite. «Wir freuen uns enorm, dass sich unsere Nachbarn wie die Wohngenossenschaft ABL und die VBL an den Kosten beteiligen», sagt Imbach mit glänzenden Augen. Dies im Sinne einer Aufwertung des Quartiers.

Ein wichtiger Punkt sei, dass sich das Quartier rund um die beiden Kulturhäuser seit deren Realisierung stark gewandelt habe, so Imbach. «Wir wollen ein Quartiermittelpunkt werden, wo sich die Leute treffen können», sagt sie. Durch die geplante Treppe werde der Treibhausgarten auch symbolisch geöffnet.

Der örtliche Quartierverein halte seine Versammlungen oft im Pavillon ab. Man hoffe, dass künftig auch die eher älteren Besucher dieser Anlässe den Weg in den Garten finden. «Dies kommt wiederum den Jungen zugute, da so Jobs für sie entstehen», sagt Imbach.

Und Thomy Büchler ergänzt: «Die VBL haben regelmässig Veranstaltungen im Pavillon und haben anscheinend erkannt, dass eine Verbindung einen Mehrwert bieten würde», sagt er. Die Treppe inklusive Bühnenplattform kostet rund 45′000 Franken.

Viele neue Möglichkeiten

«Wir müssen mit der Zeit gehen», erklärt Imbach. Im Moment gebe es diverse Veranstaltungen, wo Musik, Theater und die Gastronomie eng zusammenspielten. Mit der Treppe ergeben sich für die Programmgruppen der beiden Häuser ganz neue Möglichkeiten und man könne viel mehr «out of the box» denken.

Trotzdem dürfe man indes auch künftig nicht vergessen, dass es nach wie vor zwei verschiedene Häuser sind, blickt Corinne Imbach voraus. «Beide Institutionen haben weiterhin ihren eigenen Platz, wo sie ihre Programme individuell gestalten und entwickeln können.» Dies müsse auch in Zukunft gelten.

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