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«Ein Morgenmantel wäre passender gewesen»
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Im dritten Gang wurden die Hüllen fallen gelassen – wenn auch nur bei den weiblichen Models.   (Bild: ida)

Mit der Textildesignerin an Luzerner Fashion Show «Ein Morgenmantel wäre passender gewesen»

6 min Lesezeit 25.10.2018, 15:19 Uhr

Am Mittwoch fand die Fashionshow des Luzerner Modeateliers LU Couture im KKL in Luzern statt. Die Textildesignerin Emanuela Zambon analysierte für zentralplus die präsentierten Looks – die sich auch auf Luzerns Strassen bewähren würden. Schade jedoch, dass die Männer nicht auf ihren Morgenmantel zurückgriffen, um mit den Damen in Dessous über den Catwalk zu schreiten.

Am Mittwochabend führte der Laufsteg wieder zur Leuchtenstadt. Zum vierten Mal ging der «Fashion Day for Generations» über die Bühne. Das Luzerner Modeatelier LU Couture zeigte gemeinsam mit Partnern Haute Couture, Prêt-à-porter, Lingerie und Herrenmode.

Die Models stöckelten in 10, manchmal wohl 15 Zentimeter hohen Hacken über den Catwalk. Ob in einem Hauch von Nichts gekleidet oder klassisch in Chanel: Modebegeisterte konnten sich ein Bild dessen machen, was nun im Trend ist. Gemeinsam mit der Textildesignerin Emanuela Zambon setzte sich zentralplus auf die Zuschauerplätze, um präsentierte Looks auf dem Catwalk zu analysieren.

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Die Textildesignerin Emanuela Zambon.

Die Textildesignerin Emanuela Zambon.

(Bild: ida)

Farbenmix und klassische Schnitte

«Knallig und doch klassisch», lauten die Worte von Emanuela Zambon, während sie mit ihrem Blick die ersten Looks betrachtet. Die Schnitte sind klassisch, das Dekolleté wird verdeckt, die Röcke ragen über die Knie. «Die Schnitte sind an sich fast ein wenig bieder. Auch wird keine Transparenz erzeugt, um das Ganze aufzulockern», so die 34-Jährige, die ihren Master of Arts in Design mit Vertiefung Textiles an der Hochschule Luzern abschloss, wo sie heute als Lehrassistentin arbeitet. «Dennoch oder gerade deshalb finde ich die Kollektion mutig in der Kombination von Schnitt und Farbe.»

Die Models schreiten in allen Farben über den Catwalk – ob in Rot, Pink, Gelb oder Grün. «Aber nie in mehr als drei Farben gekleidet», sagt Zambon. «So lautet die Stilregel.»

«Nie mehr als drei Farben, so die Stilregel.»

«Nie mehr als drei Farben, so die Stilregel.»

(Bild: ida)

Stilbrüche werden geschaffen

Die zweite Kollektion ist wesentlich ruhiger: Im Vordergrund stehen samte Beigetöne, aber auch die klassischen Herbstfarben Schwarz, Olive und Braun. «Für mich ist das Ganze nun harmonischer. Die Farben sind etwas zurückhaltender, die Muster und die Schnitte sind nach wie vor zeitlos», sagt Zambon.

So sah es an der LU Couture Fashion Show im KKL aus:

«Ich bin nicht gerade ein Fan von knalligen Farben», gibt Zambon zu. Deshalb fände sie diese Looks interessanter. «Das Schöne ist ja gerade, mit Mode aufzufallen, die an sich nicht auffallend ist», sagt sie. «Ohne in Farben gekleidet zu sein, die förmlich schreien: ‹Hier bin ich›.»

Besonderes Highlight für sie seien auch die geschaffenen Stilbrüche, die mit Accessoires – oftmals mit Schuhen – erzeugt werden.

Klassisch, schlicht und elegant.

Klassisch, schlicht und elegant.

(Bild: ida)

Eyecatcher bei der Lingerie

Im dritten Gang werden die Hüllen fallen gelassen. Leicht bekleidet laufen die Damen in Dessous über den Laufsteg und setzen einen starken Kontrast zu den vorherigen präsentierten Looks. Begleitet wird das erste in Dessous gekleidete Model von einem männlichen Model – gekleidet in Rollkragenpullover und Hosen. «Wieso ist der angezogen?», hört man eine junge Fashionista fragen. Und auch Zambon meint lachend: «Schade! Das wäre jetzt passender gewesen, wäre er im Morgenmantel gekleidet über den Catwalk geschritten.»

Und es zeigt: Lingerie ist eben nicht gleich Lingerie. «Schön präsentiert», sagt Zambon. «Klassisch und sexy in Schwarz und Weiss, dennoch stechen einige Eyecatcher besonders hervor.» So zum Beispiel ein transparenter Body, bei dem feine Applikationen wie Perlen und ein Blumenmuster eingebaut wurden. Einen zusätzlichen Pluspunkt von Zambon gibt es, weil auch Frauen mit etwas Kurven Platz auf dem Laufsteg finden. 

Die Frauen liessen die Hüllen fallen – nicht jedoch die Männer.

Die Frauen liessen die Hüllen fallen – nicht jedoch die Männer.

(Bild: ida)

Eleganz trifft Sport

Die Herrenmode präsentiert sich diesen Winter in Natur- und Erdtönen wie Ocker und dunklen Rottönen – was sich auch auf dem Laufsteg widerspiegelt. «Die Modeshow der Herren wirkt viel knackiger», sagt Emanuela Zambon. «Nicht nur, weil es Männer sind», meint sie lachend. Elegantes wird mit Sportlichem vermischt. So tragen die Models Anzugshose und Blazer, den sie mit T-Shirt und – besonders auffallend – jeweils mit Sneakers kombinieren.

Dieser Mix sagt Zambon besonders zu. «Es wirkt auf mich authentischer und auch alltagstauglicher, als wenn die Frauen in über zehn Zentimeter langen Hacken über den Catwalk laufen.»

Fasziniert ist Zambon von einem beerenroten Anzug. «Die Qualität und Farbe eines solches Stoffes an einem Mann sehen unglaublich aus», sagt sie. Dieser Look wirke auf den ersten Blick zwar nicht besonders aufregend, aber je genauer Zambon ihn betrachte, desto mehr werde sie inspiriert.

Für Emanuela Zambon ein äusserst stimmiger und inspirierender Look.

Für Emanuela Zambon ein äusserst stimmiger und inspirierender Look.

(Bild: ida)

Outfits werden laut Zambon hervorragend kombiniert, Sportliches mit Elegantem. So auch der Look eines Models, der rote Hosen, weisse Sneakers und einen schwarzen Blazer mit einem Rollkragenpullover darunter trägt. «Betrachtet man den Mann nur von der Hüfte abwärts, könnte man meinen, dass er nun auf den Sportplatz Badminton spielen geht», meint Zambon lachend. «Fehlte nur noch der Badmintonschläger. Aber in Kombination mit Blazer und Rollkragen ist auch dies ein sehr gelungenes Outfit, das Eleganz in den Alltag ideal integriert.»

Eleganz trifft Sport: Ein gelungener Look für Emanuela Zambon.

Eleganz trifft Sport: Ein gelungener Look für Emanuela Zambon.

(Bild: ida)

Kleider mit Geschichte

Der Höhepunkt der Fashion Show, auf den wohl so jeder Zuschauer hingefiebert hat, kündigt sich an: Die Swiss Textile Collection präsentiert ihre Dior und Chanel Vintage Show. Gemäss dem Motto: Prêt-à-toucher, greifbare Haute Couture.

Die Chanel und Dior Vintage Show.

Die Chanel und Dior Vintage Show.

(Bild: ida)

«Die Looks erscheinen wieder zugeknöpfter, die Stoffe werden fester», sagt Zambon. Die Looks sind keineswegs abgehoben und scheinen in den Kleiderschrank einer jeden Frau zu passen: «Haute-Couture, dennoch nicht nur für den Laufsteg gedacht.» Zeitlose Muster werden aufgegriffen – ob gepunktet oder im Hahnentrittmuster. «Früher trugen das nur die schicken und eher älteren Damen, doch das Outfit beweist definitiv: Auch Junge können es tragen.»

Ein weiterer Eyecatcher für Emanuela Zambon.

Ein weiterer Eyecatcher für Emanuela Zambon.

(Bild: ida)

Und die Textildesignerin erblickt sogleich ihr Lieblingsoutfit. Ein Kleid mit grünen und silbernen Pailletten. «Perfekt für Silvester», so ihre Worte. Sie selbst sei ein Fan von Vintage. «Ich liebe es, etwas zu tragen, das bereits eine Vorgeschichte mitbringt», sagt die 34-Jährige.

Ein Kleid, das Emanuela Zambon für Silvester kaufen würde.

Ein Kleid, das Emanuela Zambon für Silvester kaufen würde.

(Bild: ida)

Bieder? Mitnichten!

Zu guter Letzt wird eine Kollektion von Jakob Schläpfer präsentiert. «Zweimal hinsehen lohnt sich effektiv», sagt Emanuela Zambon. «Denn dann sieht man vieles, was man so nicht erwartet hätte.» Ein Laie erkennt auf den ersten Blick eher biedere Muster und Schnitte. Betrachtet man die Looks genauer, entdeckt man feinste Applikationen. So wurde auch ein fein gemustertes, bodenlanges Kleid in pastellfarbenen Tönen gebrochen durch einen transparenten Stoff, Stickereien und Pailletten am Dekolleté. «Für mich einer der schönsten Looks», so Zambon, die ein gutes Auge für Stoffe hat.

Auch von einem Pailettenkleid, durch das man durch das Licht der Scheinwerfer hindurchsehen kann, begeistert die 34-Jährige. «Es sieht unglaublich leicht aus. Einfach genial.» Schon immer habe sie sich mehr am Stoff als solchen interessiert. 2014 gründete sie gemeinsam mit Cornelia Stahl das Label «zambon & stahl textile design». Zudem realisiert Zambon im Auftrag eigene Designentwürfe für Interieur und Fashion.

Auch für die Strassen Luzerns gedacht

Die präsentierten Looks zeigen: Sie sind nicht nur für den Laufsteg gedacht, sondern alltagstauglich. Ob für’s Büro, einen Bummel durch die Stadt oder einen schicken, romantischen Abend zu zweit. Für jeden Anlass und jeden Geschmack war etwas dabei.

Haute Couture muss eben keineswegs abgehoben heissen.

Das Kleid von Jakob Schläpfer gefiel Emanuela Zambon mit am besten. Denn manchmal muss man zwei mal hinschauen.

Das Kleid von Jakob Schläpfer gefiel Emanuela Zambon mit am besten. Denn manchmal muss man zweimal hinschauen.

(Bild: ida)

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