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Die Zuwebe wirtet anders
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Bald wird an der Zuger Grabenstrasse die Zuwebe wirten. (Bild: hch)

Nachfolgekonzept für Aige Die Zuwebe wirtet anders

3 min Lesezeit 1 Kommentar 03.12.2013, 12:44 Uhr

Neun Männer und Frauen mit Behinderung ziehen in das Haus an der Grabenstrasse ein, wo Anfang Jahr die Aktions-Café Bar Aige mangels Einnahmen ihren Betrieb einstellte. Ein in Zug einzigartiges Restaurantkonzept soll die lokale Gastronomie beleben. Das Vorhaben weckt Erinnerungen. Was will die «Zuwebe» besser machen als das Aige?

Gemäss Planung hätten die neuen Bewohner bereits Anfang Oktober die Wohnräume im Aige beziehen sollen. Aufgrund eines Wasserschadens musste der Termin aber auf Anfang Dezember verschoben werden. Jetzt kommt endlich Bewegung in das Integrationsprojekt der gemeinnützigen Organisation Zuwebe: Neun Männer und Frauen mit leichter Behinderung setzen der Leere im Obergeschoss der städtischen Altbau-Liegenschaft ein Ende. Sie wohnen ab sofort in den leicht sanierten, und an ihre Bedürfnisse angepassten Wohnräumen. Sie nennen sich «Wohngruppe Zinnenhof», in Anlehnung an die vielen Dachzinnen der Altstadthäuser in der Umgebung.

Die Wohngruppe wird in ihrem Alltag durch ein bereits bestehendes Betreuungsteam der Zuwebe unterstützt und begleitet. Das Haus stellt die Bewohner vor unterschiedliche Herausforderungen: Die vielen Treppen im alten Haus sind für sie ungewohnt, die Wohnumgebung und der Arbeitsweg sind neu. Obwohl die Männer und Frauen ein neues Zuhause haben, gehen sie weiterhin ihrer Arbeit an den verschiedenen Standorten der Zuwebe nach.

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Gelebte Integration fördern

Was im Wohnbereich des Hauses an der Grabenstrasse passiert, ist eine Sache. Die Pläne für die übrigen Räumlichkeiten eine ganz Andere. Das Grundkonzept ist seit einiger Zeit bekannt: Im Frühjahr 2014 wird ein Restaurant eröffnet. Die Zuwebe will in diesem Betrieb vier bis sechs geschützte Arbeitsplätze schaffen, inklusive Lehrstellen, sagt der Geschäftsleiter Antonio Gallego gegenüber zentral+. Ausserdem, so Antonio Gallego, sind ein Kurs-Atelier und eine kleine Ausstellungs- und Verkaufsfläche für Produkte aus den Zuwebe Werkstätten vorgesehen.

Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist die Veranstaltung von kulturellen Anlässen. Gallego spricht von Ausstellungen, öffentlichen Lesungen oder Konzerten. Alle Details will die Geschäftsleitung der Zuwebe dennoch nicht verraten. Wie das Angebot im Restaurant aussehen wird, ist noch geheim: «Unsere Leitidee lautet klein und fein, mehr will ich momentan noch nicht bekannt geben», sagt Antonio Gallego. Auch darüber, wie das Restaurant einmal heissen soll, schweigen die Initianten. Sie nennen es bis auf weiteres «die Grabenstrasse». Das Hauptziel des Projekts ist die gelebte Integration für Menschen mit besonderem Betreuungsbedarf. Mit dem Standort mitten in der Zuger Altstadt will die Institution neue Berührungspunkte zwischen den Klientinnen und Klienten der Zuwebe und der übrigen Bevölkerung im alltäglichen Leben schaffen.

Kein Vergleich mit dem Aige

Zweifellos, das Projekt der Zuwebe klingt spannend. Unweigerlich kommen aber Erinnerungen an das Aige hoch. Wollte nicht schon die Aktions-Café Bar mit ihrem aussergewöhnlichen Konzept frischen Wind in die Zuger Gastroszene bringen? Das Vorhaben scheiterte nach nur rund eineinhalb Jahren. Die Kulturbeiz musste wegen fehlenden finanziellen Mitteln im Januar 2013 die Türen schliessen. Was will die Zuwebe besser machen, damit ihr Projekt zum Erfolg wird und auch kostendeckend geführt werden kann?

«Wir müssen nicht gleich funktionieren wie ein gewöhnlicher Gastronomiebetrieb.»

Antonio Gallego

Diese direkte Verbindung zum Aige lässt Antonio Gallego so nicht gelten: «Die beiden Betriebe kann man nicht vergleichen. Wir müssen nicht gleich funktionieren wie ein gewöhnlicher Gastronomiebetrieb. Die IV und der Kanton übernehmen einen Teil der Finanzierung für die Wohn und Arbeitsangebote. Der Lohn von unserem Koch beispielsweise – er ist gleichzeitig Arbeitsagoge – wird durch die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Zug gedeckt.» Es sei wichtig zu wissen, dass jeder Franken, den die Zuwebe verdient, die Ausgaben vom Staat entlaste, fügt Gallego hinzu.

Wenn alles nach Plan läuft und die ausstehenden baulichen Änderungen nach Plan ausgeführt werden können, will die Zuwebe das neue Restaurant im März 2014 eröffnen. Zu diesem Zeitpunkt geht auch das Kurs-Atelier in Betrieb. Zusammen mit Klienten der Zuwebe und dem Personal, kann jede interessierte Person an den Freizeitangeboten teilnehmen. Spätestens dann verschwinden auch die Klebefolien an den Schaufenstern des seit über einem Jahr brachliegenden Gebäudes am Kolinplatz. Offen bleibt die Grundsatzfrage, ob ein kreatives Gastrokonzept in Zug nur dann eine Chance zum Überleben hat, wenn es teilweise vom Kanton subventioniert ist.

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1 Kommentare
  1. Maria Graf, 07.12.2013, 09:14 Uhr

    Dieses Projekt, bei denen die Kreativität und das Zusammenwirken von Menschen mit einem besonderen Betreuungsangebot herausgefordert und gefördert werden, sind sinnvoll und gesund. Die hierfür aufgewendeten Steuer- und IV-Gelder sind eine Investition in die Zukunft. Ich wünschte mir, dass solche Gelder mehr für solche Projekte ausgegeben werden. Bin gespannt, was die “Beteiligten” da auf die Beine stellen werden. Ein Haus der Begegnung ist es schon jetzt. Eine tolle Idee. Bravo.