Die Klinik Zugersee vergibt Prämien – nur eben nicht an alle
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Die Klinik Zugersee in Oberwil ist die grösste psychiatrische Einrichtung im Kanton Zug. (Bild: mam)

Insider staunt über das Vorgehen Die Klinik Zugersee vergibt Prämien – nur eben nicht an alle

4 min Lesezeit 1 Kommentar 01.04.2021, 12:01 Uhr

Die Klinik Zugersee hat Prämien ausbezahlt und Lohnanpassungen vorgenommen, um ihren Mitarbeiterinnen für ihren Einsatz im letzten Jahr zu danken. Allerdings nicht an alle. Rund ein Drittel geht dabei leer aus.

Die Coronapandemie schlägt den Menschen aufs Gemüt. Das spürte auch die Klinik Zugersee (zentralplus berichtete).

Die Klinik hat nun als Dankeschön für die «sehr gute Arbeit und den grossen Einsatz» einmalige Prämien ausbezahlt. Ein entsprechendes Schreiben vom März 2021 liegt zentralplus vor.

Allerdings hat die Klinik nicht allen Mitarbeitenden eine solche Anerkennungsprämie ausbezahlt. Ein Insider sagt gegenüber zentralplus, dass er von rund fünf Mitarbeitenden wisse, die nicht im Kader arbeiteten und die leer ausgingen. Diese hätten den Eindruck, dass nur das mittlere und das obere Kader berücksichtigt worden seien.

Dass solche Prämien ausbezahlt wurden – beziehungsweise, wer etwas bekommt und wer nicht – sei nicht kommuniziert worden. «Viele sind empört und finden das schlicht unmöglich. Sie können es überhaupt nicht nachvollziehen», so der Insider.

Prämien gingen an alle Hierarchiestufen

Was ist da los?

Wie Erich Baumann, Chef der Triaplus AG, und Personalleiterin Christa Fehlmann in einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben, handle es sich bei besagten Prämien nicht um eine Coronaprämie. Es handle sich um normale jährliche Lohnrunden. «Die Triaplus AG – dazu gehört auch die Klinik Zugersee – bezahlt im Rahmen der diesjährigen Lohnmassnahmen einzelnen Mitarbeitenden eine einmalige Prämie aus. Empfänger einer solchen Prämie können alle Hierarchiestufen sein – also von Mitarbeitenden bis zum oberen Kader, jedoch ohne Geschäftsleitung.»

Rund ein Drittel geht leer aus

Über 60 Prozent der Mitarbeitenden würden von einer solchen Prämie oder Lohnanpassung profitieren. Die Prämien betragen zwischen 500 und 3000 Franken. Dabei «gibt es mehr Mitarbeitende der Triaplus, die eine Prämie erhalten werden, als Kadermitarbeitende».

Bei den weniger als 40 Prozent handle es sich laut Baumann und Fehlmann um alle Stufen von Mitarbeitenden, also auch alle Kaderstufen. Auf die Frage, warum diese leer ausgehen, wird nicht eingegangen.

«Es wurde den Mitarbeitenden keine fixe Prämie zugesagt, weder als Lohnanpassung noch als Einmalprämie für alle.»

Erich Baumann, CEO der Triaplus AG, und Personalleiterin Christa Fehlmann

In diesem Februar seien die Mitarbeitenden über das Intranet – eine interne Kommunikationsplattform – informiert worden, welche Beträge für die Lohnmassnahmen 2021 gesprochen würden und wie diese verwendet würden. «Es wurde den Mitarbeitenden keine fixe Prämie zugesagt, weder als Lohnanpassung noch als Einmalprämie für alle», so die beiden Chefs unisono.

Es sollen noch weitere Schreiben über Lohnanpassungen und Prämien folgen

Laut dem Insider sei just am Dienstag – nachdem die Medienanfrage von zentralplus bei Triaplus bereits platziert worden war – im Intranet über die Lohnrunden informiert worden. In der Mitteilung heisst es, dass man im Februar bereits informiert habe, wie die gesprochenen Gelder eingesetzt werden.

Anscheinend haben bis jetzt noch nicht alle Mitarbeitenden ein Schreiben über eine allfällige Prämie bekommen. Im Intranet heisst es: «Über 60 Prozent der Mitarbeitenden werden in den nächsten Tagen ein persönliches Schreiben von ihrer/m Vorgesetzten erhalten, in welchem sie über eine strukturelle oder eine individuelle Lohnanpassung oder eine Einmalprämie informiert werden.» Diese würden mit dem April-Lohn ausbezahlt werden.

«Ich glaube, dass die Klinikleitung unter Druck geraten ist mit dieser Medienanfrage.»

Ein Insider

Den Insider macht dies stutzig. «Ich glaube nicht an den Zufall, dass das Personal gestern informiert wurde», sagt er. «Ich glaube, dass die Klinikleitung unter Druck geraten ist mit dieser Medienanfrage.»

Die Frage, wie man begründe, dass einige Mitarbeitende den Brief bereits im März erhalten haben und andere erst im April, lassen Baumann und Fehlmann offen.

Wegen Corona gibt’s einen zusätzlichen Ferientag

Wegen der Coronapandemie und der damit verbundenen hohen Arbeitsintensität im letzten Jahr haben alle Mitarbeitenden einen zusätzlichen Ferientag bekommen. Der zusätzliche Ferientag war ein bewusster Entscheid der Geschäftsleitung, den Mitarbeitenden für das schwierige Jahr infolge der Corona-Pandemie etwas Zeit zu schenken, die sie für sich persönlich nutzen können, schreiben Baumann und Fehlmann weiter.

Handelt es sich bei diesem zusätzlichen Ferientag nicht quasi um ein Eigengoal, weil das bestehende Team zusätzlich belastet wird und gerade Teams, die allenfalls unterbesetzt sind, an ihre Grenzen kommen könnten?

Der zusätzliche Ferientag sei geschätzt worden, heisst es weiter. Von vielen Mitarbeitenden habe es positive Rückmeldungen gegeben.

Über allfällige weitere Massnahmen in diesem Jahr nimmt Triaplus gegenüber den Medien keine Stellung mehr, kündigen die Verantwortlichen an.

Affaire à suivre.

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1 Kommentare
  1. Willy Honegger, 01.04.2021, 20:20 Uhr

    Ich hoffe dass die welche leer ausgehen auf die Barrikaden gehen. Und dass sich die anderen solidarisieren. Die Geschäftsleitung hat einmal mehr bewiesen wie unsensibel sie handeln und die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Bei der Personalflucht und unbesetzten Stellen ein absolutes no go!

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.