Florian Studer will mit dem Start-up «schöki» die Schokoladenindustrie unter Druck setzen. (Bild: zentralplus/bas)
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Florian Studer will mit dem Start-up «schöki» die Schokoladenindustrie unter Druck setzen. (Bild: zentralplus/bas)

«Fairtrade? Die Schoggi-Industrie betreibt Augenwischerei»

6min Lesezeit

Schweizer sind regelrechte Schokoladenfresser, besonders wenn Ostern naht. Stolze zwölf Kilogramm der süssen Verführung konsumiert ein Durchschnittsschweizer jährlich. Doch die Bauern, die den Kakao für diese Schokolade herstellen, leben meist unter der Armutsgrenze – trotz Fairtrade. Das wollen junge Luzerner ändern.

Der Luzerner Florian Studer und seine Kollegen haben genug von den leeren Versprechungen der Schokoladenindustrie und dem Labelsalat, der Fairness suggeriert: Zusammen mit Martin Boyer, Nicola Schwarz und Fabiola Müller hat Studer das Start-up «Schöki» gegründet. Damit wollen sie eine eigene Schokolade auf den Markt bringen. Diese soll den Kakaobauern ein existenzsicherndes Einkommen garantieren und gleichzeitig für alle Schokoladennarren einen fairen Preis haben.

Reiche Industrielle – arme Bauern

Heute werde der Grossteil des Kakaos in der Schokolade von Kleinbauern in Afrika produziert, die – bedingt durch den tiefen Kakaopreis – in bitterer Armut leben, erklärt Studer. «Wenn wir eine Tafel für 1.80 Franken kaufen, gehen davon etwa zehn Rappen an den Kakaobauern.» Der Rest verteile sich auf Zwischenhändler, Grossverteiler und Chocolatier.

Studer zusammen mit seinen zukünftigen Geschäftspartnern, den Kakaobauern, und deren Kindern in Uganda (Bild: zVg/Studer).
Studer zusammen mit seinen zukünftigen Geschäftspartnern, den Kakaobauern, und deren Kindern in Uganda (Bild: zVg/Studer).

«Die meisten Bauern verdienen dabei deutlich weniger als zwei Franken pro Tag. Sie leben also unter der Armutsgrenze», sagt der Luzerner. Wenn die Milchschokolade mit einem Fairtrade-Label zertifiziert sei, verdiene der Bauer pro Tafel nur etwa einen Rappen mehr als bei herkömmlicher Schokolade. «Darum ist Fairtrade in diesem Fall auch ein Stück weit Augenwischerei.» Der Armut entkommen die Bauern und ihre Familien damit jedenfalls nicht. «Obwohl dies kein Geheimnis mehr ist, bewegt sich die Schokoladenindustrie kaum. Sicherlich auch, weil der Druck fehlt», so Studer.

Von der Ungerechtigkeit zum Start-up

Der Luzerner beschäftigt sich seit Studienzeiten mit der Thematik, war mehrmals in der Elfenbeinküste und in Uganda und hat die Bedingungen der Kakaobauern selbst gesehen. «Dass man ein so offensichtliches und eigentlich lösbares Problem nicht anpackt, hat mich geärgert. Man könnte ja einfach zehn Rappen mehr verlangen pro Tafel und damit den Bauern das Doppelte bezahlen», sagt Studer. Dieser Hebeleffekt hat ihn fasziniert und nicht mehr losgelassen. Die Idee für das Start-up-Unternehmen war geboren.

Fair für den Bauern …

«Schöki» setzt auf die Zusammenarbeit mit ugandischen Kakaobauern aus dem kleinen Dorf Kasawo. «Sie erhalten für ihren Kakao einen fairen und stabilen Preis von 4’000 Franken pro Tonne – das Doppelte des Fairtrade-Mindestpreises.» Damit würden die Bauern auf einen Lohn von 2.40 Franken pro Tag kommen, erklärt der engagierte Luzerner. 

Eine der Familien zusammen mit Florian Studer, die von «Schöki» profitieren werden (Bild: zVg/Studer).
Eine der Familien zusammen mit Florian Studer, die von «Schöki» profitieren werden (Bild: zVg/Studer).

«Das verbessert ihre Lebensbedingungen markant und erlaubt ihnen, durch die Unabhängigkeit vom schwankenden Marktpreis Investitionen in ihre Zukunft zu tätigen.» Zudem würden die Kakaoproduzenten in nachhaltiger Landwirtschaft geschult, damit der Ertrag der Felder über Generationen hinweg gesichert werden könne.

… und fair für den Konsumenten

Doch nicht nur für die Bauern soll der Preis fair sein: «Die Schokolade wird auch für die Konsumenten fair sein. Daher soll auf hohe Margen verzichtet werden», erklärt Studer. Die Tafel soll für 3.50 Franken angeboten werden. «Denn eine faire Schokolade muss nicht teuer sein», sagt Studer mit einem Seitenhieb in Richtung der überteuerten Schokolade. «Diese tun zwar mit ihrer Exklusivität manchmal gute Dienste, weil der Anbau kontrolliert und die Preise gegenüber den Bauern meist fair sind.» Aber der Endkunde bezahle dann schnell acht bis zehn Franken pro Tafel. «Für einen Schoggi-Liebhaber wie mich ist das auf Dauer ein kostspieliges Dessert», sagt Studer.

Jetzt geht es los

Damit das Start-up richtig loslegen kann, will es mit einer Crowdfunding-Kampagne die erste Produktionsserie finanzieren. 30’000 Franken sollen dafür zusammenkommen. «Damit kaufen wir eine Tonne Kakao und können daraus in den Produktionsstätten des Schwyzer Traditionsunternehmens Felchlin 10’000 Tafeln Schokolade von hervorragender Qualität produzieren», erklärt Studer. 

Die Qualitätskontrolle der ugandischen Kakaobohnen erfolgt von Hand (Bild: zVg/Studer).
Die Qualitätskontrolle der ugandischen Kakaobohnen erfolgt von Hand (Bild: zVg/Studer).

Mit einem coolen Design der Verpackung will «Schöki» zudem weg vom «Lismerpulli-Image», wie Studer sagt, dabei auf seinen «Lismer» zeigt und lacht. Wenn alles klappt, kann man die Tafeln dereinst im Luzerner Quai 4-Markt (zentralplus berichtete) kaufen, aber auch online oder in Bars oder Restaurants versucht das Start-up die «Schöki» anzubieten. In Anspielung auf das ambitionierte Crowdfunding-Ziel sagt Studer: «Wir reden schon lange davon, jetzt muss das Projekt aber zuerst fliegen lernen. Ich bin zuversichtlich.»

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