«Einer der schönsten Jobs»: Baudirektorin Manuela Jost beim Brunnen vor dem Felsberg-Schulhaus. (Bild: jwy)
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«Einer der schönsten Jobs»: Baudirektorin Manuela Jost beim Brunnen vor dem Felsberg-Schulhaus. (Bild: jwy)

«Ich musste mich da richtig reinknien»

21min Lesezeit

Vor vier Jahren war es knapp: Manuela Jost schaffte es via zweiten Wahlgang in den Stadtrat. Nach harzigem Start hat die GLP-Politikerin Fuss gefasst in der Baudirektion. Nun folgt die Bewährung. zentralplus fragt, wie sie sich als Vertreterin einer Minipartei Gehör verschafft – und ob sie vom Frauenbonus profitiert.

Ist es noch Zufall oder schon Schicksal? Wenn einem unmittelbar nach dem Gespräch mit Baudirektorin Manuela Jost deren Vorgänger – Kurt Bieder – über den Weg läuft? Nun – haken wir’s als schönen Zufall ab.

Manuela Jost kandidiert am 1. Mai erneut für den Posten als Stadträtin. Die Grünliberale wurde vor vier Jahren einigermassen überraschend gewählt. Sie setzte sich im zweiten Wahlgang knapp gegen den jetzt ebenfalls wieder kandidierenden SP-Kandidaten Beat Züsli durch. Und sehr viel deutlicher gegen SVPler Rolf Hermetschweiler.

Frisch aus den Ferien und gestärkt für die Endphase des Wahlkampfs stellt sich Manuela Jost unseren 30 Fragen. Als Ort für das Interview wählte die Stadträtin die nigelnagelneue Erweiterung des Schulhauses Felsberg hoch über Luzern und neben mächtigen Mammutbäumen. Es riecht noch frisch im eleganten Beton-Holz-Bau, Kinder haben schon Leben in die Räume gebracht.

1. Manuela Jost, wieso treffen wir uns hier in diesem Neubau?

Ökonomin mit Vorliebe für Yoga

Für die GLP sass Manuela Jost (53) von 2010 bis Mitte 2012 im Stadtparlament, zwischen 2011 und Mitte 2012 war sie zudem Kantonsrätin. 2012 trat sie zu den Stadtratswahlen an – und war erfolgreich: Sie setzte sich im zweiten Wahlgang äusserst knapp gegen Beat Züsli (SP) durch. Sie wurde von den Bürgerlichen unterstützt aus Angst vor einer Mitte-Links-Stadtregierung.

Manuela Jost ist in Bern aufgewachsen und lebt seit 1999 mit ihrem Partner Dominique Criblez in Luzern. Vor ihrer Wahl in den Stadtrat arbeitete die Ökonomin als Dozentin für Unternehmensethik und als Studiengang­leiterin Public und Nonprofit Management an der Wirtschaftshochschule Luzern. Zudem führte sie in Root ein Yoga-Studio. Jost sitzt in verschiedenen Verwaltungsräten, unter anderem bei der EWL und bei Viva Luzern (Alters- und Pflegeheime).

Einerseits wegen der einmaligen Lage: Es ist für mich ein Ort mit einer unglaublichen Weitsicht auf unsere Stadt. Aber auch, weil es ein vorbildliches Zusammenspiel von moderner Architektur mit den alten Pavillonbauten aus der Mitte des letzten Jahrhunderts ist. Und es ist ein Ort der Zukunft: Hier gehen Kinder ein und aus.

2. Und es ist ein Ökoschulhaus – es passt zur Ihrer Partei.

Das kommt hinzu. Es ist schweizweit das erste Schulhaus mit dem Minergie-Label «A-Eco» (ein Gebäude, das mehr Energie gewinnt, als es verbraucht, Anm. d. Red.). Zusammen mit der Solaranlage, die aufs Turnhallendach kommt, wurde es so zertifiziert.

3. Spekulieren Sie auf das Bildungsdepartement von Ursula Stämmer, das frei wird?

Nein, damit hat das nichts zu tun. Das Schulhaus ist mir auch wichtig, weil es eines meiner ersten Projekte war, das ich plante und im Parlament vertrat. Ein Kredit von über 18 Millionen, zu dem es eine Volksabstimmung gab mit 80 Prozent Zustimmung. Für mich persönlich ein positiver Einstieg ins Departement.

Kinder haben den Neubau beim Felsberg-Schulhaus schon zu ihren Gunsten gestaltet.
Kinder haben den Neubau beim Felsberg-Schulhaus schon zu ihren Gunsten gestaltet. (Bild: jwy)

4. Ist Ihnen wohl im Baudepartement – keine Wechselabsichten?

Sehr, es wird mir immer wohler, nach vier Jahren kennt man die Abläufe und Themen. Ich habe ein wahnsinnig motiviertes Team und arbeite sehr gerne in diesem Bereich. Es ist eine Direktion, in der man die Stadt von morgen mitgestalten kann, das gefällt mir sehr gut.

5. Bei der Wahl 2012 hätte man bei Ihnen eher auf Kultur und Bildung getippt.

(Zögert) Ja, ich bin sehr kulturaffin, das hat mich selbstverständlich auch interessiert. Aber ich freute mich auf das Baudepartement, auch wenn es eine Herausforderung war und ich mich richtig reinknien musste. Aber als Sportlerin ist man sich das gewohnt und es hat mein Leben bereichert. Bauen ist ja auch Kultur und wichtig für ein lebenswertes Luzern.

6. Wie war für Sie der Start rückblickend? Das Volk hat Ihnen gleich zu Beginn mit zwei Initiativen den Tarif erklärt – mit der Wohnrauminitiative und der Industriestrassen-Initiative.

Genau, die Industriestrasse war die erste Volksabstimmung in meiner Legislatur – und zugleich die einzige, die ich verlor. Die restlichen sieben Abstimmungen, die ich mit meiner Direktion verantwortete, wurden alle angenommen. Das Nein zum Verkauf des Industriestrassen-Areals war natürlich für den Stadtrat enttäuschend, aber gleichzeitig eine Chance für einen neuen Prozess. Und die Wohnrauminitiative gab mir den Auftrag, einen neuen Wohnraumbericht auszuarbeiten. Dieser wird aufzeigen, wie wir rund 1000 Wohnungen in den nächsten zehn Jahren bewerkstelligen wollen.

«Sicher, mit einem zweiten Wahlgang muss ich rechnen. Aber ich bin gerüstet und freue mich auf den Endspurt.»

7. Sie treten wieder zur Wahl am 1. Mai an – wieso?

Ich arbeite sehr gern für die Stadt Luzern, ich möchte mich weitere vier Jahre dafür einsetzen. Mir gefällt meine Arbeit sehr gut, es ist einer der schönsten Jobs. Zudem will ich meine Vision verwirklichen: eine lebenswerte Stadt der kurzen Wege, wo Arbeiten, Wohnen und Erholung miteinander verbunden sind.

8. Lassen Sie uns etwas spekulieren: Im neuen Stadtrat werden Sie die einzige Frau sein – profitieren Sie von einem Frauenbonus?

Nein, ich glaube nicht. Aber ich bin mittlerweile überzeugt, dass Frauen gewisse Vorteile in der Art des Politisierens und des Führens, aber auch in der Konsensfindung mitbringen. Als Stadträtin braucht man ein grosses Einfühlungs- und Eindenkvermögen. Ich führe viele bilaterale Gespräche mit Bauleuten, ich bringe auch Intuition mit. Und ich finde natürlich, dass eine Stadt von beiden Geschlechtern geführt werden sollte.

«Der Schulhausbau ist mir ein grosses Anliegen»: Manuela Jost beim Schulhaus Felsberg.
«Der Schulhausbau ist mir ein grosses Anliegen»: Manuela Jost beim Schulhaus Felsberg. (Bild: jwy)

9. Erlauben Sie die Prognose: Sie sind so gut wie gewählt. Viele linke Stimmen sind Ihnen auf sicher, um einen SVP-Sitz zu verhindern. Oder müssen Sie zittern?

Ich spekuliere nicht gern, das müssen die Luzernerinnen und Luzerner entscheiden, für welche Kombination sie sich entscheiden: politisch, aber auch nach Geschlechtern.

10. Läuft es auf einen zweiten Wahlgang hinaus: Sie gegen Peter With (SVP)?

(Überlegt) Sicher, mit einem zweiten Wahlgang muss ich rechnen, aber wie die Konstellation dann genau aussieht, davon lasse ich mich überraschen. Ich bin gerüstet und freue mich auf den Endspurt.

11. Wieso hat die GLP mit vier Sitzen im Stadtparlament Anspruch auf einen Stadtratssitz, die SVP mit sieben Sitzen jedoch nicht?

Man kann den Sitzanspruch immer aus verschiedenen Perspektiven beurteilen. Eine Optik ist die arithmetische, aber das war schon vor vier Jahren so, da hat nichts geändert. Meine Haltung ist: Die Wahlen für ein Exekutivamt sind Persönlichkeitswahlen, das zählt für mich genauso wie die politische Stärke. Und ich habe in den vier Jahren bewiesen, dass ich das gerne und gut mache. Zudem braucht die Stadt Luzern liberales Gedankengut, das langfristig mit ökologischer und sozialer Verantwortung verbunden wird.

«Es ist immer die Frage, wie man Allianzen bilden kann – ich habe praktisch alle meine Berichte und Anträge durchgebracht.»

12. Kürzlich hörte ich folgenden Vergleich: Sie Sind von der Konstellation her die Widmer-Schlumpf von Luzern. Eine Exekutivpolitikerin ohne eigene Hausmacht.

(Lacht laut) Das habe ich so noch nie gehört … aber ich nehme das als Kompliment wahr, ich habe Eveline Widmer-Schlumpf immer als sehr kompetente, engagierte Frau wahrgenommen. Sie hat viel erreicht. Wie gesagt, Persönlichkeiten zählen.

13. Aber es macht das Regieren schwerer ohne eigene Lobby im Parlament?

Es ist immer die Frage, wie man Allianzen bilden kann, und ich habe praktisch alle meine Berichte und Anträge im Parlament durchgebracht, mit ein paar wenigen Ausnahmen. Das zeigt doch, dass es wichtig ist, wie man ein Thema im Stadtrat aufarbeitet und wie man es nachher verkauft. Das ist wichtiger als die reine Parteienstärke.

14. Wirklichen Support geniessen Sie weder von links noch von rechts, die GLP ist isoliert. Den Linken zu bürgerlich, den Bürgerlichen zu links.

Das ist so, wenn man eine liberale Mittepolitikerin ist, die gleichzeitig soziale und ökologische Verantwortung wahrnimmt. Aber das war schon immer so.

15. Sprechen wir über ein paar Bauvorhaben unter Ihrer Amtszeit: Wo sehen Sie persönlich Ihre grössten Erfolge seit Ihrer Neuwahl 2012?

Nehmen wir die Schulanlagen: Wir haben in den letzten vier Jahren wichtige Schulhaussanierungen abgeschlossen: Maihof, Felsberg, Geissenstein, Fluhmühle. Und wir haben die Schulraumplanung für den Stadtteil Littau gemacht und sind an der Jurierung des Projekts für ein neues Schulhaus Staffeln in Littau. Das wird schweizweit eines der grössten Schulhäuser. Der Schulhausbau ist mir ein grosses Anliegen für unsere Kinder.

Dann die Wohnraumpolitik: Da musste ich neu starten, die gab es vor vier Jahren noch nicht. Mir war von Anfang an die Zusammenarbeit mit den Wohnbaugenossenschaften wichtig, es ist uns gelungen, diese im Netzwerk G-Net zusammenzubringen, das ist schweizweit einmalig. Die Entwicklungen der verschiedenen Wohnraum-Bauareale – Bernstrasse, Industriestrasse, Eichwaldstrase, Urnerhof, Kleinmatt, Biregg – geht voran. Aber es dauert oft länger, als man das gern hätte, das wird in der Politik immer unterschätzt. Es braucht enorm Zeit, Areale zu entwickeln, bis letztlich etwas steht – länger als eine Legislatur.

Wichtig ist mir zudem: Wir haben das Baubewilligungsverfahren elektronisiert, der Start war am 4. April, davon verspreche ich mir eine effizientere Abwicklung der Baugesuche. Wir haben in diesem Zusammenhang auch in unseren internen Prozessen Schwachstellen entdeckt – wir können diese nun besser koordinieren.

16. Eine Kritik, die man hört: Sie verhandeln, reden und hören gut zu – aber der gemeinnützige Wohnungsbau komme nicht vom Fleck.

Das stimmt so nicht: An der Bernstrasse ist das Bauland abgegeben, bei der Industriestrasse stehen wir kurz davor. Diese Zeit wollten wir uns nehmen, jetzt haben wir ein gutes Projekt und eine gute Trägerschaft. Sie können jeden Privaten fragen, der bestätigt, dass es sieben bis zehn Jahre dauert, bis etwas steht. Mein Anspruch war immer, Arealklärungen sorgfältig zu machen, ich will mit den Betroffenen einen Dialog führen, und das braucht Zeit.

«Ein Ort mit Weitsicht»: Stadträtin Manuela Jost im Neubau des Schulhauses Felsberg.
«Ein Ort mit Weitsicht»: Stadträtin Manuela Jost im Neubau des Schulhauses Felsberg. (Bild: jwy)

17. Wo sind die Baustellen? Welche Geschäfte brachten Sie nicht durchs Parlament?

Es gibt Baustellen, etwa den Pilatusplatz. Ich bedaure es, dass wir da, wo wir Arbeitsfläche schaffen wollen und es selber in der Hand hätten, im Moment nicht weitermachen können. Aber ich akzeptiere den Entscheid des Parlaments und hoffe, dass in den nächsten vier Jahren etwas geht.

18. Was sagen Sie einem Bürger, der fragt: «Frau Baudirektorin, wieso steht auf der Baubrache Pilatusplatz immer noch nichts?»

(lacht) Weil es das Parlament im Moment so will. Wir warten so lange, bis wir Klarheit haben über die Stadtbildinitiative, die ja dort einen 35 Meter hohen Bau verhindern will. Es ist legitim, wenn das Parlament findet, das Risiko sei zu gross. Und darum muss man jetzt noch ein wenig diese Bäume in den Säcken geniessen. (Anm. d. Red.: Die Stadtbildinitiative wurde für ungültig erklärt, ein Gerichtsentscheid steht noch aus, zentralplus berichtete.)

«Es gibt Baustellen, etwa den Pilatusplatz. Ich bedaure es, dass wir da nicht weitermachen können.»

19. Sie sagten mal: «Viele Sachen dauern länger, als ich es gern hätte.» Hätten Sie manchmal lieber ein weniger komplexes Departement?

Nein, das hängt mit der Exekutivtätigkeit zusammen. Die Direktion ist sehr komplex, es ist nicht so wie in einem Unternehmen, wo man sagt: «Voilà, ich entscheide das heute Nachmittag und so machen wir’s.» Man muss viel diskutieren und argumentieren im politischen Prozess. Und ich bin eine Macherin, selbstverständlich finde ich manchmal, jetzt sollten die Bagger auffahren.

20. Und – angenommen Sie werden wiedergewählt und bleiben Baudirektorin – was müssen Sie als Nächstes anpacken?

Wir haben in der Wohnraumpolitik viele Grundlagen geschaffen, jetzt werden wir das vorwärtstreiben: die Areale Urnerhof, Eichwald, Kleinmatt/Biregg. Die Wohnraumförderung ist mir ein Herzensanliegen. Dann bleiben Schulhäuser eine grosse Herausforderung, etwa die Schulhäuser St. Karli und Moosmatt, die saniert werden – und beim neuen Schulhaus Staffeln müssen wir vorwärtsmachen.

21. Videofrage: Luzern muss den Anteil gemeinnütziger Wohnungen innert 25 Jahren von 14 auf 16 Prozent erhöhen. Wie hoch ist der Anteil in der Stadt Zürich?

Nicht schlecht! Von den rund 217’000 Wohnungen in der Stadt Zürich sind rund 25 Prozent gemeinnützig, das Ziel ist 33 Prozent.

22. Wirklich kühne Projekte gibt es in der Kleinstadt Luzern sehr selten – mit der Salle Modulable haben wir eines. Hand aufs Herz: Ist der Standort Inseli politisch wirklich durchsetzbar?

Schauen Sie, jeder Standort hat politische Fragezeichen, das war dem Stadtrat bewusst. Jetzt müssen wir so schnell wie möglich mit der Bevölkerung in den Dialog treten und im November steht dann die Abstimmung an. Ich bin sehr überzeugt vom Projekt, es ist eine Chance für die Stadt Luzern, diese sollten wir packen. Der Standort ist zwar wichtig und mit Emotionen verbunden, aber ich wünsche mir noch vermehrt eine inhaltliche Diskussion über die Kultur.

«Ich bin nicht so eine geübte Velofahrerin wie Adrian Borgula oder Ursula Stämmer.»

23. Auch die Sanierung der Museggmauer wurde 2015 abgeschlossen. Das war nur dank Privaten möglich. Wieso sind in Luzern Grossprojekte ohne private Unterstützung kaum möglich?

Wir haben eine Tradition in dieser Stadt, dass es sehr viele engagierte Leute gibt, die sich ideell und finanziell für Grossprojekte einsetzen: KKL, Museggmauer, auch bei der Salle Modulable gehe ich davon aus. Das macht die Stadt speziell, das gelingt anderen nicht. Natürlich könnte man sagen, die öffentliche Hand müsste diese Gelder haben, aber die Realität ist eine andere.

24. Videofrage: In Ihrer Amtszeit wurde auch die Gütschbahn eröffnet – wissen Sie, was eine einfache Fahrt kostet?

Knapp daneben: 2,50 Franken.

25. Wenn wir hier auf die Stadt runterblicken: Was ist in zehn Jahren anders?

Dann sieht man die Salle Modulable auf dem Inseli. Dann wird man den obersten Teil des Gebäudes am Pilatusplatz sehen sowie die Pilatusarena auf der Allmend. Und sicher eine sehr attraktive Bahnhofstrasse: Leute, die flanieren, Beizen …

26. … und ohne Luzerner Theater?

(lacht) Das sehen wir dann. Aber ganz wichtig ist auch: Die Altstadt, die man von hier sieht, die wird so bleiben, dank der Ortsbildschutzzone A. Das ist ja das Schöne, etwas, das über die Jahrhunderte besteht und erhalten bleibt. Zusammen mit der Schutzzone B in der Neustadt. Die Kombination von Moderne und Tradition kennzeichnet diese Stadt.

27. Videofrage: Der Stadtrat möchte beim Theaterplatz eine freie Fläche errichten, einen Sechseläutenplatz für Luzern? Beschreiben Sie bitte Ihre Vision.

28. Sie wohnen im Bruchquartier – was schätzen Sie an diesem Quartier?

Es ist ein sehr lebendiges Quartier mit verschiedenen Läden und Restaurants. Es ist durchmischt mit Familien, Singles, älteren Leuten. Das tut der ganzen Gesellschaft gut, wenn verschiedene Generationen ihren Platz haben. Und man sieht die Berge, der Weitblick über die Stadt und den See gefällt mir.

29. Wie bewegen Sie sich zwischen Wohnort und Stadthaus: Fuss, Velo, öV?

Meistens zu Fuss – oder mit dem Velo. Aber ich nutze alle vier Verkehrsmittel, auch Auto und ÖV. Ich bin nicht so eine geübte Velofahrerin wie Adrian Borgula oder Ursula Stämmer, ich bin eher auf der respektvollen Seite, ich fahre gern durch Quartiere, über die Seebrücke weniger gern (lacht).

30. Und wo trifft man Sie am häufigsten: Im Yogastudio, auf dem Berg oder auf dem See?

Auf dem See, aber auch beim Wandern oder Joggen in der Nähe, ich mache gern von hier aus kleinere Wanderungen. Aber man trifft mich auch an Kulturanlässen oder in Cafés an, aber mein Yogastudio ist im Moment zu Hause, zum Unterrichten komme ich im Moment nicht mehr.

Das zentralplus-Urteil zu Manuela Jost

Man mag mit der politischen Bilanz von Manuela Jost zufrieden sein – oder auch weniger. Doch unabhängig von diesem Urteil muss man feststellen, dass Manuela Josts Chancen auf eine Wiederwahl nicht nur intakt, sondern sehr gut sind.

Das liegt einerseits an ihrer Arbeit als Baudirektorin: Manuela Jost hat sich nach anfänglicher Kritik – zu wenig dossierfest, zu zögerlich – gut in der Baudirektion eingearbeitet und Erfolge vorzuweisen. Trotz des Nachteils, dass sie nur eine Minipartei mit vier Parlamentssitzen im Rücken hat, brachte sie ihre Geschäfte grossmehrheitlich bei Volk und Parlament durch. Und dort, wo ihr das Volk einen Strich durch die Rechnung machte – beim Verkauf des Areals Industriestrasse – konnte sie jetzt just vor den Wahlen mit den Genossenschaften eine Einigung präsentieren, die auf breite Zustimmung stossen dürfte (zentralplus berichtete), auch wenn der Parlamentsentscheid dazu noch aussteht.

Zweitens möchten viele nicht, dass nach der Luzerner Kantonsregierung auch noch der Stadtrat ein reines Männergremium wird. Nur schon deshalb werden viele Josts Namen auf den Wahlzettel schreiben. Und sicher auch viele Linke, die SVP-Kandidat Peter With verhindern wollen.

Ob es Manuela Jost im ersten Wahlgang schafft, ist fraglich, aber zumindest im zweiten Wahlgang schätzen wir ihre Wahlchancen auf 75 Prozent. Danach hätte Jost die Chance, zu beweisen, dass sie es mit dem Volksauftrag des gemeinnützigen Wohnungsbaus wirklich ernst meint. Aber nicht nur dort muss künftig stärker angepackt werden. Die Wirtschaft benötigt dringend neue Flächen – sonst ziehen neue Firmen nicht nach Luzern, sondern von Luzern weg. Siehe Mobimo als jüngstes Beispiel. Dadurch entgehen der Stadt wichtige Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

Interessantes und nicht ganz abwegiges Gedankenspiel zum Schluss: Bei einer Wahl von SP-Baufachmann Züsli in den Stadtrat könnte Jost ihm das Baudepartement überlassen. Und dafür selber ins Bildungsdepartement der abtretenden SP-Stadträtin Ursula Stämmer wechseln.

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zentralplus stellt in einer 6-teiligen Serie die Luzerner Stadtratskandidaten vor. In dieser Reihe sind bereits erschienen:

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