Der Konvoi aus drei Schwertransportern auf dem Weg nach Stansstad. (Alle Bilder: SNG)
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Der Konvoi aus drei Schwertransportern auf dem Weg nach Stansstad. (Alle Bilder: SNG)

Neues Luxusschiff auf dem Weg nach Luzern

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Auf dem Vierwaldstättersee ist ab Donnerstag ein neues Hightech-Schiff unterwegs. Es hat bereits eine abenteuerliche Reise hinter sich, besonders knifflig wurde der Transport unmittelbar vor Luzern. zentralplus zeigt die Bilder von der Kiellegung über den Transport bis zur Einwasserung.

Schon vor gut drei Jahren hat die St. Nikolausen Schiffgesellschaft Genossenschaft (SNG) beschlossen, die bisherige Schiffsflotte durch ein neues Schiff zu erweitern. Am kommenden Donnerstag ist es endlich so weit: Das moderne, eigens für die SNG entworfene Hightech-Schiff wird offiziell getauft und erstmals mit ausgewählten Gästen, Regionalprominenz und grossem Trara in See stechen.

Doch genau genommen handelt es sich dabei nicht um die erste Reise des neuen Schiffes. Es hat insgesamt bereits über 500 Kilometer zurückgelegt – und das nicht nur auf dem Wasser. Denn gebaut wurde das Schiff in der Nähe von Köln. Danach wurden die einzelnen Bauteile in die Schweiz transportiert und schliesslich in Stansstad auf dem Vierwaldstättersee zusammengebaut. zentralplus zeigt Ihnen die Bilder dazu – von der Kiellegung bis zur Einwasserung.

Ganz am Anfang dieses Prozesses stand die Skizze des neuen Schiffs (siehe Bild). «In verschiedenen Variantenstudien ist ein völlig neues Schiffskonzept erarbeitet worden», erklärt Daniel Medici, Präsident der SNG. «Das Schiff sollte natürlich auch in die bestehende Flotte passen und in punkto Technik die neue Richtung weisen.» 

Es begann mit der Skizze: So sollte das neue Schiff aussehen.
Es begann mit der Skizze: So sollte das neue Schiff aussehen. (Bild: SNG)

Im Dezember 2014 erfolgte dann in Spessart bei Köln die Kiellegung des künftigen Flottenmitglieds der SNG. Nach und nach wurden dessen Einzelteile gebaut. Zuerst steht der Schiffsrumpf. Im Bild sieht man den sogenannten Kasko – so nennt sich der fertige, schwimmfähige Rumpf ohne die enthaltene Technik. Betrachtet man dessen Heckseite, erinnert es etwas an eine übergrosse Nussschale.

Der fertige Schiffsrumpf von hinten betrachtet.
Der fertige Schiffsrumpf von hinten betrachtet. (Bild: SNG)
 
Von der Bugseite her betrachtet lässt sich das Endprodukt bereits etwas besser erahnen.

Der fertige Schiffsrumpf von vorne betrachtet.
Der fertige Schiffsrumpf von vorne betrachtet. (Bild: SNG)

Bei der Planung des Schiffes habe man viel Wert auf Ökonomie und Ökologie gelegt, erklärt Daniel Medici von der SNG. Sämtliche «schiffsbautechnischen» Berechnungen des Rumpfes basieren auf dem Antrieb mittels zwei Elektromotoren. «Der Schub der Motoren wird über zwei konventionelle Wellenanlagen direkt und somit sehr ökonomisch ins Wasser übertragen», so Medici weiter. Es sei die konventionelle, bewährte Schiffstechnik in Kombination mit modernster Elektronik, die ihn am neuen Schiff besonders fasziniere.

Bevor die Einzelteile des Schiffes ihre Reise in die Schweiz antreten konnten, musste auch noch das obere Deck des Schiffes mit dem Führerstand für den Kapitän errichtet werden.

Das Oberdeck des neuen Schiffes.
Das Oberdeck des neuen Schiffes. (Bild: SNG)
 
Nach rund zehn Monaten Bauzeit machte sich im vergangenen September ein gewaltiger Transporttross auf den Weg in Richtung Schweiz. «Das war keine leichte Aufgabe», erinnert sich Medici. Aufgrund mehrerer grösserer Baustellen in Deutschland, welche aufgrund der Breite des Schiffes nicht passierbar waren, habe man das Schiff von Köln bis nach Basel auf dem Wasserweg auf dem Rhein durch einen Schubverband transportiert. Dazu musste das Schiff erstmals zusammenmontiert werden.

Vor Luzern wurde es am schwierigsten

Eine Heidenbüez – gerade wenn man bedenkt, dass das Schiff kaum in der Schweiz angekommen, wieder demontiert werden musste. Nach der Ankunft in Rheinfelden wurde das Schiff auf insgesamt drei Schwertransport-Lastwagen verladen. So ging es via Autobahn bis nach Stansstad. Für den Transport der drei Teile von Rheinfelden nach Stansstad benötigte der Konvoi über zwei Nächte – und sorgte dabei für einigen Rückstau auf den Strassen.

Die Einzelteile des Schiffs wurden auf Schwertransporter verladen.
Die Einzelteile des Schiffs wurden auf Schwertransporter verladen. (Bild: SNG)

Präzisionsarbeit auf der Autobahn

Kurz vor dem Ziel – unmittelbar vor Luzern – warteten die beiden grössten Herausforderungen auf das Transportteam. Gleich zweimal passierte der Konvoi die Autobahn auf der Gegenfahrbahn. «Die Fahrspur war für den extrem breiten Schiffsrumpf einfach zu schmal», erklärt Medici.

Im Reussport- und Sonnenbergtunnel wurde es dann besonders eng – nur einige Zentimeter blieben seitlich an den Tunnelwänden übrig. Für diesen Streckenabschnitt wurden mehrere Stunden benötigt.

Um den Reussport- und den Sonnenbergtunnel zu durchqueren, war Präzisionsarbeit notwendig.
Um den Reussport- und den Sonnenbergtunnel zu durchqueren, war Präzisionsarbeit notwendig. (Bild: SNG)

Eine der grössten Herausforderungen auf dem Weg nach Luzern war der Reussporttunnel.
Eine der grössten Herausforderungen auf dem Weg nach Luzern war der Reussporttunnel. (Bild: SNG)

Als idealen Einwasserungsstandort für das neue Schiff hat sich Stansstad erwiesen. «Dort liegt der See praktisch neben der Autobahn und die Ausfahrt weist bis zur gewählten Stelle praktisch keine Hindernisse auf», erklärt Medici.

Mittels 400-Tonnen-Lastkran in den Vierwaldstättersee

Im Anschluss an den Strassentransport wurde das Schiff Anfang des vergangenen Oktobers mittels 400-Tonnen-Lastkran ins Wasser gehoben und anschliessend zusammengebaut.

Mittels eines riesigen Krans wurde das Schiff bei Stansstad in den See gehoben.
Mittels eines riesigen Krans wurde das Schiff bei Stansstad in den See gehoben. (Bild: SNG)

Der Zusammenbau der einzelnen Schiffsteile fand zu Wasser statt (siehe Bildergalerie).
Nach und nach wurde das Schiff im Wasser zusammengebaut.
Nach und nach wurde das Schiff im Wasser zusammengebaut. (Bild: SNG)
 
Zwischenzeitlich hat sich das Projekt der SNG zu einem richtigen Schiff entwickelt, das schon bald für individuelle Firmen- oder Privatanlässe und Themenfahrten gebucht werden kann. Um den Gästen auf See ein besonderes Erlebnis bieten zu können, hat man sich bei der SNG auch schon früh mit dem Thema rund um das Aussen- sowie Innendesign beschäftigt.

Name bleibt bis zur Taufe geheim

«Das Schiff wird aussen mit ganz speziellen Designelementen gestaltet und einen ehrwürdigen Schiffsnamen tragen», so Medici. Mehr will der Präsident der SNG jedoch vor der Schiffstaufe am Donnerstag nicht verraten. Einzig, dass Olympia-Siegerin Dominique Gisin die Taufpatin des Schiffes wird, lässt er durchblicken.

Um einen Eindruck vom Inneren des Schiffes zu erhalten, muss sich die Öffentlichkeit noch bis zum Freitag gedulden. Während der Messe «Boot Luzern» vom 15. bis am 17. April hat man die Möglichkeit, das neue Fahrgastschiff zu besichtigen. Bis dahin muss man sich mit Visualisierungen begnügen (siehe Bild).

So soll der Innenraum in Richtung Bug aussehen.
So soll der Innenraum in Richtung Bug aussehen. (Bild: SNG)
 
Bodenhohe Fenster sorgen für eine Rundumsicht auf den Vierwaldstättersee und die Umgebung. «Im Innenbereich wird der Fokus auf eine moderne Farbgestaltung sowie spezielle Deko-Elemente mit indirekter Beleuchtung gelegt», sagt Medici und betont: «Wir sind stolz darauf, sämtliche Innenausbauten und die gesamte Technik mit örtlichen Unternehmungen realisiert zu haben.»

Fussbodenheizung auf See

Dabei wurde an Luxus nicht gespart: So wurden unter anderem eine Fussbodenheizung, Klimageräte für heisse Sommertage, öffnende Doppelglasscheiben wie bei einem Wintergarten, eine Küche für die Gastronomie inklusive Kühlanlagen und vieles mehr eingebaut. In Genuss dieser Extras werden am Donnerstag vorerst nur die geladenen Gäste kommen – dann legt das Schiff nämlich am Schwanenplatz zur Jungfernfahrt ab.

Am Donnerstag wird das neue Schiff getauft und begibt sich auf Jungfernfahrt.
Am Donnerstag wird das neue Schiff getauft und begibt sich auf Jungfernfahrt. (Bild: SNG)

Technische Daten

 Abmessungen: 26,00 × 8,00 Meter

 Gewicht: ca. 120 Tonnen

 Passagierzahl: 250

 Bankettplätze: 120 Personen im Hauptsalon

 Antrieb: 2 Elektromotoren, Wellenanlage

 Stromerzeugung: 2 Generatoren der Firma VolvoPenta 

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zentralplus wird an der Schiffstaufe vom Donnerstag dabei sein und in Bildern über den Anlass berichten – bis dahin finden Sie weitere Eindrücke des neuen Schiffs hier in unserer Bildergalerie:

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