«Das Lockdown-Date war eines der schönsten, das ich je hatte»
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Sieht so Dating zu Corona-Zeiten aus? Nicht immer, denn einige Singles gingen nicht auf Abstand. (Symbolbild: Maksim Šmeljov/Adobe Stock)

Wie Corona die Dates von Luzerner Singles verändert «Das Lockdown-Date war eines der schönsten, das ich je hatte»

4 min Lesezeit 22.11.2020, 17:02 Uhr

«Bleiben Sie zuhause. Reduzieren Sie soziale Kontakte auf ein Minimum …» Die Stimme Bersets ist omnipräsent. Tief verankert in unseren Köpfen. Doch: Wie ging das jetzt nochmals mit dem Dating? Wir haben uns unter Singles umgehört.

Ja, es sind spezielle Zeiten. Zeiten, in denen das Bundesamt für Gesundheit neuerdings sogar Dating-Tipps gibt: Es rät, vor einem One-Night-Stand zu duschen.

Wie Dating in Krisenzeiten geht, ist überall Thema. Ob beim Feierabendbier, beim Call mit Freunden oder bei der Joggingtour zu zweit.

Klar ist eines: Es wird mehr geswipped, geliked und gematcht. Dating-Plattformen wie Tinder und Bumble verzeichnen einen Boom. Der Grund liegt auf der Hand. Die Nachtclubs sind zu und auf offener Strasse wollen wir Fremden nicht zu nahe kommen. Flirten inmitten von Corona, mit Social Distancing und Masken ist gar nicht so einfach.

Wir haben drei Luzernerinnen gefragt, die davon ein Lied singen können.

Weniger Menschen kennengelernt

«Es war ein ruhiges Jahr, ich habe viel, viel weniger Männer gedatet als in normalen Jahren», meint etwa die 25-jährige Christina*. Sie geht gerne feiern, nicht selten trifft sie da potentielle Dating-Partner. Das fiel dieses Jahr grösstenteils weg. «Bei einem Spaziergang oder an der Kasse im Lebensmittelladen wird man ja wohl kaum von jemanden angesprochen.»

Wie ihre Kollegin Mia* hat auch sie dieses Jahr viel Zeit auf Dating-Plattformen verbracht. Beide haben auch Männer gedatet – wenn auch «bedachter» als sonst. Mia datete einen während des Lockdowns. Hatte sie nicht ein schlechtes Gewissen? «Schon ein wenig», gibt sie zu. Doch der Wunsch, einander endlich zu sehen, war stärker. Vor dem ersten Treffen hätten sich die beiden bereits wochenlang geschrieben.

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«Wir sind beide auch eher vernünftige Menschen, nehmen die Massnahmen ernst und waren auch etwas hilflos, wie ein Date mit Social Distancing verlaufen soll», meint Mia und lacht. «Ob wir uns durch die Scheibe mit dem Glas Wein zuprosten sollten, et cetera.» Darüber hätten die beiden vorab gesprochen. Auch, als sie im Zug sass und sie sich überlegte, wie sie einander begrüssen sollten. «Es kam dann zu einem Schuh-an-Schuh-Hallo.» Sie hätten sich an den See gesetzt, Wein getrunken und geredet. Bis sie dann zu ihm nach Hause gingen, kochten und gemeinsam assen.

«Das Lockdown-Date war eines der schönsten, das ich je hatte», sagt Mia. «Die Strassen waren leer, die Bars zu … Es gab nur ihn und mich, wie wir bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam redeten, von nichts und niemandem abgelenkt wurden.» Und so sei es dann auch in den frühen Morgenstunden mit dem Social Distancing passé gewesen.

Die Frage nach dem Corona-Buddy

Auch Christina hat während des Lockdowns und während Corona weiter gedatet – wenn auch weniger. Wie sie das Gegenüber begrüssen sollte, darüber machte sie sich wenig Gedanken. Es habe auch mal gleich zu Beginn drei Backenküsse gegeben. «So viel Gedanken habe ich mir darüber damals nicht gemacht. Allerdings war Corona damals bei uns auch noch viel ferner.»

Aber sie habe sich in den letzten Monaten auf ein, zwei Männer quasi beschränkt. Von einem «Corona-Buddy» – einem Dating- oder Sex-Partner, den sie während der Krise regelmässig traf – möchte sie aber nicht reden.

Zahlen aus Deutschland zeigen, dass sich jeder dritte Single darum bemüht hat, einen «Corona-Partner» zu finden. Im Lockdown habe es eine Art Monogamisierung gegeben, Singles haben ihr Sexleben reduziert (zentralplus berichtete).

Das erste Date: Ein Bier per Videocall

Andere gingen mit den Massnahmen gewissenhafter um. Wie die 28-jährige Elaya. Auch sie trieb sich Anfangs der Krise auf Datingplattformen herum. Ein Mann gefiel ihr besonders. Doch sie trafen sich nicht gleich direkt – sondern verabredeten sich auf ein Bier per Videocall. So fühlte sie sich aufgrund der geltenden Abstandsregeln wohler.

Und praktisch war es zugleich: Wenn sich das Gegenüber als Reinfall entpuppt hätte, hätte sie sich nicht aus dem Staub machen müssen, sondern den Laptop einfach zuklappen können. Auch lerne man sich so viel besser kennen als nur übers Schreiben. «Beim Schreiben finde ich es schwierig, zu merken, ob es passen könnte. Wenn man Stimme, Mimik und Gestik hört beziehungsweise sieht, spüre ich das viel eher heraus.» Auf virtuelle Bier-Dates würde sie auch nach Corona wieder setzen.

Mehr darüber, wie Corona unser Liebes- und Sexleben verändert hat, liest du hier:

*Christina, Mia und Elaya heissen eigentlich anders. Sie wollen anonym bleiben.

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