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Damit’s ab Montag wieder rollt: SBB eröffnen Materialschlacht
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Die Bergung des verunglückten Wagens gestaltete sich schwierig. (Bild: Facebook/ Andreas Meyer )

Zugunglück in Luzern: Schaden in Millionenhöhe Damit’s ab Montag wieder rollt: SBB eröffnen Materialschlacht

3 min Lesezeit 23.03.2017, 15:59 Uhr

Glücklicherweise wurde beim Zugunglück niemand schlimmer verletzt. Schaden nahm hingegen die Infrastruktur – der Bahnhof Luzern bleibt bis Sonntag lahmgelegt. Nun wollen die SBB im 24-Stunden-Betrieb alles wieder reparieren. 400 Meter neue Gleise, 4 ersetzte Weichen und 200 Tonnen Schotter kommen zum Einsatz. Die genaue Unfallursache bleibt dagegen weiter unbekannt.

Der verunglückte Zug unter der Langensandbrücke steht wieder auf den Gleisen. Nun werden die Folgen sichtbar. Nach ersten Einschätzungen ist ein Schaden in Millionenhöhe entstanden, teilen die SBB mit.

Der Bahnhof Luzern bleibt bis Sonntag geschlossen – vollständig befahrbar ist er wohl erst ab Betriebsbeginn am Montagmorgen. An der Fahrleitung, den Gleisanlagen und Kabelkanälen entstanden weitaus grössere Schaden als bisher angenommen, dies hat SBB-Verkehrschef Toni Häne im Tagesgespräch mit «Radio SRF» erklärt.

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Bergung unter Brücke gestaltet sich schwierig

«Die Bergung des entgleisten Wagens war eine grosse Herausforderung, weil sich dieser unter der Langensandbrücke befand», erklärte Häne. Der Wagen wiege rund 60 Tonnen. «Mit einem Schienenkran und einem Pneukran hat man den Wagen hervorgeholt.» Das Ganze ging diesen Donnerstagmorgen über die Bühne (zentralplus berichtete).

Mit einem Kran wurde der entgleiste Wagen gehoben.

Mit einem Kran wurde der entgleiste Wagen gehoben.

(Bild: pze)

Die daraufhin ausgeführten Analysen des Gleisbetts, der Kabelkanäle sowie der Fahrleitungen an der Havariestelle haben massive Schäden zu Tage gebracht. Damit die umfangreichen Arbeiten an der beengten Stelle schneller ausgeführt werden können, hat sich die SBB für eine Vollsperre entschieden. «So ist auch die Sicherheit der Arbeiter gewährleistet», sagt Häne. Gearbeitet wird nun im 24-Stunden-Betrieb.

Die SBB rechnet damit, dass bis Montagmorgen aufgrund der Instandsetzungsarbeiten

  • 400 Meter Gleis neu verbaut,
  • vier Weichen komplett ersetzt,
  • zwei Weichen teilumgebaut,
  • 150 bis 200 Tonnen Schotter bewegt und
  • zwei Fahrleitungsmasten und ein -joch über mehrere Gleise ersetzt werden müssen.

Häne erklärte, dass die SBB gegen den Schaden versichert seien.

Notfallkonzept liegt in Schublade bereit

Spannend auch die Ausführungen des SBB-Verkehrschefs, wie er den Donnerstag erlebte. Bereits wenige Minuten nach dem Zwischenfall wurde er telefonisch informiert. Danach sei alles sehr schnell gegangen. «Wir haben Notfallkonzepte in der Schublade – Konzept Lucerna in diesem Fall.» Man könne sich strikt an diese halten, die Prozesse sind eingespielt und werden auch ständig überarbeitet.

Vor Ort kümmerte man sich als Erstes um die Passagiere des verunfallten Zuges. Weil die Fahrleitungen beschädigt waren und diese unter Strom stehen, mussten die Passagiere über eine Stunde im Zug warten. «Schon früh haben wir erste Daumen-hoch-Zeichen wahrgenommen», erzählt Häne. Via Smartphone posteten die Passagiere auch Bilder aus dem Zug – diesen Informationskanal nutzten auch die SBB. «Das Zugpersonal und die ersten Rettungskräfte haben sich danach ein Bild im Zug gemacht und die Lage analysiert.» Alles habe sehr gut geklappt. «Kompliment an die Notfalldienste. Diese waren schnell und zahlreich vor Ort.»

SBB-Verkehrschef Toni Häne stand am Donnerstagabend auch den Medienschaffenden in Luzern Red und Antwort.

SBB-Verkehrschef Toni Häne stand am Donnerstagabend auch den Medienschaffenden in Luzern Red und Antwort.

(Bild: gwa)

«Gigantische Abläufe»

Doch nicht nur der verunfallte Zug benötigte diesen Mittwoch Aufmerksamkeit, schliesslich ging gar nichts mehr. «Gestern war schnell klar, dass es sich um ein grosses Ereignis handelt, weil mehrere Gleise blockiert waren», sagt Häne. Im Konzept sei das allerdings alles genau geregelt. «Das sind gigantische Abläufe», erklärt Häne. Er nennt Beispiele wie die geänderten Dienstpläne von Lokführern und SBB-Personal, das Aufbieten der Bahnersatzbusse oder die Abläufe betreffend Kundeninformationen.

Nach wie vor völlig offen ist die Unfallursache. Diese wird untersucht durch die unabhängige Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (Sust), die Luzerner Behörden sowie Experten der SBB. Man werde die betroffenen Wagen ins «Gleis 7» verschieben, wo sie der Sust zur Verfügung stehen, so Häne. «Das steht momentan allerdings auch nicht im Vordergrund», sagt er. Ziel sei es, die Anlagen schnell zu reparieren und den Betrieb ab Montag wieder zu gewährleisten. Von sich weist Häne Vorwürfe, wonach der Unterhalt der Infrastruktur schuld am Unglück sein könnte. Er sagt: «Es gibt keine Kompromisse bei der Sicherheit.»

 

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