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Rundtour auf den höchsten Zuger Gipfel
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Noch sind im Schatten des Wildspitz einige Schneefelder zu sehen. (Bild: hch)

Von Sattel auf den Wildspitz Rundtour auf den höchsten Zuger Gipfel

5 min Lesezeit 2 Kommentare 24.04.2020, 10:57 Uhr
  • 800 m
  • 800 m
  • 14km
  • Dauer:
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  • Technik:
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Viele Wege führen nach Rom – und ebenso auf den 1580 Meter hohen Wildspitz. Während Zuger bevorzugt die Route übers Alpli nutzen, haben wir uns für diese frühlingshafte Besteigung einen Rundweg von Sattel aus vorgenommen. Ganz billig ist der höchste Berg des Kantons Zug aber auch auf dieser Route nicht zu schaffen.

Die Frage, ob man zu Corona-Zeiten wandern gehen darf oder sich zuhause einigeln soll, wird kontrovers diskutiert. Und hat den Vorzeigewanderer von SRF, Nik Hartmann, zu einer nicht sehr smarten Beschimpfung bewogen (zentralplus berichtete). Doch dazu später mehr.

An diesem Wochenende jedenfalls scheint der Drang nach Bewegung und frischer Luft bei vielen Zentralschweizern gross gewesen zu sein. Dies zeigt sich schon beim Start unserer Tour, am Bahnhof Sattel. Oder Sattel-Aegeri, wie die Haltestelle der Südostbahn aus unerfindlichen Gründen korrekt heisst, auch wenn es von hier bis Oberägeri noch einmal acht Kilometer sind. Zahlreiche Paare und Familien machen sich auf die gut markierte Strecke quer durch ein Wohnquartier und vorbei an blühenden Chriesibäumen.

Schweisstreibender Anstieg zur Halsegg

Schon bald kommen die Wanderstöcke zum Einsatz, denn bis zum Zwischenhalt auf der 1340 Meter über Meer gelegenen Halsegg gilt es nun, 560 Höhenmeter hinter sich zu bringen. Dies erfolgt zum Teil über Treppenstufen und manchmal die Strasse querend, aber nicht ganz so steil wie auf der Zuger Seite. Während das Restaurant auf der Halsegg geschlossen bleiben muss, überrascht der geöffnete Kiosk mit hausgemachten Nuss- und Mandelgipfeln sowie Fruchtkuchen – die es sich ganz gemütlich und mit Sicht auf die Mythen geniessen lässt. Im Anschluss an den schweisstreibenden Anstieg eine durchaus verdiente Belohnung.

Nach der Überquerung eines Schneefeldes und einem kurzen Zwischenanstieg geht es ganz gemütlich in Richtung Wildspitz, dem höchsten der drei Rossberg-Gipfel. Dieser Teil mit einem schönen Stück auf dem Gratweg und die grosse Feuerstelle Gruebi-Langmatt hat uns am besten gefallen. Wer im Rucksack noch eine Wurst findet, ist hier, 20 Minuten vor dem Wildspitz-Gipfel, perfekt bedient.

200 «Tuble» auf dem Wildspitz?

Wir machen uns stattdessen weiter an endlosen Feldern mit weissen Krokussen vorbei auf in Richtung des höchsten Punktes im Kanton Zug – wo wir eine gänzlich unerwartete Situation antreffen. Gegen 200 Personen sitzen in kleinen Grüppchen von höchstens fünf Personen auf dem Gipfel verstreut und geniessen friedlich die Sonne, ein munteres Sprachengemisch erfüllt die Luft.

Hier, in Sichtweite von Unterägeri, wo Nik Hartmann wohl gerade im Garten seines Häuschens sitzt, frage ich mich: Meinte er das wirklich ernst, als er Wanderer als «Tuble» bezeichnete, oder sah er die bundesratsfreundliche Haltung der SRF einfach etwas gar eng?

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Die Frage ist sicherlich erlaubt, ob man in Corona-Zeiten wandern gehen soll. Angesichts leerer Spitäler und der Massen, die sich an diesem Wochenende aufmachten, um den Wildspitz per pedes oder auf dem Bike zu erreichen, scheint die Antwort von einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung aber ebenso klar zu sein. Und auch die Alpbeizen, die geschäftstüchtig ein durchaus ansprechendes Take-away-Angebot hochgefahren haben, leisten ihren Beitrag zu einem kleinen Teil Normalität.

Abstieg zieht sich

Im Anschluss an einen verdienten Mittagsschlaf an der wärmenden Sonne geht es auf den Abstieg. Nach 500 Metern auf der Fahrstrasse zweigt der Wanderweg auf eine wenig bekannte Route quer übers Feld ab, die vielen Biker lässt man hier zurück. Unterwegs gäbe es noch die Möglichkeit der Einkehr in der Alpwirtschaft Gehren, wo zu normalen Zeiten «Hindärsi Magronä» (Älplermagronen nach Schwyzer Art) und Käseschnitten auf der Karte stehen. Wir ersparen uns den Umweg und gehen direkt weiter zur Obhägkapelle, eine ungewöhnlich aussehende Fatimakapelle aus dem Jahr 1946.

Nach einem kurzen Stück auf der Strasse zweigt der Weg in den Wald ab, wo es durch Felsbrocken und ein Tobel geht. Das nahe gelegene Bergsturzgebiet lässt sich hier fast schon fühlen. Zweimal bin ich hier falsch abgezweigt, der gut gesicherte Weg ist nicht nur etwas ruppig, sondern auch nicht immer gleich gut erkennbar.

Abwechselnd über Schotter- und Asphaltstrassen zieht sich der Weg nun noch eine knappe Stunde zurück nach Sattel. Höhepunkt des Wegstücks ist der Lama-Hof, auf dem mehr Lamas zu sehen sind als auf manchem Lateinamerika-Trip.

Länge: 14 km
Wanderzeit: 4,5 bis 5 Stunden reine Gehzeit
Auf-/Abstieg: 800 m
Route: Bahnhof Sattel-Aegeri (771 m)–Eigenstall (1102 m)–Halsegg (1340 m) –Wildspitz (1580 m)–Obhägkapelle (1218 m)–Lutzi (1019m)–Ober Seilegg (843 m)–Sattel
Anfahrt: Mit ÖV über Arth-Goldau (Südostbahn), mit dem Auto bis Sattel.
Karte: Kanton Zug. Wander- und Velokarte, 1:25’000

Die Rundwanderung Sattel–Wildspitz führt zur Hälfte über den Schwyzer Höhenweg 63 (Screenshot map.wanderland.ch)

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