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Der schnelle, aber nicht ganz ungefährliche Weg auf den Wildspitz
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Top of Zug: Wegweiser vor dem Bergrestaurant Wildspitz. (Bild: hch)

Auf dem Gratweg über Beichli und Gnipen Der schnelle, aber nicht ganz ungefährliche Weg auf den Wildspitz

5 min Lesezeit 15.10.2020, 10:55 Uhr
  • 680 m
  • 680 m
  • 11,5km
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Oft hört man dieses Jahr von Zugern, dass sie eben erst auf dem Wildspitz waren. Der höchsten Zuger Gipfel wird immer mehr auch von Personen bestiegen, denen man dies kaum zugetraut hätte. Unter den zahlreichen Wegen gibt es aber auch Routen, die man Wanderanfängern nicht empfehlen möchte. Eine davon haben wir gewählt.

Nachdem wir im Frühjahr den Weg von Sattel aus gewählt hatten (zentralplus berichtete), sollte es diesmal der Klassiker übers Alpli sein. Der Start erfolgt beim Buschenchäppeli, der Jahreszeit entsprechend ist die Kapelle in lockere Nebelschwaden gehüllt. Doch bereits nach wenigen Metern auf der Fahrstrasse leuchtet im Wald die Sonne durch die Nadelbäume. Chilebildliwätter würde ein Bekannter dazu sagen.

Nach rund 20 Minuten auf der leicht ansteigenden Waldstrasse geht es beim Grossmattstollen rechts in Richtung Alpli, nun auf einem sehr schönen Waldweg. Es folgt ein kurzer Abstieg und danach geht es noch kurz weiter auf der Fahrstrasse bis zum Langmösli. Nicht wenige Wanderer haben es an diesem Sonntag vorgezogen, mit dem Wagen von Walchwil kommend bis zu diesem Kiesplatz zu fahren.

Nach dem Nebel ein willkommener Anblick: Sonnenstrahlen nach dem Buschechäppeli.

Wenig begangener Weg

Vom Langmösli jedoch geht es für alle zu Fuss durch den Wald, der etwas rutschige Weg steigt hier zunehmend an. Nach 50 Höhenmetern teilt sich der Weg bei der Heumoosegg. Die Variante übers Alpli sparen wir uns für den Rückweg auf, hoffend auf ein Stück Kuchen auf dem Abstieg.

Stattdessen geht es für uns schnurgerade den Hang hoch. Erinnerungen an eine Kindheitswanderung werden wach, als wir mehr rutschend als wandernd über Schneefelder zum Gipfel hochstapften. Einfach ist der Weg auch diesmal nicht, und je länger er dauert, desto steiler geht es in Richtung Gnipen. Immer wieder gibt der Wald auf beiden Seiten schöne Aussichten frei, man spürt kaum, dass es auf einem Grat hochgeht. Vor Unter Beichli machen laute Kuhglocken auf das 200 Meter tiefer liegende Apli aufmerksam, zu dem man hier absteigen könnte.

Fast schon eine alpine Route

Wir bleiben stattdessen auf dem Weg, auf dem es nun recht hohe Wurzeln und ausgesetzte Stellen zu nehmen gilt. Dieser Abschnitt bis zum 150 Meter höher liegenden Ober Beichli erfordert viel Konzentration. Besonders ein unpräparierter Abschnitt durch ein meterhohes Gneisstück ist für Kinder und Hunde kaum mehr passierbar und hätte eher eine weiss-blau-weisse Wegmarkierung verdient. Auch wir sind beim Klettern dankbar, dass wir den Weg in dieser Richtung nehmen und hier nicht absteigen müssen. Als Entschädigung für die Kraxlerei lässt sich ein einsamer Steinpilz finden.

Blick zurück auf die Kraxelpartie durch den Gneis.

Wenige Minuten darauf erwartet uns noch einmal ein ähnlicher Abschnitt, der diesmal immerhin mit Metallsprossen und einem Stahlseil gesichert ist. Bergsteigerqualitäten sind aber auch hier nicht ganz fehl am Platz.

Nach zwei Stunden Anstieg haben wir den abenteuerlichen Teil der Wanderung geschafft und erreichen über eine schöne Alpwiese unseren Rastplatz auf dem Gniepen mit schöner Aussicht über das Goldauer Bergsturzgebiet auf die umliegenden Gipfel und die Rigi.

Über die Wandererautobahn gehts zurück

Von hier könnte man nun einige Minuten zurück zum Ober Beichli und über das Ober Alpli absteigen. Wir entscheiden uns stattdessen, über den Wildspitz abzusteigen, wo uns ein feiner Geruch nach Schüblig und Kartoffelsalat erwartet. Vom höchsten Punkt der Wanderung geht es gleich wieder steil bergab, nun aber über bestens präparierte Treppenstufen und viel Wurzelwerk. Welch ein Kontrast diese breite Wanderautobahn zum Aufstieg bietet!

Der Run auf das Zuger Alpli ist am späten Sonntag Nachmittag vorbei.

Beim Abzweiger Alplihorn folgen wir dem Weg Richtung Alpli. Zwar würde die Option über den Leiterweg durchaus reizen. Für heute sind wir jedoch genug geklettert, ausserdem würde uns dieser Weg oben am Alpli vorbeiführen. Umso grösser dann die Ernüchterung, als wir erfahren, dass wir zu spät gekommen sind und die auf Stadtzuger Boden gelegene Beiz an diesem Sonntag weitgehend ausverkauft ist.

Alternative mit Bus und Bergbahn

Nach einem kurzen Wegstück auf der Alpstrasse zweigt der Weg ab in den Wald und bringt uns nach einer knappen halben Stunde zurück zum Langmösli. Von hier gilt es demselben Weg zurück zum Buschenchäppeli zu folgen. Wer mit dem ÖV anreist, kann von hier aus dem sehr schönen Zugerberg-Rundweg bis zur Bergstation der Standseilbahn folgen, was die Dauer der Wanderung auf insgesamt sechs Stunden verlängert.

Grundsätzlich eine abwechslungsreiche Variante auf den Wildspitz, die aber nur für erfahrene Wanderer und nur bei trockenen Verhältnisse zu empfehlen ist. Eine Hinweistafel beim Einstieg wäre sicherlich nicht falsch.

Wegpunkte: Buschenchäppeli 1020 – Langmösli 1075 – Hagegg 1250 – Unter Beichli 1394 – Ober Beichli 1540 – Gnipen 1566 – Wildspitz 1579 – Alplihorn 1391 – Alpli 1156 – Langmösli – Buschenchäppeli
Höhenmeter: Auf- und abwärts je 680 Meter
Länge: 11,5 Kilometer
Zeitbedarf: 4 Stunden ab Buschechappeli, 6 Stunden ab Bergstation Zugerberg
Technik: Bergwanderweg T2 / Alpine Route T3
Anfahrt: Via Walchwil / Walchwilerberg oder mit ZVB / ZBB

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