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Krafttraining mit Zucker und Mehl im Rucksack
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Einen ganzen Fussballplatz zum Training zur Verfügung zu haben, macht auf die Dauer keinen Spass. (Bild: Sabrina Amrein)

Krise erfordert Kreativität – und fördert Athletik Krafttraining mit Zucker und Mehl im Rucksack

4 min Lesezeit 28.04.2020, 10:55 Uhr

Die Luzerner Handballerin Sabrina Amrein trainiert hart und kann dabei auch das eine oder andere Defizit abbauen. Doch nach dem zehnten Fahrradtraining und der dreissigsten individuellen Kraftübung wächst der Wunsch nach den Trainings mit ihrem Klub, den Spono Eagles.

Statt der Handballschuhe binde ich mir seit fünf Wochen die Laufschuhe. Das Wetter spielt ja zum Glück mit und erlaubt mir, die täglichen Einheiten an der frischen Luft durchzuführen. Für die zwei wöchentlichen Athletikeinheiten benutze ich den vereinsamten Fussballplatz gleich auf der anderen Strassenseite.

Für die drei Ausdauereinheiten renne ich durch den nahgelegenen Wald oder mache eine kleine Biketour irgendwo rund um den Sempachersee. Zusätzlich nehme ich zwei, drei Mal wöchentlich an einem virtuellen Training teil. Diese sind manchmal echt gut und bringen willkommene Abwechslung.

Wöchentlicher Trainingsplan per E-Mail

Zum Beispiel teilt auch der Athletiktrainer des Schweizer Frauennationalteams und des deutschen Meisters von 2019 regelmässig ein Training auf seinem Instagram-Account. Nicht dass mir mein Trainingsplan sonst langweilig werden könnte. Unsere Athletiktrainerin der Spono Eagles hat immer wieder neue Ideen, wie sie uns den Hügel hinauf oder sonst wohin jagen kann, und schickt uns zuverlässig jeden Sonntagabend einen aktualisierten Trainingsplan für die nächste Woche.

Individualtraining mit dem dem Velo. (Bild: Sabrina Amrein)

Kreativität ist gefragt

Das Krafttraining erfordert gerade etwas Kreativität, vor allem für die Sportler wie mich, die keinen Kraftraum im eigenen Keller haben. Anstatt mit Langhanteln mache ich meine Kniebeugen mit einem Rucksack, gefüllt mit Zucker und Mehl. Anfangs war ich etwas skeptisch, ob das überhaupt etwas nützt.

Mittlerweile hatte ich aber schon den einen oder anderen Muskelkater nach einem Training sogar ganz ohne Zusatzgewicht. Die Übungsausführung ist generell etwas langsamer, bewusster und beinhaltet mehr Wiederholungen.

Als Bodenmarkierungen für Sprints und Seitwärtsbewegungen müssen Flaschendeckel, Mützen, Handschuhe oder was ich halt sonst gerade so finde herhalten.

Harte Arbeit an der Athletik

Die aktuelle Situation eröffnet auch unerwartete Chancen. Zum einen haben wir alle die Möglichkeit, kleinere und grössere Blessuren auszukurieren und dann, irgendwann, super erholt in die neue Meisterschaft zu starten. Zum anderen habe ich so viel Zeit wie noch nie, um an meinen athletischen Defiziten zu arbeiten.

Jede Spielerin und jedes Team kann jetzt im athletischen Bereich einen entscheidenden Schritt vorwärts machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Athletik in der nächsten Saison in der ganzen Liga höher sein wird als bisher. An der Technik zu arbeiten, ist im Moment sicher schwierig; dass sechzehn Nasen zusammen in einer Halle trainieren, ist zurzeit undenkbar.

Aus der Turnhalle wurde ein Notspital

Hinzu kommt, dass unsere Heimhalle im Schweizer Paraplegiker-Zentrum mit hunderten von Betten zu einer Corona-Notstation aufgerüstet wurde (zentralplus berichtete). Wann ich das nächste Mal einen geharzten Handball in den Händen halten kann, steht noch in den Sternen. Ab und zu kann ich meine Schwester dazu überreden, mit mir einige Bälle – natürlich ungeharzt, damit nicht der ganze Dreck daran kleben bleibt – zu spielen, sonst spiele ich gegen eine Wand.

Vielleicht werde ich in nächster Zeit, falls mir mein Sport zu sehr fehlt, mal ein paar Bälle auf das Fussballtor werfen. Dann bin ich aber froh, wenn mir niemand dabei zusieht. Die ersten Würfe nach langer Pause sind immer etwas tollpatschig …

Viel gebacken, gekocht und gegessen

Die Bewegung fehlt mir zwar nicht, aber irgendwann beginnen mir als Mannschaftssportlerin dennoch die gemeinsamen Einheiten mit dem Team zu fehlen. Während der ersten zwei Wochen war ich noch froh, etwas Ruhe vor all den Köpfen zu haben, die ich sonst täglich sehe.

Mittlerweile vermisse ich sie alle. Motivation und Spassfaktor sind niemals dieselben bei einem Training ohne mein Team. Lieber eine Laufeinheit mit dem ganzen Team als alleine. Immerhin, ganz alleine bin ich zum Glück nicht. Meine Schwester ist meine treue Trainingspartnerin.

Bis letzte Woche war es still in unserem Mannschaftschat. Seither haben wir uns auf den neuesten Stand gebracht. Wer nicht arbeiten kann oder muss, hat Zeit für Dinge, die sonst zu kurz kommen. Es wird viel gebacken, gekocht und gegessen. Für mich geht, wie für die meisten, die Uni virtuell weiter.

Trotzdem bleibt mir viel mehr Zeit als zuvor, darum habe ich ein paar kreative Projekte geplant. Projekte, für die ich nach Corona wieder keine Zeit habe. Es hat also auch was Gutes …

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