Sportler-RS: Wenn der Start anders verläuft als erhofft
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Die ersten Tage in der Sportler-RS für Selina Witschonke. (Bild: zvg)

Quarantäne im Einzelzimmer statt Training Sportler-RS: Wenn der Start anders verläuft als erhofft

6 min Lesezeit 01.12.2020, 11:01 Uhr

Die Luzerner Curlerin Selina Witschonke hat in diesen Tagen mit der Sportler-RS begonnen. Den Start hätte sie sich jedoch anders gewünscht. Nach kurzer Zeit mit militärischen Grundlagen wie Achtungsstellungen erlebte die Luzernerin die nächste Zeit im Einzelzimmer.

Am 26. Oktober 2020 war es endlich so weit: Der erste Tag der Spitzensport-RS war endlich gekommen und das lange Warten hatte ein Ende.

Der erste Tag

Kurz nach neun Uhr kamen meine Teamkolleginnen und ich beim Treffpunkt an. Die wenigen Militärleute, die dort warteten, gaben uns die ersten Anweisungen und wir mussten ein paar persönliche Angaben machen. Danach konnten wir in die Aula weitergehen.

Da wir noch etwas zu früh dran waren, begannen wir mit dem Lesen der Broschüren und Hefte, während sich die Aula immer mehr mit anderen Sportlern füllte. Der erste Eindruck der vielen Sportler war sehr spannend und man fragte sich bei jedem, was sie oder er wohl für eine Sportart ausübte.

Um zehn Uhr waren alle Sportler eingetroffen und die Spitzensport-RS hatte offiziell begonnen. Als Erstes mussten wir alle aufstehen und lernen, wie man richtig in «Ruhn» und «Achtung» steht. Es war bereits sehr eindrücklich zu sehen, wie diszipliniert hier alles ablief.

Viele Informationen

Nach den ersten militärischen Ausbildungen erhielten wir den ganzen Morgen über viele Informationen. Grundsätzliche Dinge zum Ablauf der Rekrutenschule, Informationen zum Coronavirus und einige andere Dinge wurden uns erläutert.

Nach dem Morgenblock konnten wir alle zusammen zum Mittagessen gehen. Dabei hatten wir die Gelegenheit, uns das erste Mal so richtig mit den anderen Sportlern auszutauschen und sie kennenzulernen. Nach nur einer Stunde Mittagspause wusste ich, dass ich mich sowohl in Magglingen als auch in der Gruppe sehr wohlfühlen werde.

Am Nachmittag ging es dann im gleichen Stil weiter wie am Morgen. Wir erhielten viele verschiedene Informationen, wie zum Beispiel auch bezüglich des Fahrens – hier mussten wir auch einen Fahrertest absolvieren. Wir wurden auch über die verschieden Grade aufgeklärt und darüber, wie man sich richtig an- und abmeldet, wenn man etwas sagen möchte.

Durch die vielen Informationen und Eindrücke war ich bereits nach dem ersten Tag total müde.

Das habe in den weiteren Tagen noch so erlebt

Am Dienstagmorgen gingen wir nach der Antrittsverlesung und dem Frühstück nach Wangen an der Aare, wo wir das Material fassten. Das erste Mal alle im Tenue B zu sehen liess mich definitiv im Militär ankommen. Nach dem Mittagessen war dann der medizinische Teil dran; zuerst stand der Covid-Test auf dem Programm. Ich muss ehrlich sagen, dass ich ziemlich nervös war.

Einerseits den Test zu machen, da es wahrscheinlich sehr unangenehm sein würde und andererseits, weil der Test positiv ausfallen könnte und es somit Konsequenzen haben würde. Nach dem Covid-Test konnten wir uns dann noch impfen lassen. Den ganzen Tag über absolvierten wir immer wieder Teile der militärischen Ausbildung wie Zugschule, lernen der Grade und Üben des An- und Abmeldens.

Erstes Training

Am Mittwoch konnten wir das «Tenue Sport» in Biel fassen. Während die Kameraden dieses fassten, wurden wieder die Grade wie auch das An- und Abmelden geübt. Immer und immer wieder. Es musste einfach sitzen.

Als wir alle mit dem «Tenue Sport» ausgerüstet waren und wieder zurück in Magglingen waren, hatten wir einen Fototermin. Sowohl im «Tenue B» wie auch im «Tenue Sport». Am Nachmittag hatten wir das erste Mal Zeit um zu trainieren. Ein 90-minütiges Eistraining stand auf dem Programm.

Ich muss sagen, dass ich die müden Beine aufgrund der vergangen Tage gespürt habe und es folglich wirklich nicht mein bestes Training gewesen ist. Es hat jedoch gutgetan, wieder auf dem Eis zu stehen und es werden noch viele Stunden an Eistraining folgen.

Der Tag, welcher anders verlaufen ist als gedacht

Der Donnerstag startete wie geplant. Die Antrittsverlesung am Morgen früh, danach Frühstücken und daraufhin haben sich die Frauen auf den Weg nach Thun gemacht, um das «Tenue A» zu fassen. Wir wurden in kleinere Gruppen eingeteilt, da aufgrund von Corona nur eine beschränkte Anzahl an Personen gleichzeitig im Raum sein durfte.

Als die erste Gruppe mit dem Fassen des Tenues beschäftigt war, warteten die anderen beiden Gruppen – sowie auch ich – mit Abstand und Maske und ständigem Händedesinfizieren, bis man an der Reihe war.

Nach nur wenigen Minuten kam die eine Teamkollegin, welche in der ersten Gruppe war, zügig um die Ecke und sagte: «Selina, Elena wir müssen raus, schnell.»

Positiver Coronafall

Ich war zuerst geschockt und etwas verwirrt. Während ich meine Sachen packte, fiel mir ein, dass die Covid-Testresultate heute herauskommen würden. Ich war mir fast sicher, dass es etwas mit dem zu tun hatte.

Nervös verliessen wir den Raum und trafen draussen auf den Hauptfeldweibel, welcher uns dann mitteilte, dass eine von uns dreien positiv getestet wurde. Da wir zu dritt ein Zimmer teilten, bedeutete dies, dass alle drei für mindestens zehn Tage in einem Einzelzimmer in Quarantäne mussten.

Als ich alle meine Sachen aus dem Dreierzimmer geräumt hatte, wurde ich in ein Einzelzimmer gebracht, welches ich nun für zehn Tage nicht mehr verlassen durfte. Anstatt fünf Tage Ausbildung und Training, ein Wochenende zu Hause und nochmals fünf Tage Ausbildung hiess es: drei Tage Ausbildung und zehn Tage Quarantäne.

Das Leben in der Quarantäne in Magglingen

Da wir das Zimmer nicht verlassen durften, mussten wir Folgendes regeln. Wie kommen wir zu den Mahlzeiten? Was machen wir den ganzen Tag lang? Da wir zum Glück eine tolle Gruppe haben, war das Organisieren der Mahlzeiten einfach und man konnte sich auf die Kameraden verlassen.

Ich war sehr froh, dass der Service so reibungslos funktioniert hatte, doch gleichzeitig hatte ich ein schlechtes Gewissen, da mir das Essen jeden Tag dreimal ins Zimmer gebracht werden musste. Aber es gab eben keine andere Möglichkeit, Hauptsache, die anderen Sportler blieben gesund.

Mir war klar, dass ich nicht zehn Tage nur schlafen, TV schauen oder am Handy sein mochte. Ich wollte ein tägliches Programm haben, welches aber nicht ganz einfach zu planen war, wenn man in einem Zimmer bleiben musste und dies alleine. Zum Glück konnte unser Trainer uns den Wunsch, zu trainieren, erfüllen. Trainingsgeräte, wie ein Spinningvelo oder ein Ruderergometer, konnte er auftreiben, sowie auch kleinere Sachen, wie Medizinbälle, Sypoba und einiges anderes.

Trainieren in Quarantäne

Täglich zwei Trainings per Zoom mit dem Trainer verkürzten den Tag schon deutlich und man machte wenigstens etwas Sinnvolles. Ich bin meinem Trainer sehr dankbar, dass er dies so hat organisieren können.

Nach fünf Tagen Quarantäne durfte ich das erste Mal das Zimmer verlassen, da wir einen zweiten Coronatest machen mussten. Ich war überglücklich, dass er erneut negativ war und ich somit «nur» die zehntägige Quarantäne machen musste und nicht, falls er positiv gewesen wäre, erneut zehn Tage Quarantäne anhängen musste.

Zehn Tage lang frühstücken, trainieren, zu Mittag essen, trainieren, zu Abend essen und zwischendurch TV schauen, telefonieren oder Mails und Blogs schreiben.

Zurück aufs Eis

Für eine Quarantäne konnte ich mich wirklich nicht beklagen. Dennoch war ich etwas traurig, dass ich alleine war und die militärischen Ausbildungen, welche eine einmalige Erfahrung gewesen wären, verpasste. Die Gesundheit geht aber natürlich vor!

Für mich war es das Wichtigste, dass meine Teamkollegin, welche positiv getestet worden war, so schnell wie möglich gesund würde! Ich habe das Beste aus diesen zehn Tagen gemacht und habe mich sehr gefreut, als ich wieder mit den anderen Sportlern den Tag absolvieren und wieder auf dem Eis trainieren konnte.

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