Stadtoasen werden das Blech nicht los
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Versiegelter und zugeparkter Innenhof. (Bild: cim)

Was von der Diskussion um Luzerner Innenhöfe blieb Stadtoasen werden das Blech nicht los

3 min Lesezeit 1 Kommentar 30.09.2020, 11:01 Uhr

Vor vier Jahren wurde einiges über die Luzerner Innenhöfe geschrieben und es wurden Veranstaltungen organisiert. Das Thema scheint von der Oberfläche verschwunden zu sein. Was ist davon geblieben?

Innenhöfe von Blockrandbebauungen haben einen speziellen Charme und werden sehr unterschiedlich ausgestaltet und genutzt (zentralplus berichtete). Sie bieten ein bemerkenswertes Potenzial: geselliger Treffpunkt, Naturerlebnisse vor der Haustür, Spielplatz, Rückzugsort und günstige Beeinflussung des Stadtklimas. Leider wird das nach wie vor zu wenig umgesetzt, nicht zuletzt aus politischen Gründen.

Innerschweizer Heimatschutz wurde aktiv

Der Verein lancierte 2016 ein Innenhofprojekt (zentralplus berichtete). Die Idee war es, die Aufwertung dieser Stadtoasen zu fördern, da viele Innenhöfe trist und wenig einladend waren. Im Rahmen dieses Projektes wurde eine Website mit ausführlichen Informationen geschaffen. Das Ziel ist, dass diese Plattform als Arbeitstool von Interessierten genutzt wird und sich ständig weiterentwickelt.

Nach Aussage von Marco Füchslin, Geschäftsstellenleiter des Innerschweizer Heimatschutzes, wurde dieses Ziel bisher nicht erreicht. Das Thema ist zwar für die Organisation nicht vergessen, doch zurzeit seien andere Aktivitäten vordringlicher. Geplant sei allerdings, dass in etwa zwei Jahren der Faden wieder aufgenommen wird. In welcher Form dies geschieht, ist noch nicht spruchreif.

Grosser Charme des Innenhofes an der Münzgasse. (Bild: cim).

Zankapfel Parkieren

Ebenfalls 2016 reichten die SP und die Grünen ein Postulat an den Luzerner Stadtrat ein. Darin wurde gefordert, dass der Rat aufzeigt, wie die Innenhöfe für die Anwohnerinnen und Anwohner wieder attraktiver gemacht werden können. Kernanliegen waren die Begrünung und die Reduzierung von Parkplätzen in den Höfen.

Trotz Bedenken wurde das Postulat entgegengenommen (zentralplus berichtete). Insbesondere eine gewichtige Schwierigkeit wurde in der Stellungnahme erwähnt: für Bauten und Anlagen (dazu gehören auch Parkplätze) gilt die Bestandesgarantie. So können Parkplätze nicht einfach aufgehoben werden. Dennoch wurde in Aussicht gestellt, in der Revision des Parkplatzreglements darauf einzugehen.

Eingriff in Eigentumsgarantie

Das Anliegen schien auf gutem Weg, umgesetzt zu werden. Doch es kam anders. Ein in der Mobilitätsstrategie genannter Hinweis, dass eine neue Bestimmung, wonach Parkplätze mit Bestandesgarantie nach einer Übergangsfrist aufgehoben werden können, geprüft werde, wurde von der bürgerlichen Seite mit Erfolg bekämpft. Es sei ein Eingriff in die Eigentumsgarantie (zentralplus berichtete).

Ob die anstehende Beratung der Revision des Parkplatzreglements im grossen Stadtrat etwas in Bewegung bringt, wird sich weisen. Es stellt sich auch die ketzerische Frage, was wichtiger ist: der Schutz des Eigentums oder die Lebensqualität der Menschen.

Es gäbe Alternativen

Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Projekt zur Quartiersentwicklung Basel-/Bernstrasse 2019/2020 zeigt exemplarisch auf, dass die Menschen ein eindeutiges Bedürfnis für mehr Grünräume in unmittelbarer Nähe haben.

An den Partizipationsveranstaltungen mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern wird das Begrünen von Innenhöfen ausdrücklich gewünscht. Doch meistens sind die Bewohner nicht die Wohneigentümer. Es braucht einen langen Schnauf der Mieterschaft, um etwas zu erreichen.

Die Parkplätze werden weiterhin zu Diskussionen Anlass geben. Doch im Rahmen der Klimaanpassungsstrategie wird man auch unpopuläre Massnahmen ergreifen müssen. Entsiegelter Boden und begrünte Fassaden behindern das Abstellen von Autos nicht wesentlich. Das wäre schon mal ein Anfang.

Ein Parkplatz muss nicht zwingend geteert sein. (Bild: cim)

Weiter zeigt das Projekt Basel-/Bernstrasse, dass Bewohner begrünte Innenhöfe begrüssen, wenn nach Bedürfnissen gefragt wird. Die Mieterschaft braucht zum Handeln Ermutigung und Unterstützung.

Das Thema Innenhöfe der Blockrandbebauungen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, bleibt aktuell; mit unterschiedlicher Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Ein Trost bleibt: in Neubauprojekten ist es nicht mehr möglich, den Innenhof mit Parkplätzen zuzupflastern.

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1 Kommentare
  1. CScherrer, 01.10.2020, 09:35 Uhr

    Der Parkplatz-Fetischismus ist eine ernsthafte Erkrankung der überaus faulen Bevölkerung. Die hohen Gesundheitskosten in der Schweiz sind die direkte Folge davon. Zu ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung! Aus diesem Grund werden Auto’s auch immer grösser und schwerer. Die Last muss ja getragen werden können. Eine Umweltabgabe pro Parkplatz könnte da vielleicht helfen.

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