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«Da grünt das Grün einfach ein bisschen vor sich hin»
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Zwei Bäume und ein paar Quadratmeter Gras zwischen Parkplätzen – ein Ansatz wäre da. (Bild: zvg)  

Das Potenzial städtischer Innenhöfe in Luzern «Da grünt das Grün einfach ein bisschen vor sich hin»

5 min Lesezeit 11.07.2016, 09:00 Uhr

Viele Innenhöfe in der Stadt Luzern werden als Parkplatz oder gar nicht genutzt. Der Heimatschutz will nun mit einem Projekt die Anwohner zur Courage auffordern. Doch damit aus dem wenigen Grün mehr wird, muss erst ein ganz besonderes Hindernis aus dem Weg geräumt werden.

Da setzt man sich an einem schönen Sommerabend auf den Balkon mit Blick auf den Innenhof. Also mit Blick auf eine Betonwüste mit zahlreichen Parkplätzen und einem kleinen hässlichen Gewerbegebäude. So ergeht es zahlreichen Stadtluzernern. 

Schluss damit

Um daran nachhaltig etwas zu verändern, hat der Innerschweizer Heimatschutz (IHS) ein Projekt ins Leben gerufen. Eingebunden in das nationale Gartenjahr 2016 unter Schirmschaft des Bundesamtes für Kultur werden vom IHS in Luzern Führungen und Werkstatt-Tage organisiert.

«Es gibt verschiedene Nutzer an einem Innenhof, nicht nur Autofahrer.»
Andreas Stäuble, Präsident Innerschweizer Heimatschutz

Andreas Stäuble, Geschäftsführer des IHS, weiss, das Thema Innenhöfe ist ein ständig präsentes. Vor allem in der Luzerner Neustadt und dem Bruchquartier gibt es wegen der Blockrandbebauung besonders viele Innenhöfe, welche ganz unterschiedlich genutzt werden. Viele haben kleine Gewerbegebäude in ihrer Mitte, einige sind mit etwas Grünfläche oder Bäumen aufgewertet. Die meisten aber sind voller Parkplätze. Teilweise finden sich zwischen Parkplätzen und Garagen zwar ganz kleine Grünflächen – diese werden aber selten genutzt. «Da grünt das Grün einfach ein bisschen vor sich hin», so Stäuble. Denn meist ist so ein kleiner Fleck Natur nicht sehr einladend. Oder den Anwohnern ist nicht klar, wer das Grün wofür nutzen dürfte.

Was ist lukrativer?

In den vergangenen Jahrzehnten hat besonders ein Phänomen die Nutzung der Innenhöfe stark verändert: der Verkehr. Heute ist der grösste Teil der Innenhöfe durch Parkplätze besetzt. Um davon wegzukommen, müsse man erstmal das Bewusstsein der Anwohner und Eigentümer für das Potenzial dieser Plätze stärken. «Natürlich ist es nicht das Ziel, alle Parkplätze aufzuheben.» Es brauche diese ja auch. «Aber es gibt verschiedene Nutzer an einem Innenhof, nicht nur die Autofahrer.» Eine Veränderung im Denken scheint jedenfalls politisch schon stattgefunden zu haben. Per Gesetz wurde geregelt, dass neue Parkplätze nur noch unterirdisch angelegt werden dürfen.

Parkplätze und Beton, so sehen die meisten Innenhöfe in der Luzerner Neustadt aus. (Bild: zvg)

Parkplätze und Beton, so sehen die meisten Innenhöfe in der Luzerner Neustadt aus. (Bild: zvg)

 

Parkplätze seien zwar im Moment eine lukrative Einnahmequelle für die Eigentümer, aber nachhaltig sei diese Nutzung nicht, so Stäuble. «Grenzen Büros oder Wohnungen an einen schönen Innenhof, werden sie aufgewertet, was sich längerfristig auch für die Besitzer auszahlt.»

Attraktiv für Familien

Belebte Innenhöfe bringen vor allem mehr Leben in die Nachbarschaft. Die Leute kennen sich eher, tauschen sich aus, organisieren beispielsweise Feste oder Quartierflohmärkte und die Lebensqualität wird gesteigert. «Solche Freiräume in der Stadt sind notwendig, gerade wenn der Trend zum verdichteten Bauen so weitergeht», betont Stäuble. Zudem sind Innenhöfe für Familien mit Kindern und auch für ältere Leute besonders attraktiv.

«Eigentümer sind auch nur Menschen.»

Um jedoch etwas an der derzeitigen Situation zu ändern, muss auf die Besitzer zugegangen werden. Und das nicht nur vonseiten des IHS, betont Stäuble. «Auch bei den Mietern liegt die Verantwortung, mit Ideen an die Nachbarn oder die Besitzer heranzutreten.»

Natürlich brauche es etwas Mut, den ersten Kontakt zu Nachbarn und Eigentümern zu suchen, aber es lohne sich, so Stäuble. «Eigentümer sind auch nur Menschen. Und bei sachlichen Argumenten wird auch ein Hausbesitzer einsehen, dass ein aufgewerteter Innenhof für alle Vorteile hat», ist Stäuble überzeugt.

Schwierig machen das Ganze aber oft die unübersichtlichen Besitzverhältnisse:

Jede Farbe markiert einen anderen Besitzer. Ziemlich unübersichtlich, das Ganze. (Bild: zvg)

Jede Farbe markiert einen anderen Besitzer. Ziemlich unübersichtlich, das Ganze. (Bild: zvg)

Eine Webseite soll helfen

Für die Luzerner Neustadt hat Christoph Fahrni in den letzten Monaten Erhebungen über die Innenhöfe gemacht, welche ab dem 3. November auf einer eigenen Webseite veröffentlicht werden. Darin sind diese dokumentiert und Kontakte und Anregungen präsentiert – für alle zugänglich; Eigentümer, Anwohner und weitere Nutzer.

Bereits jetzt hätten Eigentümer konkretes Interesse angemeldet, freut sich Stäuble. Bei den Führungen und Werkstätten, welche der IHS im Neubad organisiert, sollen künftig auch konkretere Beispiele behandelt werden.

«Es braucht mehr Initiative vonseiten der Leute.»

Eine Werkstatt hat schon stattgefunden. Dabei seien viele überraschende Ideen entstanden, freut sich Stäuble, will aber noch nicht mehr verraten. Lediglich, dass auch politische Vorstösse geplant sind, gibt er preis. Die Erkenntnisse aus dem Workshop werden für ein Postulat verwendet.

Es braucht Initiative

Andreas Stäuble

Andreas Stäuble

An der ersten Werkstatt haben auch Fachleute aus anderen Städten wie Basel oder Zürich teilgenommen. Diese sind mit solchen Projekten schon einiges weiter als Luzern. «Wir sind eine kleine Stadt mit weniger Personal und Ressourcen», gibt Stäuble zu bedenken. Zudem ist die politische Ausrichtung ebenfalls ganz anders als in Basel beispielsweise.

«Genau deshalb braucht es mehr Initiative vonseiten der Leute.» Eine Idee ist auch, die kleinen Innenhofgebäude zu begrünen – sie mit wenig baulichem Aufwand vielleicht sogar begehbar zu machen. «Man muss aber nicht nur gross denken», so Stäuble. Auch kleine Veränderungen an den Balkonen oder Mobiliar im Innenhof können den Ball ins Rollen bringen.

Neben den unattraktiven hat Luzern aber auch einige Perlen von Innenhöfen zu bieten. Besonder der Hof an der Voltastrasse ist für Stäuble das perfekte Beispiel: «Dieser Innenhof funktioniert als sozialer Faktor, er ist lebendig, hat eine grosse Biodiversität, er ist beliebt und bekannt in Luzern und hat zudem auch einige Parkplätze.»

Weitere Beispiele dafür, wie unsere Innenhöfe aussehen könnten, finden Sie in der Slideshow:

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