eat’n drink
Blog
Restaurant-Test

Alp Gründli im Entlebuch: Hunger, aber kein Bargeld dabei

Im Alp Gründli scheint alles noch wie früher zu sein. (Bild: UNESCO Biosphäre Entlebuch)

Manchmal scheint es ja so, als ob die Zeit wie im Flug vergeht. Nicht so in der urchigen Beiz «Alp Gründli» in Finsterwald bei Entlebuch. Obwohl die Hauptspeise nicht ganz überzeugte, halten wir den Abend dennoch in guter Erinnerung.

Es war Samstagnachmittag, als wir uns für einen spontanen Ausflug ins Grüne entschieden haben. Auf der Kantonsstrasse in Sarnen stach uns dann das Schild «Glaubenberg – offen» ins Auge und schon ging's hoch hinauf.

Nicht lange nach der Abfahrt tauchte auf der rechten Seite eine reizende Alpbeiz auf der Glaubenbergstrasse auf – das «Alp Gründli». Schon halb vorbeigefahren, dachten wir wohl beide dasselbe: «Hast du Hunger?», fragte mein Freund. «Ja, klar», antwortete ich. Wir wurden äusserst herzlich empfangen und an einen runden Tisch in der warmen Stube verwiesen. «Vielleicht stossen noch weitere Personen zu eurem Tisch», informierte uns die Servicekraft und ob das für uns in Ordnung ginge. «Natürlich.» Draussen war es für uns sowieso mittlerweile zu kalt geworden.

«Nähmed Sie Chärtli?»

Beim Blick in die Speisekarte meinte mein Freund: «Meinst du die akzeptieren Kartenzahlung?» Wir hatten kein Bargeld dabei – wie immer. Ausser vielleicht ein «Füfliber», aber das reicht wohl nicht. Die Beizerin meinte, das sei kein Problem – «Sie können mit Einzahlungsschein bezahlen». Die Karte bietet ein übersichtliches Angebot aus Fondue, Bratwurst mit Brot, Käseschnitte, Fleisch- und Tagessuppe, Salate und den Alp Gründli Burger. Ausserdem «Älplermagronen», jedoch nur auf Vorbestellung.

Der Blick Richtung Giswil beim «Erklimmen» des Glaubenbergs (mit dem Auto).
Der Blick Richtung Giswil beim «Erklimmen» des Glaubenbergs (mit dem Auto). (Bild: bad)

Als Hauptspeise entschieden wir uns beide für den Burger, wählbar in kleiner oder grosser Ausführung. Wir bestellten einmal klein, einmal gross. Als Vorspeise wählte ich die Tagessuppe – eine Bouillon mit Flädli – mein Freund entschied sich für die Fleischsuppe. Zum Trinken gab's ein Beckenrieder Orangenmost und ein Glas Primitivo Rotwein, und später noch einen «Suure Moscht».

Beim grossen Burger musste ich leer schlucken

Die Vorspeise kam bald und das Gesicht meines Freundes erhellte sich sofort beim Anblick seiner Fleischsuppe. «So soll sie aussehen». Auch im Geschmack begeisterte sie. Auch ich war zufrieden mit meiner Flädlisuppe und sie schmeckte sehr frisch. Das Lokal übrigens war sehr gemütlich eingerichtet, mit vielen Details wie Kuhglocken, Herzen, Holzverzierungen und das Mobiliar erinnerte noch an Zeiten, wo vermutlich richtige Eidgenossen im Lokal ein- und ausgingen.

Mittlerweile setzte sich ein junges Pärchen an unseren Tisch. Ein paar Minuten später wurde unsere Hauptspeise serviert – und der grosse Burger war wirklich riiiiesig und machte einem schon alleine beim Anblick etwas Angst. Auch der «kleine» Burger überzeugte durch sein Aussehen.

Beide schön angerichtet und gefüllt mit gebräteltem Speck, Essiggurken, Salat, Tomate, Zwiebeln, verschmolzenem Alpkäse und einem Spiegelei regten sie für den ersten Biss an. Unsere Tischgenossen waren mittlerweile mit der Bestellung dran, ein Blick auf unsere Burger genügten und sie entschieden sich ebenfalls für das kreative Fleisch im Brot – aber für die kleine Variante.

Ziemlich salzig und die Sauce experimentell

Auch die letzten vier Plätze am grossen Tisch füllten sich noch und wir waren komplett. Auch sie bestellten den Burger, jemand wagte sich sogar an das grössere Modell heran. Plötzlich waren draussen Gesänge zu hören und wir schauten uns verdutzt an. Ein Chor hatte sich auf dem Vorplatz aufgestellt und gab (nicht ganz) die besten Töne von sich. Einige am Tisch schmunzelten und ein Herr meinte: «Die haben wohl auch schon einiges intus – nüchtern klingt das nicht.»

Zurück zum Burger: Die anfängliche Euphorie war nach ein paar Bissen etwas gedämpft. Der Inhalt schmeckte sehr salzig, die eigens vom Alp Gründli kreierte Sauce war für meinen Geschmack etwas scharf. Nach etwa einem halbem Burger gab ich auf – irgendwie war mir das gute Stück verleidet. Auch mein Freund kämpfte, liess dann aber nur etwas Brotresten zurück. Auch die Meinungen unserer Tischnachbarn ähnelten unseren.

Es sollte aber noch nicht zu Ende sein: Die Dessertkarte bot eine grosse Auswahl an Leckereien wie Meringue, diverse Glacevariationen und Cremen. Wir entschieden uns für die Schoggicreme mit Rahm, und auch hier konnte zwischen gross und klein gewählt werden. Wir bestellten die kleine Creme. Das flüssige Schokoladendessert war sehr fein. Auch der dazu bestellte Cappuccino und Espresso überzeugten, ein Kontrollblick auf die Kaffeemaschine sprach Bände: eine italienische Kolbenmaschine bedeutet meist guter Kaffee. Wir waren positiv überrascht.

Ein Gehupe zum Gruss

Fun Fact des Abends: Immer wieder hupten verschiedene Autofahrer beim Vorbeifahren, was unseren ganzen Tisch zum Lachen brachte. «Einheimische» – vermuteten wir – «sozusagen das Gebiet markieren und mitteilen, dass man wieder zu Hause ist.» Wir bestellten die Rechnung, also unseren Einzahlungsschein, und bedankten uns. Als wir uns zum Abgang drehten, fragten uns die Leute am Tisch: «Hupt ihr dann auch beim Davonfahren, oder?»

Und die Frage, was denn wohl das süffige «Äntebüsi» ist, hat sich nach einer Google-Suche auch geklärt: Ein Mix aus Kräuterschnaps und Kümmellikör, der vor allem im Kanton Luzern sehr beliebt ist, der aber auch im Kanton St. Gallen hergestellt wird. Eine Ostschweizer Brauerei behauptet gar, das «Original» aus dem 17. Jahrhundert herzustellen. Na denn, Prost.

Bewertung

Preis-Leistung

**** von *****
Vielleicht hatten wir einfach etwas Pech mit dem Burger, denn der Rest überzeugte uns. Beide Vorspeisen, sowie Dessert waren sehr schmackhaft und bestimmt wären auch Fondue oder Älplermagronen einen Versuch wert. Die Tagessuppe kostete um die 7 Franken und die Fleischsuppe zirka 10 Franken. Auch die Burger waren sehr preiswert mit 18 Franken für den kleinen Burger und 24 Franken für den (ultra)grossen Burger. Die kleine Schoggicreme war 7 Franken. Aber Achtung: Ans Bargeld denken.

Service
***** von *****
Der Service war herausragend gut, man fühlt sich hier von Beginn an aufgehoben und wie zuhause. Verhungern und Verdursten muss man im Alp Gründli defintiv nicht. Auch die Bezahlung per Rechnung lief unkompliziert ab.

Ambiente

**** von *****
Die Atmosphäre in der Alpbeiz ist sehr gemütlich. Die Beizer legen viel Wert aufs Detail. Bereits vor dem Restaurant ist der Weg zum Eingang schön dekoriert mit Holzdetails und Laternen. Im Innenbereich bietet das Lokal Platz für ungefähr 20 Personen an insgesamt drei Tischen. Das Mobiliar ist aus Holz und die Wände mit typischer Schweizer Tradition wie Kuhfotos, Holzschnitzereien und Nussgipfel auf einem grossen Teller mit Glasdeckel. Die Terrasse bietet Platz für zirka 50 Personen.

Online-Faktor

** von *****
Bei einer abgelegenen Alpbeiz erwarte ich kein ausgebautes Onlineangebot. Die Webseite der Biosphäre Entlebuch verfügt über eine Unterseite des Alp Gründli und zeigt zwei Fotos der Beiz von aussen, gibt Auskunft über die Anzahl Plätze drinnen und draussen inklusive Lageplan und Kontaktangaben. Eine Speisekarte oder gar Reservationsmöglichkeit findet man online nicht.

Verwendete Quellen
eat’n drink
Blog
So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.
Zeichenanzahl: 0 / 1500.


Apple Store IconGoogle Play Store Icon