Bezahlbarer Wohnraum in Zug: Nun fordert auch die FDP klare Vorgaben
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Dem Abbruch geweiht: Die Liegenschaften Chamerstrasse 67 und 70 in Zug. (Bild: Beat Holdener)

Der Staat soll sich der Problematik annehmen Bezahlbarer Wohnraum in Zug: Nun fordert auch die FDP klare Vorgaben

3 min Lesezeit 01.03.2021, 05:00 Uhr

Die Problematik des bezahlbaren Wohnraums spitzt sich insbesondere in der Stadt Zug zu. Nun orten auch die Bürgerlichen Handlungsbedarf. Die FDP fordert, dass die Politik einen fixen Anteil für preisgünstige Wohnungen festlegt. Denn für die Freisinnigen ist klar: Das Thema wird in Zug in naher Zukunft eines der wichtigsten sein.

Gibt es in absehbarer Zukunft in und um die Stadt Zug noch genug erschwinglichen Wohnraum für Einheimische mit beschränkten finanziellen Möglichkeiten? Diese Frage dürfte in den kommenden Jahren zu den drängendsten Aufgaben in der kantonalen und städtischen Politik gehören.

Die Problematik ist offensichtlich: Preiswerte Wohnungen werden immer knapper. So sorgte kürzlich die Ankündigung der Zurich Versicherung, an der Chamerstrasse in Zug ältere und günstige Wohnungen durch neue und deutlich teurere zu ersetzen, für einige Reaktionen. Laut kritischen Politikerinnen ist dies ein weiteres Beispiel für die systematische Vertreibung von Wenigverdienenden aus der Stadt Zug. So auch für den Präsidenten des Zuger Mieterverbandes und SP-Stadtparlamentarier Urs Bertschi (zentralplus berichtete).

Vorstoss fordert Zielwert

Doch es scheint, dass mittlerweile auch Bürgerliche die Problematik erkannt haben und Handlungsbedarf sehen. Zum Beispiel FDP-Fraktionschef Etienne Schumpf: «Die Ankündigung der Zurich Versicherung habe ich mit grossen Bedenken zur Kenntnis genommen.» Denn die politischen Parteien hätten es in der Hand, Lösungen zu formulieren, würden momentan aber wenig gegen das Problem machen.

«Die Wohnraumpolitik war bisher vor allem ein Thema der Linken. Nun steht sie aber auch bei der FDP ganz weit oben», betont Schumpf. Allgemein sei es in Zug mittlerweile eines der «Mega-Themen».

«Wir werden diskutieren müssen, mit welchen konkreten Massnahmen wir das gesteckte Ziel erreichen können.»

Etienne Schumpf, FDP-Fraktionschef

Für den Freisinnigen ist deshalb klar, dass sich wohl auch der Staat der Sache annehmen ​und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen muss. Schumpf wird im Grossen Gemeinderat demnächst einen entsprechenden Vorstoss einreichen. Ihm schwebt beim Anteil preiswerter Wohnungen in der Stadt Zug ein noch zu definierender Zielwert vor.

Schumpf denkt an 15 Prozent günstige Wohnungen bis in 25 Jahren. Derzeit liegt der Wert bei 9,2 Prozent. Zum Vergleich: Eine Initiative von SP und Grünen, die in der Stadt Luzern 2012 angenommen wurde, verlangt einen Anteil gemeinnütziger Wohnungen von 16 Prozent. Diese Quote muss bis 2037 erreicht werden.

Knappe Landreserven als Herausforderung

Das Wort «Quote» will Schumpf indes nicht in den Mund nehmen. Viel lieber spricht er von «Anreizen und Unterstützung für Wohnbaugenossenschaften». «Wir werden diskutieren müssen, mit welchen konkreten Massnahmen wir das gesteckte Ziel erreichen können», blickt er voraus.

Ob neu geschaffene Anreize das richtige Instrument sind, bleibt zumindest fraglich. Zur Erinnerung: Der Zuger Regierungsrat geht derzeit davon aus, dass gemeinnützige Wohnbauträger fast nur dann Wohnraum schaffen können, wenn sie eigenes Land besitzen, wie er in der Antwort auf einen Vorstoss der SP festhielt (zentralplus berichtete).

FDP-Fraktionschef Etienne Schumpf.

Für eine gute Durchmischung

Bei ihrer Wohnraumpolitik gehe es der FDP vor allem darum, dass die Durchmischung der Bevölkerung beibehalten werden kann, betont Schumpf. «Der FDP ist es ein grosses Anliegen, dass jede Person, die in der Stadt Zug ein Zuhause gefunden hat, nicht wegen zu hohen Mietpreisen wegziehen muss», hält er fest.

Schumpf ist sich gleichzeitig bewusst, dass die sich zuspitzende Wohnraumproblematik auch mit der Zuger Wirtschaftspolitik der letzten Jahre zu tun haben könnte, die sehr international ausgerichtet ist und entsprechend zahlungskräftige Zuzügerinnen anlockte. «Vielleicht», räumt er ein, «hatten wir das Thema zu wenig auf dem Radar.»

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