Für mehrere Millionen Franken

Bäume statt Parkplätze: Luzern wertet Quartier auf

Steinplatten statt Asphalt: In der Art stellt sich der Stadtrat die künftige Industriestrasse vor. (Bild: Symbolbild: Screenshot Bericht der Stadt Luzern)

Neue Strassenbeläge, breitere Trottoirs und Tempo 20: Der Luzerner Stadtrat hat im Unterlachen-Quartier so einiges vor. Das lässt er sich einen grossen Batzen kosten.

Die Stadt Luzern erinnert sich an ihre vergessenen Kinder: Erst kürzlich hat sie ihre Pläne für das Würzenbach-Quartier der Zukunft vorgestellt (zentralplus berichtete). Nach dem Quartier an der Peripherie nimmt sich die Baudirektion nun ein Quartier in der Innenstadt vor: Unterlachen. Wohl kaum ein Stadtluzerner Quartier wandelt sich in den nächsten Jahren so sehr wie das ehemalige Industriequartier.

Nahe der Gassechuchi ragen neue Wohnblöcke in die Höhe, deren Bewohner im Dezember 2022 eingezogen sind (zentralplus berichtete). Auf dem Areal Industriestrasse – zwischen Geissensteinring und Industriestrasse – entstehen mit dem Projekt Mon Oncle bis 2026 150 neue Wohnungen sowie Platz für Gewerbe und Dienstleistungen (zentralplus berichtete). Und auf dem EWL-Areal entsteht mit dem Projekt Rotpol ein neues Wohn- und Geschäftsquartier. Zwar liegt dieses wegen starker Kostensteigerungen derzeit auf Eis, doch die Stadt will dem Grossen Stadtrat bereits im März einen überarbeiteten Bericht vorlegen (zentralplus berichtete).

Umbauarbeiten möglichst vor Baustart beim EWL-Areal

Statt gebüezt wird im Unterlachen-Quartier immer mehr gewohnt. Grund genug für die Stadt Luzern, das stark wachsende Quartier auf Vordermann zu bringen. Wie die Stadt in einem am Freitag veröffentlichten Bericht und Antrag auflistet, gebe es einiges zu tun: Mehrere der umliegenden Strassen und deren Trottoirs seien sanierungsbedürftig. Die Sicherheit für Fussgängerinnen und Velofahrer sei «mangelhaft». Mehrere Bushaltestellen seien noch nicht hindernisfrei. Der unterirdisch verlaufende Allmendlibach drohe bei starkem Regen zu überlaufen. Und auch einige Werkleitungen hätten ihr Lebensende erreicht.

Die Aufgabenliste der Stadt ist lang – und die Zeit drängt. Der Stadtrat will diese Massnahmen «zwingend» vor dem Baustart des EWL-Areals umsetzen, weil sonst die Werkleitungen und der Allmendlibach während der Bauarbeiten des Rotpols provisorisch verlegt werden müssten. Und damit die Anwohner nicht noch mehr Gehämmer gleichzeitig erdulden müssten.

Gemäss ursprünglichem Plan wären die Bagger beim EWL-Areal bereits aufgefahren. Die Stadt Luzern möchte die Arbeiten am Quartier deshalb im Frühling 2025 starten und in zweieinhalb Jahren umsetzen. Dafür beantragt der Stadtrat einen Sonderkredit von rund elf Millionen Franken. Zusätzlich will sich der Bund mit 740’000 Franken aus dem Agglomerationsprogramm beteiligen.

In diesem Perimeter bretzelt die Stadt das Quartier auf. (Bild: Screenshot: Botschaft der Stadt Luzern)

Konkret fokussieren sich die Massnahmen auf das Areal zwischen Geissensteinring, Frutt- und Kellerstrasse. Darin baut die Stadt gemäss Plan die Bushaltestellen an der Kellerstrasse und am Geissensteinring behindertengerecht um.

Industriestrasse als neuer Quartiertreffpunkt

Auf Wunsch der Anwohner hübscht die Stadt zudem die Industriestrasse auf: Mehr Bäume und mehr Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien sind ihr Ziel. Ein Teil der Strasse wird entsiegelt und mit einem Plattenbelag hergerichtet. Diesen zusätzlichen Raum können Anwohnerinnen zum Flanieren, Verweilen oder für Quartierfeste nutzen. «Mit Sitzgelegenheiten und Bäumen erhält die Industriestrasse einen neuen Charakter und sorgt für einen lebendigen Ort im Quartier», beschreibt die Stadt ihr Vorhaben.

Die Industriestrasse ist dabei auch als Ersatz für den geplanten Quartierplatz beim EWL-Areal geplant. Wegen veränderter Rahmenbedingungen könne dieser nicht wie vorgesehen umgesetzt werden.

So stellt sich die Stadt die künftige Industriestrasse vor (Blickrichtung Geissensteinring). (Bild: Screenshot: Botschaft Stadt Luzern)

Auch sollen weniger Autos durch die Strasse fahren. Durch die Entsiegelung verläuft die Industriestrasse künftig nur noch einspurig, und es gilt ein Fahrverbot. Für Autofahrerinnen, die trotzdem auf dieser Strasse fahren müssten, gelte künftig Tempo 20.

Damit die Industriestrasse bei starkem Regen nicht überflutet wird, plant die Stadt einen Speicherkanal für den Allmendlibach auf Höhe Geissensteinring und in der Industriestrasse.

Bäume statt Parkplätze

Doch auch an anderen Strassen legt die Stadt Hand an: Am Geissensteinring verbreitert der Stadtrat nach Plan das Trottoir und baut drei Fussgängerschutzinseln, um die Sicherheit für Fussgänger zu erhöhen. Auch Velofahrer sollen sich sicherer fühlen: Deshalb lässt der Stadtrat gleichzeitig den Velostreifen verbreitern.

An der Frutt- und der Kellerstrasse wird der Strassenbelag ersetzt und die Trottoirs erweitert, um einen durchgehenden Fussgängerweg zu schaffen. Zudem hebt die Stadt auf der Westseite der Fruttstrasse 22 Parkplätze auf, um den Strassenrand mit Bäumen zu säumen. Auch an der Brünigstrasse müssen Autofahrer darben: Hier gehen 17 Parkplätze flöten, um mehr Platz für Trottoirs und künftig Feuerwehrautos zu schaffen.

Die Pläne für die Unterlachenstrasse will der Stadtrat erst mit dem Bauprojekt konkretisieren. Aber die Stossrichtung ist ähnlich wie bei der Industriestrasse: Aus der Tempo-30-Zone wird Tempo 20, Parkplätze werden reduziert und Bänke und Bäume hergekarrt.

Zuerst muss jedoch der Grosse Stadtrat dem Vorhaben grünes Licht geben. Das Parlament wird sich frühestens am 1. Februar damit beschäftigen.

Verwendete Quellen
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