Wohnen & Bauen
Stadt präsentiert neue Ideen

So könnte das Würzenbach-Quartier in Zukunft aussehen

Die Bewohnerinnen des Würzenbachs wünschen sich eine Aufwertung ihres Quartiers. Die Stadt hat nun skizziert, wie das Quartier am Stadtrand Luzerns künftig aussehen könnte.

Rund 8’000 Menschen leben im Luzerner Würzenbach-Quartier. Hier steht das grösste Museum der Schweiz, daneben befindet sich mit dem Lido ein beliebtes Naherholungsgebiet, das Quartier verfügt gar über eine eigene S-Bahn-Haltestelle, zwei Migros und so weiter. Dennoch scheint das Quartier bei der Stadtplanung vergessen zu gehen. Die Stadtentwicklung und die grossen Projekte geschehen im Stadtzentrum, nicht in der Peripherie.

Zu Unrecht, finden die Bewohner des Quartiers. Darum haben sie im Januar 2020 einen Bevölkerungsantrag bei der Stadt Luzern eingereicht. Darin fordern sie eine Aufwertung ihres Quartiers (zentralplus berichtete). «Stadtentwicklung darf nicht bloss in den offiziellen Entwicklungsschwerpunkten und in der Innenstadt stattfinden. Dieser flächenmässig und bevölkerungsmässig bedeutende Stadtteil verdient es, gestaltet und entwickelt zu werden», heisst es im Bevölkerungsantrag.

Der Bevölkerungsantrag wurde überwiesen, der Ball lag bei der Stadt Luzern. Diese hat nun geliefert. Gemeinsam mit zwei Planungsbüros und nach einer ersten Mitwirkungsphase im Frühling präsentiert die Stadt Ideen, wie das Quartier künftig ausschauen könnte. Auf einem Quartierrundgang haben Mitarbeiter der Stadtplanung sowie Mélanie Jeannet vom Architekturbüro Hosoya Schaefer Architects und Landschaftsarchitekt Jan Stadelmann vom Büro S2L die Ideen präsentiert.

Das urbane Zentrum im Brüel

Der Brüel-Kreisel ist die Eingangspforte ins Quartier. Allerdings ist der Platz heute stark vom Verkehr geprägt, rund 15’000 Autos fahren täglich durch den Kreisel. Der Bahndamm trennt das Quartier wie eine Wand vom See ab. Auch das in die Jahre gekommene Sportcenter Würzenbach trägt nicht zur optischen Aufwertung des Platzes bei.

Wo heute der Brüel-Kreisel ist, stellt sich die Stadt einen Platz mit ÖV-Drehscheibe und neuen Geschäften vor. (Bild: Dialog Luzern)

Hier sieht die Stadt grossen Handlungsbedarf. Das Gebiet rund um den Brüel-Kreisel habe das Potenzial für ein urbanes, dicht bebautes Zentrum. Gleichzeitig soll der Teil des Quartiers zu einer Verkehrsdrehscheibe umgebaut werden. Heute befinden sich die vier bestehenden Bushaltestellen verstreut um den Kreisel herum. Künftig sollen diese an einer zentralen Bushaltekante gebündelt werden, sodass das Umsteigen einfacher wird. Das Umsteigen von Bus zu Bus steht dabei im Zentrum, weil die S-Bahn-Haltestelle einen tiefen Takt hat.

Rund um diese neue Verkehrsdrehscheibe sollen ein Platz und neue Gebäude entstehen. Wichtig dabei ist der Stadt, dass diese Gebäude im Erdgeschoss öffentliche Nutzungen haben, um den Platz zu beleben. So entsteht ein Auftakt ins Quartier, welcher der Grösse des Würzenbachs gerecht wird. Um die trennende Wirkung des Bahndamms zu verkleinern, wird die Unterführung verbreitert. Denkbar ist, dass sich dieser neue Quartierplatz auch auf die Seeseite des Bahndamms hin erstreckt.

Dorfzentrum vor der Bäckerei

Das eigentliche Quartierzentrum im Würzenbach befindet sich heute an der Kreuzung vor der Bäckerei Kreyenbühl – sozusagen der Dorfbäckerei. Hier trifft man sich für einen kurzen Schwatz, hier werden die Neuigkeiten aus dem Quartier ausgetauscht. Doch auch hier ist die bestehende Architektur abweisend und nicht in Richtung Platz ausgerichtet.

Vor der Bäckerei Kreyenbühl soll ein zweiter, kleinerer Platz mit öffentlichen Nutzungen entstehen. (Bild: Dialog Luzern)

Die Stadt sieht darum hier das Potenzial für ein zweites Quartierzentrum nebst dem urbanen Zentrum am Brüel-Kreisel. Dieses Zentrum soll aber kleinräumiger gestaltet sein und einen dörflichen Charakter haben. Das «Dorfzentrum» würde damit zum Gegenpol des «Stadtzentrums» und den Abschluss der Quartierentwicklung entlang der Kreuzbuch- und Würzenbachstrasse darstellen.

Strasse wird zur «Grüezi-Meile»

Ein weiterer Fokus der Stadt und der beteiligten Planungsbüros liegt auf der Kreuzbuch- und Würzenbachstrasse. Heute sind diese primär Verbindungsachsen im Quartier und bieten kaum Aufenthaltsqualität. Das soll sich ändern und die Strasse zur «Grüezi-Meile», einem weiteren Ort der Begegnung werden.

Die Kreuzbuch- und Würzenbachstrasse erhalten mehr Aufenthaltsqualität – zum Beispiel mit zusätzlichen Bäumen. (Bild: Dialog Luzern)

Wie das geschehen soll, ist noch offen. Die Stadtplanung sieht zwei Ansätze vor: Entweder eine Allee, mit vielen neuen Grünflächen und Bäumen. Oder die Strasse wird selbst zu einem Zentrum, mit weiteren öffentlichen Nutzungen in den Erdgeschossen entlang der Strasse.

Mehr Freiraum am See

Ein weiteres Augenmerk legt die Stadt auch auf die Nutzung des Seeufers und vor allem auch den Zugang der Quartierbewohnerinnen zum See. Um diesen zu gewähren, sieht die Stadt die verstärkte Nutzung des Würzenbach-Ufers vor. Der Würzenbach fliesst heute in einem schmalen, kanalisierten Bachbett quer durchs Quartier und östlich des Lidos in den See. Die Stadt will den Bach renaturieren, verbreitern und an dessen Ufer ein neues Naherholungsgebiet schaffen, das einen direkten Zugang zum Seeufer ermöglicht.

Die Lidostrasse soll zur Flaniermeile werden. Im Lido entstehen neue kulturelle Angebote. (Bild: Dialog Luzern)

Am See angekommen, sollen auch das Lido und das Brüelmoos ein neues Gesicht erhalten. Heute ist dieses Gebiet vor allem durch Parkplätze geprägt. Diese sollen in einem Parkhaus gebündelt werden. Der dadurch entstandene Platz ist in den Szenarien der Stadt als grosser Landschaftspark, als Ort mit neuen Sport- und Freizeitmöglichkeiten, oder als Kultur- und Flaniermeile mit Platz für einen neuen Theater- oder Tanzpavillon vorgesehen.

Bis am 9. Oktober ist es möglich, sich auf einem angeleiteten Quartierrundgang selbst ein Bild von den Ideen der Stadt zu machen. Anregungen, Kommentare und Kritik können auf der Mitwirkungsplattform «Dialog» der Stadt Luzern eingebracht werden. Diese werden im Anschluss gebündelt und in der weiteren Planung berücksichtigt. Im kommenden Jahr wird die Stadt einen Bericht und Antrag vorlegen, wie das Würzenbach-Quartier in einigen Jahren aussehen soll.

Verwendete Quellen
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