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Züri West: Melancholische Geschichten zum Jubiläum
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Lauener genoss die Show in Luzern sichtlich. (Bild: pze)

25 Songs von Kuno Lauener und Co. in Luzern Züri West: Melancholische Geschichten zum Jubiläum

4 min Lesezeit 17.10.2017, 00:24 Uhr

Züri West, eine der erfolgreichsten Schweizer Bands, beehrte Luzern mit einem seltenen Besuch. Die Schüür war voll bis zum letzten Platz – und Kuno Lauener und Co. enttäuschten nicht. Zum Geburtstag gab es 25 Songs, Wunderkerzen und ein Müsterchen Floralp Butter.

Zum 25. Geburtstag hat sich die Schüür ein besonderes Geschenk gemacht: Die Berner Mundartrocker Züri West statteten dem Konzerthaus im Herzen Luzerns einen Besuch ab. Ihr Geschenk: 25 Songs. Das Publikum goutierte die Programmation: Bereits weit im Voraus war das Konzert restlos ausverkauft.

Zu erwarten war ein Abend über die Liebe, schliesslich hat die Band im März ihr neues Album «Love» veröffentlicht. Die «Weltwoche» ernannte Kuno Lauener zum Sexsymbol, der «Blick» zur Diva. Klar ist: Die meisten Besucher im Saal kamen wegen der rauchigen Stimme und der Aura des inzwischen 56-jährigen Sängers.

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«Esch luut gnue? Sösch sägets eifach.»

Kuno Lauener, Sänger Züri West

Ja, das Publikum altert gemeinsam mit Züri West; so stand in der ersten Reihe eine Frau im Pensionsalter, die jedes Lied mitsingen konnte. Doch das war beleibe nicht die Regel: Das Publikum war gut gemischt, die Berner sprechen durchaus noch immer junge Leute an. So sind sie beispielsweise auch vor Kurzem für den European Music Award von MTV nominiert worden – neben Jungkünstlern wie Mimiks, Lo & Leduc oder Xen (zentralplus berichtete).

Luzerner Story-Teller mit Gitarre eröffnet

Zuerst betrat, bei bereits gefüllter Halle, Long Tall Jefferson die Bühne. Der Luzerner, namentlich Simon Borer, bespielt momentan ganz Europa. «Dann, wenn die Zugbillete am günstigsten sind, mach ich mich auf den Weg», sagt Borer. Er ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, sowohl in wie zwischen den Songs (zentralplus berichtete).

Long Tall Jefferson eröffnete den Abend.

Long Tall Jefferson eröffnete den Abend.

(Bild: pze)

Nur mit einer Gitarre ausgerüstet, spielt der Singer-/Songwriter seine Lieder, ruhig und bedacht, vom leisen Murmeln andauernder Gespräche im Publikum unbeeindruckt. Neben der Musik hatte sich Borer auch passend gekleidet: Er trug ein «Haubi-Songs»-T-Shirt – eigentlich ein Modeassessoir von Kollege Nick Furrer, kann es als Hommage an Züri Wests gleichnamiges Album aus dem Jahre 2008 gesehen werden. Borer liess es unkommentiert – doch es war ein hübsches Detail.

Kuno Laueners Aura bleibt

Dann war es soweit – begleitet von einem langgezogenen «Kuno!»-Schrei betraten die – inzwischen etwas älteren – Herren die Bühne. Nach kurzen technischen Anlaufschwierigkeiten brachten die Berner die Schüür schnell auf Betriebstemperatur. Nach drei energetischen Songs schaute Frontmann Kuno Lauener ins Publikum und fragte neckisch: «Esch luut gnue? Sösch sägets eifach.»

Lauener zog – wie erwartet – die Blicke auf sich. Die angesprochene Aura hat der 56-Jährige auch während den 33 Bandjahren nicht verloren. Und die Show in der Schüür bereitete ihm sichtlich Spass, immer wieder grinste er verstohlen zur Seite, spielte Luftgitarre oder brachte die Zuschauer zum Klatschen. Der ganze Saal liess Lauener kaum einmal aus den Augen.

Luzern versinkt in der Melancholie

Lauener ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, der vor allem seit Neuem gerne in Nostalgie verfällt. Und gemeinsam mit dem Publikum schwelgte er in Erinnerungen an frühere Besuche in Luzern – passend zum Anlass des Jubiläums. In den Ansprachen vor den Songs gab es jeweils kurze Anekdoten vom Sonnenberg oder dem Konzert im ehemaligen Kulturzentrum Boa. Für letztere erhielt er spontanen Applaus vom Luzerner Publikum – da liess man sich gerne zur Nostalgie hinreissen.

Die Setlist der Schüür-Show. 

Die Setlist der Schüür-Show. 

(Bild: pze)

Die skurrilste Geschichte des Abends aber geschah im ehemaligen Kino ABC. Dort sei während dem Konzert vor 11 Jahren eine Frau aufgetaucht, die Lauener kommentarlos ein Müsterchen Floralp-Butter in die Hand drückte. «Vielleicht wollte sie mir sagen, ich solle mal wieder etwas Rechtes essen», mutmasste dieser und ergänzte: «Ich würde sie sofort wiedererkennen.» Er widmete der mysteriösen Frau den Song «I ha ke Ahnig wie me mit som’ne Ängu redt».

Details prägten den Abend 

Sonst lebte der Abend von einigen, gelungenen Details. Beispielsweise spielte die Band das Mani-Matter-Cover «Alpeflog», welches – ganz dem Anlass entsprechend – vor genau 25 Jahren auf dem «Matter Rock»-Sampler erschien. Obwohl wahrscheinlich unbeabsichtigt war es doch passend zum in der Vergangenheit schwelgenden Abend.

Passend zum Jubliäum gab’s in der ausverkauften Schüür Wunderkerzen:

 

Weiter hatte Lauener für die Zugabe Wunderkerzen aufgetrieben. Diese warf er ins Publikum, so dass schlussendlich rund 160 brennende Lichter die Schüür erfüllten, wie ein grosser Geburstagskuchen. Der besinnlichen Stimmung entsprechend spielte die Band «Schatteboxer» vom neusten Album. Ein starkes Bild zu einem gelungenen Geburtstagsfest der Luzerner Schüür. Nicht fehlen durften natürlich die bekanntesten Züri West-Songs «E schänke dr mis Härz» und «E ha di gärn gha», und genau nach 25 Songs war Schluss – die zufriedenen Zuschauer wurden in die warme Herbstnacht entlassen.

Weitere Impressionen in der Bildergalerie:

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