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Zebrafanten preschen durch die Zuger Kulturwüste
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Drei Zebrafanten: Robert Henrik von Dewitz (links), Debora Baumgartner und Thomas Wolfisberg. (Bild: mam)

Spassliteratur im «Chicago» bereichert Nachtleben Zebrafanten preschen durch die Zuger Kulturwüste

3 min Lesezeit 1 Kommentar 22.02.2018, 18:22 Uhr

Weil es keinen Poetry Slam im Ort gab, haben sie selber eine Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt: die Zebrafanten. zentralplus hat einen Slam des Vereins besucht – und ist auf ein volles Haus getroffen.

Gewusel in der Chicago Bar in Zug. Eigentlich ist das Lokal hinter den Gleisen am Mittwoch geschlossen: Doch heute beginnt die Frühlings-Trilogie des Vereins Zebrafant, gewissermassen die zweite Spielzeit des neuen Veranstaltungsformats in Zug.

Während Trauben von Besuchern eintrudeln und sich um die Stehtische gruppieren, bespricht Debora Baumgartner mit Thomas Wolfisberg den Ablauf des Abends und Robert Henrik von Dewitz notiert sich die Essenswünsche der geladenen Poeten.

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Die drei sind eine Zuger Selbsthilfegruppe für Freunde der Slam Poetry. Gegründet von Debora Baumgartner aus Cham, die eines Tages einen Slam besuchen wollte und feststellte: Es gibt in Zug keinen. Woraufhin sie eben selber einen Poesiewettstreit in der Galvanik organisierte und darauf Robert Henrik von Dewitz kennenlernte.

Poeten aus der Region sind immer dabei

«Ich komme selber nicht aus der Szene», sagt sie, «deswegen war es anfangs schwierig für mich, Kontakt zu Poeten zu finden.» Von Dewitz indes dichtet selbst und ist gut vernetzt, seine Kontakte halfen die Folgeveranstaltung zu organisieren – ein Open-Air-Slam vor der Studienbibliothek in Zug.

Thomas Wolfisberg aus Menzingen schliesslich hatte es satt, für Slams immer nach Solothurn, Winterthur oder Zürich zu reisen, und schloss sich den beiden an – ebenso wie zwei andere, die nun im Verein Zebrafant zusammenspannen.

Debora Baumgartner hat die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen.

Debora Baumgartner hat die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen.

(Bild: mam)

Nach einer ersten Veranstaltungstrilogie im Herbst stehen nun drei weitere Slams in der Chicago-Bar an. Mit ihren Backsteinmauern und dem Interieur im Stil der 1930er-Jahre scheint die Location für das Format wie geschaffen.

Zwei Deutsche, ein Österreicher und vier Schweizer Poeten schicken sich an, ihre Texte vorzutragen. «Wir vergeben immer auch zwei Plätze an Poeten aus der Region», sagt Baumgartner. «Denn wir wollen den Nachwuchs der Slam Poetry fördern.» Weil ein Zuger Poet kurzfristig abgesagt hat, wird Baumgartner später selbst auf die Bühne steigen.

Rache ist süss

Daneben besteht die lokale Anordnung aus Robert Henrik von Dewitz, der den Poesiestreit eröffnet, und Raphael Baumann aus Baar, der als Einziger sitzend deklamiert.

Geboten wird alles, was das Genre hergibt: nachdenkliche Texte, persönliche Betrachtungen, Stücke mit viel Witz und Nonsense, interaktive Momente, Stabreime, die an Rap erinnern – und sogar ein wenig Mundartliteratur. Das Publikum hat Spass, macht mit und ergötzt sich am Humor der Poeten.

Der Hamburger Arno Poeck versteht von der Mundartmoderation nur Bahnhof – und rächt sich, indem er dem Publikum einen Text aus unverständlichen Lauten um die Ohren schlägt.

Der Wiener Elias Hirschl verbietet sich alle Vokale ausser das A – und hat so eine ganze Geschichte geschrieben. Tommy Trixa denkt bei Zug an die Sächsische Schweiz und befleissigt sich bei seinem Vortrag des dortigen Akzents.

Das Beste aus knappen Finanzen machen

«Wir haben nicht die Mittel, um extra internationale Poeten einzuladen», erzählt Debora Baumgartner. Deshalb versuchen die Zebrafanten ausländische Poeten, die sich ohnehin in der Schweiz aufhalten, zu einem Abstecher nach Zug zu bewegen.

Doch auch das einheimische Schaffen vermag zu beeindrucken: Joel Perrin aus Männedorf ist performativ stark, und der Lokalmatador Robert Henrik von Dewitz erweist sich als sensibler Beobachter.

Tommy Trixa aus Dresden.

Tommy Trixa aus Dresden.

(Bild: mam)

Nach einer längeren Pause treten die Poeten alle zu einer zweiten Runde an – und es ist schon ziemlich spät, als sich die 70 Besucher zerstreuen und in die Nacht hinaustreten. Viele werden wiederkommen, wenn die Zebrafanten zum nächsten Slam laden.

Wo man sich in Zug Literatur reinziehen kann

Die beiden nächsten Zebrafanten-Slams finden am 21. März und 18. April in der Chicago-Bar in Zug statt – Beginn der Veranstaltung ist um 20 Uhr, es wird eine Kollekte erhoben. Eine Spoken-Word-Veranstaltung ist die Satz & Pfeffer-Lesebühne in der Sankt-Oswaldsgasse 11 in Zug. Jeweils am 11. jeden Monat, kostenflichtiger Eintritt. Der klassischen Autorenlesung hat sich die Literarische Gesellschaft Zug verschrieben – nächster Anlass am 8. März im Theater im Burgbachkeller. Ausserdem gibt es auch ein kleines Literaturfestival namens «Höhenflug» in Zug, das der Innerschweizer Schriftstellerverband ISSV mit Autoren aus dem Alpenraum nächstmals von 23. bis 25. März durchführt.

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1 Kommentare
  1. Adrian Hürlimann, 23.02.2018, 13:43 Uhr

    Der nächste Anlass der Literarischen findet am 8. März im Burgbachkeller statt (nicht am 18., wie oben angegeben). Lara Stoll und Begleitmusiker treten im Rahmen der Frauenwoche im BBK auf. Kommt auch! Männer sind , wenn gesittet, ausnahmsweise auch zugelassen…