Wirtschaft

Rund 15 Geschäfte in der Altstadt stehen leer
Warum Luzerner «Lädeli» den grossen Ketten weichen

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Die Präsidentin des Luzerner Detailistenverbands Martina Stutz sagt, man könne durchaus ein Lädelisterben beobachten. (Bild: ber/zvg)

Derzeit sind dutzende Schaufenster in der Altstadt leer. Das Luzerner Lädelisterben geht also weiter. Neben hohen Mieten und fehlenden Touristen machen Ladenbesitzerinnen auch einen «Generation Gap» dafür verantwortlich.

Wer derzeit durch die Luzerner Einkaufsmeilen wie die Hertensteinstrasse oder die Weggisgasse spaziert, blickt in so manches dunkle Schaufenster. zentralplus hat bei einem Rundgang gleich ein Dutzend leere – oder bald leere – Lokale angetroffen. Neben kleineren Geschäften wie dem Uhrenhändler «City Watch» ist zum Beispiel auch der (nun ehemalige) Schuh- und Streetwear-Laden «Snipes» wie ausgestorben.

Die Karte zeigt eine Auswahl leerstehender Lokale:

Bei einer «Bestandsaufnahme» vor rund einem Jahr haben mehr als zwei Dutzend Luzerner Geschäfte eine neue Mieterin gesucht (zentralplus berichtete). Im Verlauf des Jahres kamen einige Lokale dazu – so zum Beispiel auch das seit über 100 Jahren bestehende Modehaus Kofler (zentralplus berichtete).

Nun könnte man sagen, ein wenig Abwechslung tue jeder gut. Das mag zutreffen. Doch in gewissen Lokalen wird seit mehreren Jahren nichts mehr verkauft. So zum Beispiel im ehemaligen Herren-Globus-Geschäft an der Kapellgasse 8 – seit vier Jahren hat die Ladenfläche noch keinen Nachfolger (zentralplus berichtete). Auch das ehemalige Uhrengeschäft an der Kramgasse fristet, mit Ausnahme einer kurzen Zwischennutzung, seit längerer Zeit ein stilles Dasein.

Luzerner Lädelisterben geht weiter

Sehr zum Bedauern von Martina Stutz. Die Präsidentin des Luzerner Detaillistenverbandes (DVL) beschreibt die derzeitige Lage bei Läden als «angespannt». Auf dem Land blieben kleine Geschäfte wie Dorfläden zwar bestehen, sie würden aber von grossen Ketten übernommen. Und auch in der Stadt sei eine Verdrängung von kleinen, individuellen Geschäften durch einheitliche Grossketten zu beobachten. «Für uns kleine Detaillisten ist dies natürlich eine äusserst negative Entwicklung. Wir werden immer weniger.»

Doch auch grosse Läden haben laut Stutz zu kämpfen. Besonders der Onlinehandel mache den Geschäften zu schaffen. Und die hohen Mieten in den Luzerner Einkaufsmeilen. Der Liegenschaftsbesitzer und selbsternannte «Stadtbeobachter» Louis Baume spricht gar von einer «institutionellen Ladenkrise», von der auch grosse Unternehmensketten nicht sicher sind. Der Wegzug von «Snipes» aus der Weggisgasse 21 – die Liegenschaft gehört Baume – steht sinnbildlich dafür. Der Begriff «Lädelisterben» wird laut dem Luzerner der Situation nicht mehr gerecht (zentralplus berichtete).

Allerdings blieb der Branchenmix in den Jahren 2018 bis 2020 gemäss dem neusten Monitoring stabil. «Die Zahlen zeigen, dass die Bevölkerung eine verzerrte Wahrnehmung des Branchenmixes hat», sagte Lucas Zurkirchen von der City-Vereinigung im letzten Herbst (zentralplus berichtete). «Aus unserer Sicht ist der Mix der Geschäfte – mit zur Hälfte lokalen Geschäften und zur Hälfte Ketten – in Luzern ausgewogen und das ist sehr positiv.»

Kommen bald bessere Zeiten?

Auch Louis Baume schlägt inzwischen optimistischere Töne an. Gegenüber der Webplattform «Luzern60plus» vermutet er, dass sich bessere Zeiten anbahnen. Innerhalb von zehn Jahren, so prophezeit er, soll die Altstadt wieder aufblühen und den leeren Lokalen neues Leben eingehaucht werden.

Ein Widerspruch zu seiner letzten Aussage, die er vor kurzem gemacht hat? Nicht unbedingt. Es bestehe zwar derzeit eine Art «Lädelikrise», doch es sei weniger schlimm gekommen als zuerst angenommen, so Baume. Im März 2021 waren es über zwei Dutzend leere Läden – im Februar 2022 seien es noch rund 15, wie er gezählt habe.

Die Läden werden also langsam wieder gefüllt. Baume betont, dass Luzern nach wie vor attraktiv als Stadt sei. Derzeit würden einfach die Touristen fehlen. Zudem sinken wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage die Mietpreise. Er vermutete zuletzt, dass die Preise künftig 30 bis 40 Prozent sinken würden. Ob sich das bewahrheitet, wird sich im nächsten Monitoring zeigen. Der Grossteil der Mietpreise war zu Anfang der Corona-Pandemie im Jahr 2020 in etwa stabil (zentralplus berichtete).

Die Krux mit dem Branchen-Mix

Die Krux bestehe jedoch in den Ansprüchen, die man an die einziehenden Geschäfte stelle. Für Freunde von kleinen Läden hat Baume schlechte Neuigkeiten: «Diese Zeiten sind vorbei.» Der 75-Jährige sieht den Grund in einem generellen Sinneswandel der Konsumenten: «Die jüngere Generation entwickelt keine Betriebstreue mehr. Mit 20 Jahren in einem Geschäft einkaufen, das man dann bis 50 immer besucht – das gibt es heute nicht mehr.»

Als Hauptgrund nennt Baume jedoch das Nachwuchsproblem: Viele Kinder von Ladenbesitzern wollen das Geschäft der Eltern nicht übernehmen. Als Beispiel nennt er Kochoptik an der Weggisgasse 3. Nach über 100 Jahren im Familienbesitz übergeben die Betreiber das Geschäft einer gleichnamigen Optiker-Gruppe aus Zürich.

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Als ehemaliger Besitzer eines Optiker-Geschäfts kann Baume den Reiz von grossen Ketten durchaus verstehen. Allein ein Geschäft zu führen sei ein «Krampf». Werbung, Dekoration, Buchhaltung, Bestellungen – alles Dinge, die neben dem Bedienen der Ladentheke noch erledigt werden müssen. Ins gleiche Horn bläst DVL-Präsidentin Martina Stutz: «Diese hohe Arbeitsbelastung will in der heutigen Zeit kaum mehr jemand.» Zudem würden Forderungen nach längeren Öffnungszeiten die personellen Ressourcen von kleinen Läden immer mehr an die Grenzen treiben (zentralplus berichtete).

Politik fordert City Manager

Das Luzerner Lädelisterben geht auch an der Politik nicht vorbei. Bereits vor der Krise hat das Stadtparlament 2019 ein Postulat überwiesen, das eine «City Managerin» für Luzern fordert. Diese würde sich künftig unter anderem darum kümmern, dass die Ladenflächen nie lange leer bleiben. Der Stadtrat gibt seine Pläne dazu voraussichtlich im Frühling 2022 bekannt (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
  • Grundeigentümerabfrage über den kantonalen Grundbuchplan (Stand 1. Februar 2022)
  • Telefonat mit Louis Baume, Liegenschaftsbesitzer Weggisgasse 21 und «Stadtbeobachter»
  • Mail-Verkehr mit Martina Stutz, Präsidentin des Luzerner Detaillistenverbands
  • Porträt von «Luzern60plus» zu Louis Baume vom 27. Januar 2022
  • Postulat 217 «Luzern braucht ein City-Management» Juni 2018
  • Website der Josef Koch Optiker AG (Stand 2. Februar 2022)
  • Medienberichte von zentralplus
Weitere Quellen
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2 Kommentare
  1. Maya Gander, 08.02.2022, 12:39 Uhr

    Ja wer will denn heute noch arbeiten ?
    Sich die Hände schmutzig machen ?
    Alle wollen sie studieren.
    Alles vom Staat bezahlt bekommen.
    Und natürlich grosse Löhne bekommen und selbstverständlich keine Steuern bezahlen.
    Übrigens diese Generation sind die Chefs eurer Enkel……….

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  2. Denise Hasler, 04.02.2022, 23:00 Uhr

    Und noch ein Lädäli stirbt… Lady’s Secret an der Pfistergasse gibt auf.

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