Kofler-Aus erschüttert Luzerner Ladenbesitzer
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Ab Februar 2022 stehen die Schaufenster leer: Kofler schliesst sämtliche Filialen. (Bild: cbu)

Verschlafen Detailhändler den Onlineboom? Kofler-Aus erschüttert Luzerner Ladenbesitzer

5 min Lesezeit 10 Kommentare 05.08.2021, 17:23 Uhr

Leere Kartons und Spinnenweben anstelle von in Szene gesetzten Puppen: Bald stehen in der Luzerner Innenstadt die nächsten Schaufenster leer. Das über 100-jährige Modehaus Kofler schliesst sämtliche Geschäfte. Im Luzerner Detailhandel ist man entsetzt, die Expertin macht den Detailhändlern dennoch Mut.

«Es ist ein Hammerschlag.» Und das Gesprächsthema Nummer eins in der Branche: Das Traditions-Modehaus Kofler schliesst Anfang nächsten Jahres sämtliche Filialen (zentralplus berichtete). Nach 170 Jahren Geschäftstätigkeit. Trotz des wohl prominentesten und grössten Schaufensters in ganz Luzern.

«Ich bin bestürzt und bedaure die Schliessung von Kofler sehr», sagt Josef Williner, Präsident der City Vereinigung Luzern. «Es handelt sich um ein alteingesessenes Unternehmen, das den Detailhandel in der Stadt Luzern geprägt hat.» Über die genauen Gründe gibt Kofler bislang keine Auskunft, die Fragen von zentralplus bleiben unbeantwortet.

Kommuniziert wurde nur: Die Pandemie hat Spuren hinterlassen. Unauswaschbare. Das weiss auch Williner: «Die ganze Pandemie hat den Onlinehandel noch mehr verstärkt und das Wachstum beschleunigt. Mit dieser Tatsache müssen wir leben.» Der Druck auf den stationären Handel werde laufend zunehmen. «Die Händler müssen die Digitalisierung mit E-Commerce und Webshops vorantreiben, sonst wird’s schwierig.»

Verschlafen Luzerner Modehäuser den Onlinemarkt?

Zwar besitzt Kofler einen Onlineauftritt, dort lassen sich aber lediglich Produkte reservieren. Auch dem Schwyzer Unternehmen Charles Vögele brach unter anderem die Onlinekonkurrenz 2018 das Genick. Dennoch glaubt Williner als Vertreter des Luzerner Detailhandels nicht, dass Luzerner Geschäfte den Onlinemarkt verschlafen: «Gewisse sind früher auf den Zug aufgesprungen, andere haben erst durch die Pandemie realisiert, wie wichtig der Onlinehandel ist.» Die Kombination Offline/Online werde immer wichtiger, der stationäre Handel müsse vermehrt digital angebunden werden. 

Das belegen auch Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK. Myriam Meier ist verantwortlich für den Modemarkt und betont: «Über die letzten 10 Jahre hatten wir im Fashionmarkt Jahr für Jahr Minusentwicklungen.» Ausschlaggebend dafür seien der Preisdruck, Auslandseinkäufe und «dass sich die Ausgaben im Allgemeinen in eine andere Richtung bewegt haben».

Die Gesamtmarktschätzung im Bereich Fashion und Schuhe in der Schweiz (in Milliarden Schweizer Franken).

Doch: «Das letzte Jahr versetzte dem Modemarkt den Dolchstoss: Viele Events wie Hochzeiten, Konfirmationen oder Konzerte fanden nicht statt, der Bedarf war nicht vorhanden.» Händler, die schon vor Pandemie einen Onlineshop besassen, konnten den Verlust etwas besser abfedern als jene ohne Onlineauftritt. Dennoch brach der Umsatz 2020 im gesamten Fashionmarkt um 16 Prozent ein. Der Anteil der online verkauften Fashionartikel stieg von 20 Prozent im Jahre 2019 auf 30 Prozent im vergangenen Jahr.  

«Es könnte in Zukunft durchaus sein, dass Händler gewisser Branchen etwas für die Beratung verlangen, wenn daraus kein Kauf entsteht.»

Josef Williner, Präsident der City Vereinigung Luzern

Dennoch ist die GfK-Expertin überzeugt, dass ein Geschäft auch ohne Onlineshop funktionieren kann. «70 Prozent der Ware wird immer noch stationär verkauft. Der stationäre Handel ist also noch das wichtigere Business und es wird dieses auch immer geben. Die Kunden schätzen das Erlebnis, und dieses müssen die Detailhändler weiterhin schaffen.»

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Ärgerlich ist für die Detailhändler natürlich, wenn sich Kunden im Laden beraten lassen, den Joggingschuh dann aber online zum günstigeren Preis bestellen. Williner von der City Vereinigung: «Es könnte in Zukunft durchaus sein, dass Händler gewisser Branchen etwas für die Beratung verlangen, wenn daraus kein Kauf entsteht, und dafür hätte ich vollstes Verständnis.» Und es gebe schliesslich auch Gegenbeispiele, Traditionsgeschäfte, die auch ohne Onlineshop florieren.

Es geht auch ohne online

Eines davon ist das Lingerie- und Bademodegeschäft Schärer-Linder an der prominent gelegenen Zentralstrasse. Seit 1926, also fast 100 Jahre, berät das Geschäft Frauen beim Kauf von BHs, Strümpfen oder Nachtwäsche. Auch Inhaber Patrick Kuster bedauert die Schliessung der Kofler-Filialen. «Für den gesamten Detailhandel in der Stadt Luzern ist es bedauerlich, wenn sich jemand so Wichtiges zurückzieht. Schlussendlich sind wir abhängig davon, gesamthaft ein interessantes Angebot zu bieten.»

Auch Williner betont: «Wir müssen das erhalten, was attraktive Innenstädte ausmacht: Es braucht viele verschiedene Geschäfte, einen vielfältigen Warenmix, Restaurants, kulturelle Aktivitäten etc., damit wir Frequenzen generieren können.»

Schärer-Linder ist ein Familienunternehmen und Luzerner Traditionshaus.

Für Ladenbesitzer Kuster besteht die grösste Herausforderung darin zu entscheiden, «wie und wo wir investieren. Früher hatten wir eine Konstanz im Markt, heute ist der Markt unberechenbarer.» Für ihn steht dennoch fest: «Wir wollen weiterhin im stationären Handel investieren.» Noch verkauft Schärer-Linder keine BHs oder Badekleider im Netz. Sein Geschäft besitze den grossen Vorteil, «dass Bademode und Lingerie sehr beratungsintensiv sind. Diesen hohen Kundenservice kann man online nicht bieten, damit können wir uns behaupten.»

Doch es sei ein Fehler, wenn er den Onlineverkauf nicht als Option betrachten würde. «Bis jetzt kamen wir aber immer wieder zum Entschluss, dass wir nicht in den Onlinehandel gehen.»

Zahlreiche Ladenflächen stehen leer

Alle von zentralplus befragten Detailhändler und Experten bedauern unisono den Wegzug eines weiteren Modehauses. Auch, da noch nicht feststeht, wer die prominent gelegenen Lokale übernimmt. Aktuell stehen viele Ladenflächen in der Innenstadt leer, «das gab es vor Corona nie in diesem Ausmass», bedauert auch Josef Williner von der City Vereinigung. In der Altstadt waren es im März dieses Jahres mehr als zwei Dutzend Läden (zentralplus berichtete). Aktuelle Zahlen stehen nicht zur Verfügung.

Doch es dürften nicht gross weniger sein. Williner stellt unter den Detailhändlern noch immer eine gewisse Zurückhaltung fest, izu investieren. «Aber ich bin überzeugt, dass das Step by Step wieder vorwärtsgeht. Sobald auch wieder mehr Touristen und Gäste Luzern besuchen, die einen wesentlichen Beitrag zur Frequenzierung beitragen.»

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10 Kommentare
  1. Andreas Bründler, 07.08.2021, 22:38 Uhr

    Den Grendel hat man für uns einfache Luzerner Kunden komplett kaputt gemacht. Früher ging ich noch fast jeden Tag in die Bäckerei Zai am Grendel. Und in die Läden darum herum. Alles Uhrenläden heute. Uhren habe ich genug zuhause. Ich muss nicht jeden Tag eine Uhr kaufen. Das ist von Jörg Bucherer, Guido Zumbühl (CEO Bucherer), etc. so gewollt. Dann muss man halt auch mit den Konsequenzen leben, wenn die asiatische Kundschaft einmal nicht kommt. Sogar in den Bucherer gingen früher regelmässig und brachten unsere U.S.-Freunde dahin. Es gab die riesige Chügali-Uhr über 3 Stockwerke. Ein Bijoux. Guido Zumbühl hat es rausgerissen. Ein gigantischer Fehler auf lange Sicht. Heute ist der halbe Laden abgesperrt und nicht zugänglich. Viele Mitarbeiter entlassen. Wie kann man nur so langfristig ein Unternehmen führen?

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  2. Urs Favre, 07.08.2021, 09:13 Uhr

    Die Altstadt wurde ein Disneyland für Asiaten. Zudem mit Ladenöffnungszeiten, welche nicht mehr zeitgemäss sind. Daher gehe ich als Luzernerin eigentlich nie in der Altstadt einkaufen.

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  3. Schaltjahr, 06.08.2021, 15:50 Uhr

    Die Stadt Luzern befindet sich in einer kaum aufzuhaltenden Abwärtsspirale. Ausgelöst durch den ungesteuerten Massentourismus verliert die Stadt an Attraktivität für die Einheimischen. Wenig Parkplätze sind, nach meiner Meinung, nur ein Nebeneffekt.
    Der sehr einseitige Ladenmix, welcher sich nur auf Touristen ausrichtet, scheint mir der Auslöser zu sein. Die Einheimischen fühlen sich in der Stadt Unwohl und Bedrängt. Sie weichen aus und kaufen in den Shopping Centers ein, oder im Netz.
    Solange kein vernünftiges Tourismuskonzept besteht, geht das Sterben der Stadt weiter. Schade …

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  4. Sandra Klein, 06.08.2021, 10:25 Uhr

    Man muss in der Luzerner Innenstadt halt nur noch mehr Parkplätze aufheben, dann kommt gar keiner mehr. Aber es ist sicherlich viel ökologischer, wenn zwei Paketboten, ein Lebensmittelhändler und ein Pizzakurier am selben Tag zu einem Haushalt fahren müssen, um die Online bestellten Produkte abzuliefern.

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    1. Kasimir Pfyffer, 06.08.2021, 14:21 Uhr

      Sehr schön am Thema vorbei. Aber einewäg: In der Luzerner Innenstadt gibt es eine manifeste Überversorgung mit Parkhäusern. Wer die 5 Minuten vom Parking bis zum Geschäft nicht mehr laufen kann, ist für Kofler eh nicht relevant. Der braucht eher Physio und Voltaren als neue Kleider.

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  5. pit.sommer, 06.08.2021, 07:37 Uhr

    Natürlich braucht Herr Kuster den Onlineshop nicht – bzw. noch nicht!
    Bis anhin konnte man in der Stadt verschiedene Einkäufe miteinander verbinden. Wenn das jedoch so weitergeht und man in der Stadt nur noch Uhren und Schmuck kaufen kann, kommen ausser den Touristen «keine» Menschen mehr in die Stadt.

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  6. Zal lan Do, 05.08.2021, 22:28 Uhr

    Aber die Covid-Kohle haben die „Kofler‘s“ wohl noch abgezügelt.

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  7. Alois Iten, 05.08.2021, 21:43 Uhr

    Ich habe meine Kleider auch gerne im Laden probiert und gekauft. Doch nachdem einige Geschäfte nur noch homöopatische Dosen vorrätig haben und man jedes Stück beim Personal einzeln verlangen muss, lasse ich mir halt auch ein grosses Paket kommen. Gängeln lasse ich mich auch nicht, für das teilweise gute Personal ist es schade.

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  8. Urs Dürrenmatt, 05.08.2021, 19:19 Uhr

    Ich gehe gerne ins Geschäft anprobieren und dann bestelle ich es online.

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  9. Toni Grüter, 05.08.2021, 18:00 Uhr

    Wieder eine Meinungsumfrage, wo ich nicht weiss, was ich ankreuzen soll.
    Meine Antwort wäre:
    «Im Laden, weil ich Schuhe und Kleider anprobieren will, bevor ich sie kaufe (ohne sie ggf. zurücksenden zu müssen) und weil ich mit Bargeld bezahlen möchte.»
    Auf Beratung und «Erlebnis» lege ich bei Kleidern und Schuhen weniger wert.

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