«Wir ertragen die Situation nicht mehr»
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Der gesamte Vorstand der IG Kultur (rechts) tritt zurück. Das Foto entstand an der Delegiertenversammlung vom April 2015. (Bild: zVg)

Luzern: Knatsch in IG Kultur eskaliert «Wir ertragen die Situation nicht mehr»

3 min Lesezeit 05.12.2015, 15:00 Uhr

Abgänge über Abgänge. Um die IG Kultur Luzern wird es auch diesen Advent nicht ruhiger, die Konflikte erreichen ihren Höhepunkt: Der Vorstand der IG Kultur tritt geschlossen zurück. Kehrt jetzt Ruhe ein?

Immer wieder wurde in den letzten Wochen unter Luzerner Kulturschaffenden gemunkelt, hinter den Kulissen der IG Kultur Luzern brodle es. Nun ist es raus – der gesamte Vorstand tritt zurück.

Begonnen hatte die Geschichte Ende Oktober, als der Vorstand der IG Kultur und die Geschäftsleiterin Edina Kurjakovic entschieden, das gemeinsame Arbeitsverhältnis per Ende Januar aufzulösen (zentral+ berichtete). «Ein sachlicher und lange diskutierter Entscheid, zu dem wir auch heute noch stehen», schreibt der Vorstand nun in einem Brief an die Mitglieder.

Doch der Entscheid führte im Mitarbeiterteam und in den Kulturkreisen zu Unverständnis und Protest. Die Situation sei für den Vorstand seither schwierig. Auch die Zusammenarbeit mit dem Team sei auf verschiedenen Ebenen blockiert.

Kritik von innen und aussen

Die Spannungen zogen immer weitere Kreise – auch ausserhalb der Mitglieder begannen Leute sich grosszügig einzumischen. «Die Spannungen haben ein Ausmass angenommen, welches uns nicht mehr ermöglicht, den Verein ordentlich zu führen. Das Vertrauen in unsere Arbeit wurde von verschiedenen Seiten angezweifelt und es wurden offene Rücktrittsforderungen an uns gestellt», heisst es im Brief.

Der Konflikt scheint an die Nieren zu gehen. Der Vorstand schreibt im Brief offen: «Wir ertragen diese Situation aus persönlichen, beruflichen und auch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Die Zermürbung sowie die fast tägliche Beschäftigung mit dem Thema sind zu gross geworden.»

Alle treten zurück

Darauf reagierte der Vorstand nun. Bettina Rizzi und Daniel Meier haben schon diese Woche ihr Vorstandsamt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der Restvorstand mit Brigitte Heinrich, Noemi Wyrsch, Philippe Schmidig und Konrad Weber wird an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 7. Januar 2016 geschlossen zurücktreten. «Wir ermöglichen einen Neuanfang», heisst es im Brief.

Mitglieder wenig überrascht

Bei einigen Mitgliedern herrscht Überraschung, andere haben so etwas bereits erwartet. Beim Südpol, ebenfalls Mitglied der IG Kultur, ist man informiert und man schaut nach vorne. Der künstlerische Leiter Patrick Müller: «Wir nehmen den Rücktritt so zur Kenntnis und hoffen, das schnell eine neuer Vorstand gefunden wird, der von den Mitgliedern getragen und unterstützt wird.»

Alle Kulturinstitutionen unter einem Dach zu vereinen sei eine Mammutaufgabe – dessen müsse man sich bewusst sein. «Gerade deshalb ist es wichtig, dass die IG Kultur gut aufgestellt ist», sagt Müller.

Doch die Fronten scheinen verhärtet, der bisherige Vorstand erschöpft.

Wichtige Scharnierfunktion

Die IG Kultur versteht sich als Lobbyorganisation und Vermittlungsstelle für Kulturanliegen. Sie richtet ihren Fokus vermehrt auch auf die Agglomeration, den Kanton und in die Zentralschweiz. Rund 200 Vereine und Institutionen sind mittlerweile Mitglieder der IG Kultur Luzern.
Zudem ist sie Herausgeberin des Kulturmagazins «041 – Das Kulturmagazin», Verlegerin von Publikationen und unterhält den Kulturkritik-Blog «kulturteil.ch».

Vorstandsmitglied Brigitte Heinrich bedauert die Situation. Aber auch Unverständnis für die Entwicklung ist bei ihr zu spüren. «Ich verstehe nicht, weshalb sich diese Geschichte immer mehr hochschaukelte. Was das Ziel gewisser Leute war, sich so zu versteifen und zu blockieren, ist für den Vorstand unverständlich.»

Gerade jetzt, mit den ganzen Sparprogrammen im Kanton Luzern, sei es doch eine Zeit, in welcher die Kulturschaffenden zusammenstehen sollten, so Heinrich.

Zu den ausgeschriebenen Stellen

Die Redaktionsleitung von «041 – Das Kulturmagazin» sei letzte Woche mit einer kompetenten und engagierten Person aus der Region besetzt worden, schreibt der Vorstand im Brief. Die Geschäftsstelle werde dazu in den nächsten Tagen weiter informieren. Auch für die ausgeschriebene Geschäftsleitungsstelle seien zahlreiche interessante Bewerbungen eingetroffen. Das Auswahlverfahren wird jedoch Anfang des Jahres vom neuen Vorstand übernommen werden. 

Eine Frage wird sein, ob unter einem neuen Vorstand Edina Kurjakovic wieder Thema wird. Sie selbst war am Samstagvormittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bis zur Delegiertenversammlung werde der Vorstand nun keine weiteren Infos mehr rausschicken. «Vorstand und Mitarbeitende sind froh um etwas Ruhe und werden nach der DV informieren, wie es weitergeht», sagt Heinrich.

Sie hoffe, dass in den nächsten Wochen die Ruhe wieder einkehren könne, sodass man an der DV eine gute gemeinsame Lösung finden könne. «Wir wollen sicher keinen Scherbenhaufen hinterlassen, die IG Kultur liegt uns nach wie vor am Herzen», betont Brigitte Heinrich.

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