Wie Luzerner Bäckereien gegen Foodwaste vorgehen
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Mit Rabatten gegen Foodwaste? Nicht alle Bäcker finden das eine gute Idee. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Nicht alle gewähren ihren Kunden Rabatte Wie Luzerner Bäckereien gegen Foodwaste vorgehen

4 min Lesezeit 08.03.2017, 18:18 Uhr

Die Luzerner Konditorei Heini hat eine Aktion gegen Foodwaste lanciert – das «Überraschungssäckli». Statt Brot wegzuwerfen, bietet man es verbilligt an. Klingt nach einer guten Idee, doch es gibt kaum Nachfrage nach dem Angebot. In der Branche ist man gegenüber Rabatten auf liegen gebliebene Ware skeptisch.

Bei den Bäckereien in der Stadt Luzern gibt es einen Trend gegen Foodwaste: Am Abend werden in verschiedenen Filialen Produkte reduziert oder mit speziellen Angeboten verkauft. Seit einigen Monaten gibt es beispielsweise im Heini die sogenannten «Überraschungssäckli». Das Prinzip: Ab etwa einer Stunde vor Ladenschluss bietet Heini vier Brötchen für 1.50 Franken an, verpackt in undurchsichtige Papiertüten. Man kriegt viel für sein Geld – kann aber nicht auswählen. Laut einer Mitteilung ist die Nachfrage bei Heini «eher gering».

Da fragt man sich: Warum? Denn Foodwaste ist in der Branche ein grosses Thema – so lautet der allgemeine Tenor, wenn man sich umhört. Ausserdem werden Massnahmen gegen Foodwaste auch im Gastrobereich immer lauter gefordert (zentralplus berichtete). Von den grossen Bäckereien gibt es praktisch keine, die nichts dagegen tut. Wie und ob man man Rabatte gewährt und Aktionen anbietet, ist jedoch sehr unterschiedlich.

Kleinere Bäckereien vorsichtig mit Rabatten

Kleinere Bäckereien können sich dies oft nicht leisten. «Als KMU sind die Herstellungskosten höher als bei Grossbäckereien», erklärt Yvonne Prudente-Bebié von der Konditorei Bebié. Deshalb könne man die Produkte auch am Abend nicht vergünstigt anbieten. Das heisst aber nicht, dass man nichts gegen Foodwaste macht: «Wir arbeiten seit einem Jahr mit der Paulus-Kirche zusammen. In Zukunft ist geplant, dass wir Brot und Sandwiches vom Donnerstag für den freitäglichen Suppentopf zur Verfügung stellen.» Und: Die übrig gebliebenen Produkte des Vortages werden am Abend oder am Folgetag den Angestellten zur Verfügung gestellt – gratis. Altbrot gebe man als Futter an eine Fischzucht.

«Es gibt Kunden, die haben sich an die Rabatte gewöhnt.»

Markus Krummenacher, Geschäftsführer Bäckerei Macchi

Auch eine weitere Kleinbäckerei, die aber nicht mit Namen genannt werden möchte, bestätigt, dass man eher vorsichtig sei mit Rabatten. Es käme vor, dass Leute am Nachmittag schon fragten, ob die Ware schon vergünstigt sei, und regelrecht auf Tiefpreisprodukte spekulieren. «Das kann es dann auch nicht sein», meint eine Vertreterin dazu.

Macchi setzt seit Jahren auf Rabatte

Bei Macchi klingt es anders als bei Heini, denn dort werden seit Jahren am Abend Rabatte auf Restprodukte gewährt: «Es gibt Kunden, die haben sich an die Rabatte gewöhnt», sagt Markus Krummenacher, Geschäftsführer der Bäckerei Macchi. Das System habe sich bewährt. «Am Abend zieht die Kundschaft durch die Rabatte noch einmal an», so Krummenacher.

«Wir versuchen, die Menge der zu produzierenden Backwaren möglichst exakt zu kalkulieren.»

Remo Boesch, Leiter Marketing und Verkauf Bäckerei Hänggi

Rabatte sind bei Macchi also beliebt, bei Heini ohne Nachfrage? Krummenacher ist nicht überrascht: «Dass bei Heini die Rabatte weniger gefragt sind als bei uns, liegt wohl daran, dass wir vor allem auf Tagesprodukte wie Sandwiches oder Salate spezialisiert sind.» Angst, dass Leute am Nachmittag nichts mehr kaufen, weil der Abendrabatt einkalkuliert ist, hat man bei Macchi scheinbar nicht.

Paniermehl und Tierfutter aus altem Brot

Aber auch andere Bäckereien setzen auf Rabatte am Abend: «Bei uns gibt es am Abend reduzierte Produkte, sofern noch grössere Bestände vorhanden sind», so Remo Boesch, Leiter Marketing und Verkauf bei der Bäckerei Hänggi. Man könne und wolle aber nichts versprechen.

Das Problem Foodwaste gehe man trotzdem an: «Wir versuchen, die Menge der zu produzierenden Backwaren möglichst exakt zu kalkulieren», so Boesch. Produkte, die übrig bleiben, jedoch noch geniessbar sind, gingen an Retourenpartner der Firma. Weiter verarbeite man Weissbrot zu Paniermehl, Normal- und Spezialbrote würden an die Tierfutterindustrie gehen.

Soziale Institutionen bekommen Ware vom Vortag

Bei der Bäckerei Bachmann erhält man als Kunde keinen systematischen Rabatt auf die Waren des Tages. Dafür fliessen überflüssige Waren in mehrere Anti-Foodwaste-Projekte. So ist die grösste Luzerner Bäckerei Teil des «Tischlein deck dich»-Programms, welches Essen an armutsbetroffene Menschen verschenkt.

Weiter plane man in Zukunft mit der Äss-Bar zusammenzuarbeiten, in der Backwaren vom Vortag verkauft werden. Insgesamt betreibt die Äss-Bar sechs Filialen in der Schweiz, bisher jedoch keine in Luzern. Zusätzlich engagiert sich Bachmann bei «Teller statt Kübel», einer Aktion gegen Lebensmittelverschwendung aus Dietikon.

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