Wie Fabio Celestini und Remo Meyer den FC Luzern veränderten
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Ein Bild aus dem letzten August: FCL-Sportchef Remo Meyer und Trainer Fabio Celestini konnten damals nicht erahnen, wohin ihre sportliche Reise führen wird. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Trainer und Sportchef sind keine Verwalter Wie Fabio Celestini und Remo Meyer den FC Luzern veränderten

4 min Lesezeit 20.05.2021, 10:00 Uhr

Ob die Luzerner am Pfingstmontag Cupsieger werden oder nicht – es ändert nichts an der Tatsache, dass der FCL sich in der ablaufenden Saison systematisch dem modernen Fussball angenähert hat. Eine sportlich als auch wirtschaftlich spannende Entwicklung, die Sportchef Remo Meyer und Trainer Fabio Celestini ins Leben gerufen und geprägt haben. Eine Analyse.

Was bedeutet moderner Klubfussball auf Schweizer Niveau? Nicht «bloss» eine offensive und attraktive Spielweise. Er bedeutet ein Projekt, das wegen Spielerverkäufen stetigen Veränderungen unterworfen und niemals abgeschlossen ist. Das unterscheidet ihn diametral von destruktivem Fussball, der keine wirkliche Zukunftsperspektive entwirft.

Moderner Fussball verlangt von den Machern eine klare Grundhaltung, zugleich gepaart mit Agilität und Flexibilität. Qualitäten, die Fabio Celestini seit seiner Anstellung Anfang 2020 als Trainer des FC Luzern unter Beweis stellt.

Er hat das Gespür dafür, sein Spielkonzept den Erfordernissen eines Saisonverlaufs situativ anzupassen, ohne sich untreu zu werden. Und dafür, das Beste aus dem vorhandenen Spielerkader herauszuholen.

Und der 45-jährige Romand hat sich in seiner jungen Trainerkarriere die Flexibilität angeeignet, seine Vorstellung von erfolgreichem Fussball so anzupassen, dass das Gegenteil davon keine Option ist und die eigene Anstellung gefährdet. Das Umstellen – beispielsweise – von Pressing auf Blocken im Abwehrverhalten machte er wahrscheinlich contre coeur. Aber diese Flexibilität hat ihn in seiner Entwicklung als Teamverantwortlicher weitergebracht und den FC Luzern im Endspurt der Meisterschaft ziemlich zügig aus der Abstiegszone.

Enge Verbindung zwischen Trainer und Spielern

Damit hat Fabio Celestini klargemacht, dass er auf sein Team und die Situation, in der es sich befindet, eingehen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen kann. Er hat seine Fähigkeit als erfolgreicher Krisenmanager unter Beweis gestellt.

In der realen Umsetzung heisst das, dass eine enge Verbindung zwischen dem FCL-Trainer und seinen Spielern bestehen muss. Dass die Spieler die Ideen ihres Trainers mittragen. Weil sie von dessen Kompetenz überzeugt sind.

Anders ist die schnelle und prägnante Reaktion des FC Luzern als Gemeinschaft kaum erklärbar. Vor fünf Wochen befanden sich die Luzerner in akuter Abstiegsgefahr und hatten das Cup-Viertelfinalspiel in Lugano vor der Brust.

Seit letztem Wochenende und dem 2:5 gegen den Meister YB ist zwar der Traum des FCL von mindestens Platz 3 und der damit verbundenen Qualifikation zur Conference League geplatzt. Aber der Ligaerhalt  in einer äusserst ausgeglichenen Meisterschaft ist schon seit zwei Wochen in trockenen Tüchern – und als Höhepunkt winkt dem FC Luzern im Cupfinal erst noch die Chance, zum ersten Mal seit 1992 eine Trophäe in die Vitrine zu stellen.

Verhältnis nie als Blutsbrüderschaft zelebriert

Die Verbindung von Trainer und Team im FC Luzern hat sich als fruchtbar erwiesen, jene zwischen Fabio Celestini und seinem Sportchef Remo Meyer mag weniger augenfällig sein. Klar aber ist, Meyer hat aus Überzeugung den Vertrag mit seinem Trainer über die Winterpause um zwei Jahre bis 2023 verlängert – zu einem Zeitpunkt, als nach dem harzigen Saisonstart eine sportliche Krise den FCL im Griff hatte.

Deshalb kann man davon ausgehen, dass sie sich gegenseitig vertrauen. Aber Meyer und Celestini haben ihr Verhältnis – anders als gang und gäbe in der nach Familienidylle und Jovialität süchtigen Branche – gegenüber der Öffentlichkeit nie so zelebriert, als hätten sie gerade Blutsbrüderschaft geschlossen. Sie wirken nicht als kongeniales Duo. Trotzdem scheint Einklang zwischen den beiden FCL-Machern zu herrschen. Sie setzen auf das gleiche Projekt.

Vielleicht sind sie Brüder im Geiste: Ende 2019, als Remo Meyer seinen Fehler mit dem Engagement von Trainer Thomas Häberli korrigierte und dessen Nachfolger Fabio Celestini installierte, hat der Sportchef selbst in sportlicher Not nicht einen Feuerwehrmann zum neuen Übungsleiter gemacht.

Sondern einen Fachmann, der seine Vorstellung von modernem und attraktivem Fussball teilt. Der den FC Luzern und seine Spieler auf ein höheres Niveau führen will. Fabio Celestini bringt alles mit, um eine schöne Karriere als Trainer zu machen. Mit seiner Arbeit beim FCL hat er sich nach der lateinischen auch in der deutschsprachigen Fussballwelt etabliert.

In ihren Jobs die spannendsten Persönlichkeiten

Als schlauer Luzerner «Hinterländer» scheint Remo Meyer sein Pendant in einem charismatischen und selbstbewussten Romand gefunden zu haben. Beide scheinen sie niemandem in ihrem beruflichem Umfeld verpflichtet zu sein. Einzig dem Leistungsprimat. Sie beide treten als unabhängige Persönlichkeiten auf, die unbestechliche Entscheide fällen, keinen Seilschaften verpflichtet. Und das verleiht dem FCL Rückenwind.

Remo Meyer und Fabio Celestini gestalten die sportliche Zukunft des FC Luzern. Und sie sind in ihrem jeweiligen Job die zurzeit spannendsten Persönlichkeiten auf dem Schweizer Markt. Auf ihre erstklassige Arbeit wird man bei den nationalen Branchenleadern schon aufmerksam geworden sein. In Basel suchen sie einen neuen Sportchef, in Bern nach dem bevorstehenden Abgang des Rothenburgers Gerardo Seoane zu Leverkusen einen neuen Cheftrainer.

Moderner Klubfussball ist steten Veränderungen unterworfen. Das gilt auch für die Besetzung der sportlichen Führung im FC Luzern – und verleiht dem Treiben auf dem Transfermarkt Hochspannung.

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