Wenn 1’000 FCB-Fans durch Luzern marschieren
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Die FCB-Fans marschieren via Bundesplatz Richtung Swissporarena (Bild: Luca Wolf)

Fanmarsch an FCL-Spiel Wenn 1’000 FCB-Fans durch Luzern marschieren

6 min Lesezeit 1 Kommentar 05.05.2015, 09:15 Uhr

Fanmärsche mitten durch Luzern sorgen immer wieder für Furore, Aufregung – und manchmal Ausschreitungen. zentral+ hat sich Ende März den knapp 1’000 Baslern beim Marsch durch die Stadt an die Fersen geheftet. Und gesehen, wofür alleine für dieses Spiel 100’000 Franken an Sicherheitskosten ausgegeben werden.

Samstagnachmittag, 21. März. Die Basler sind mal wieder zu Besuch auf der Luzerner Allmend. Und immer wenn die Basler kommen, herrscht in der Stadt helle Aufregung. Denn die Bebbis haben nicht nur den grössten Anhang im Schweizer Fussball, sondern auch den, im wortwörtlichen Sinn, schlagkräftigsten. So kam es zuletzt am 6. Dezember letzten Jahres am Bundesplatz zu gegenseitigen Provokationen und Scharmützeln, worauf die Polizei mit Gummischrot einschreiten musste.

Und: Die FCB-Fans dürfen Kraft ihrer Masse in Luzern fast als einzige Gruppe vom Bahnhof bis zum Stadion laufen. Alle anderen müssen in der Regel in die Extra-Busse der VBL steigen (siehe Box). zentral+ wollte wissen, wie es aussieht, wenn 900 bis 1’000 Basler Fans durch die Stadt marschieren. Mit dem nötigen Abstand haben wir den friedlich verlaufenen Fanmarsch dokumentiert. 

15 Uhr, die Polizei besetzt das Bahnhofsareal

Anpfiff zum Spiel ist erst um 17.45 Uhr. Doch bereits ab 15 Uhr fährt die Polizei rund um den Bahnhof mit schwerem Geschütz auf: ein wuchtiger Wasserwerfer, mehrere Mannschaftsbusse und Spezialfahrzeuge mit vorne montierten Gittern. Diskret parkieren die Fahrzeuge in den Seitenstrassen. Noch ist die Zentralstrasse, wo die mit dem SBB-Extrazug anreisenden FCB-Fans den Bahnhof verlassen werden, für den Verkehr frei befahrbar.

Severin Bigler

Severin Bigler

(Bild: Severin Bigler)

15.35 Uhr, Zentralstrasse wird gesperrt

Nur noch zehn Minuten bis zur Ankunft der Gästefans. Jetzt sperrt die Polizei die sonst stark befahrene Zentralstrasse für den Verkehr. Auch die Zufahrtsstrassen werden abgeriegelt. Beim Bundesplatz werden Gitterabsperrungen errichtet. Vor dem Fanlokal Zone 5, wo der Fanmarsch durchgeht, stehen ein paar Hundert FCL-Fans.

Severin Bigler

Severin Bigler

(Bild: Severin Bigler)

15.45 Uhr, die Basler treffen in Luzern ein

Ankunft der Basler am Bahnhof Luzern. Ein, zwei Böller knallen. Die Spannung steigt. Die FCB-Fans verlassen den Bahnhof Richtung Zentralstrasse und sammeln sich. Es herrscht offenbar Kuttenzwang, wie im Militär: Fast alle tragen die gleichen Jacken. Nach wenigen Minuten setzt sich die imposante Ansammlung laut singend in Bewegung, Richtung Bundesplatz.

Severin Bigler

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(Bild: Severin Bigler)

15.55 Uhr: Kein Showdown am Bundesplatz

Die FCB-Fans singen, was das Zeug hält. Ihr, durchaus ohrwurmtauglicher, Basel-Song ist in der halben Stadt zu hören. Auf den Balkonen rund um den Bundesplatz finden sich neugierige Zaungäste ein. Gespannt warten die FCL-Fans vor ihrem Fanlokal. Dann kommen beim Capitol-Kino die Basler um die Ecke gelaufen und steuern rassig auf die Langensandbrücke zu.

Luca Wolf

Luca Wolf

(Bild: Luca Wolf)

Luca Wolf

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(Bild: Luca Wolf)

Zwischen den FCL-Fans und den Baslern steht ein Dutzend Polizisten in Kampfmontur sowie ein paar Einsatzfahrzeuge inklusive Wasserwerfer.

Luca Wolf

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(Bild: Luca Wolf)

Von ein paar kleineren, branchenüblichen Provokationen der Basler abgesehen verläuft das Beinahe-Aufeinandertreffen friedlich. Die Luzerner gucken nur, rühren sich aber nicht. So nahe kommen sich zwei derart grosse Fangruppen in der Regel nie – umso schöner, dass es ganz ohne Probleme geht.

Nach wenigen Minuten ist die Basler Machtdemonstration vorbei und der Bundesplatz samt Zentralstrasse kann wieder für den Verkehr geöffnet werden.

Luca Wolf

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(Bild: Luca Wolf)

16.10 Uhr, Polizei sperrt Moosmattstrasse

Nachdem der Basler Fanmarsch ohne Zwischenfälle via Frutt- und Voltastrasse in die Moosmattstrasse eingebogen ist, hat die Polizei nach dem Mossmattschulhaus die Strasse abgesperrt. Ein halbes Dutzend Einsatzfahrzeuge parkiert entlang der Strasse. Grund: Die Gästefans müssen via Umweg über den Zihlmattweg zum Eingang in den Gästesektor der Swissporarena laufen. Würden sie geradeaus marschieren, kämen sie direkt via Messe Luzern vor den Haupteingang des Stadions, entlang der Horwerstrasse – dorthin also, wo sich Hunderte FCL-Fans aufhalten und noch ein Bier trinken, bevors ins Stadion geht.

Severin Bigler

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(Bild: Severin Bigler)

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(Bild: Severin Bigler)

Jetzt treffen die Basler an der Strassensperre ein. Wie mit der Polizei vereinbart, marschieren sie schnurstracks die Strasse rauf.

Severin Bigler

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(Bild: Severin Bigler)

16.20 Uhr, die Basler treffen beim Stadion ein

Ankunft der Basler am Zihlmattweg, hinter dem Stadion. Ohne Zwischenhalt marschieren sie direkt zum Eingang des Gästesektors.

Severin Bigler

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(Bild: Severin Bigler)

Auch hier ist die Polizei in Kampfmontur, also mit Helm, Schild und Gummischrotgewehr präsent. Mit ihren speziellen, mit mobilen Absperrgittern ausgerüsteten, Jeeps können sie innert Minuten von einem Ort zum anderen wechseln.

Severin Bigler

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(Bild: Severin Bigler)

17.45 Uhr, Anpfiff!

Die Luzerner Fans auf den Stehplätzen haben eine tolle Choreografie inszeniert, die Stimmung ist ausgelassen, die Vorfreude gross. 12’000 Besucher hoffen auf einen Sieg ihres FC Luzern – die rund 1000 Basler Fans halten kräftig dagegen. Anders als letzten Sonntag auswärts gegen die Basler, liegt an diesem verregneten Samstag jedoch nichts drin. Die Luzerner verlieren diskussionslos mit 1:4.

zvg

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(Bild: zvg)

20 Uhr, Rückmarsch im Regen

Der Basler Anhang marschiert im Regen die ganze Strecke wieder vom Stadion bis zum Bahnhof retour. Am Bundesplatz schirmt erneut ein Polizei-Grossaufgebot die beiden Fanlager ab. Es bleibt aber friedlich, die Basler sind ob ihres Sieges zufrieden. Der harte Kern der Luzerner Fans trinkt auf die Niederlage im Fanlokal Zone 5, etwas frustriert aber gesittet, ein Bier. Auch beim Bahnhof läuft alles gut, die Basler steigen in ihren Extrazug und fahren zurück ans Rheinknie.

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(Bild: zvg)

Hat Polizei Angst vor Baslern?

So sollte es immer sein: «Aus polizeilicher Sicht ist der Einsatz gut abgelaufen. Es ergaben sich keine nennenswerten Zwischenfälle. Die Fans hielten sich an die Vorgaben betreffend Marschroute und Zeiten.» Dies teilte die Luzerner Polizei nach dem Fanmarsch der FCB-Fans auf Anfrage von zentral+ mit.

Dass sich die Basler überhaupt das Recht rausnehmen können, als, in der Regel, einzige Schweizer Fangruppe in Luzern zum Stadion zu laufen, war auch an einer kürzlich durchgeführten Podiumsdikussion (siehe Box unten) ein Thema. Moderator und VBL-Sprecher Christian Bertschi fragte Polizeikommandant Adi Achermann ohne Umscheife, ob die Polizei eigentlich Angst habe vor den Baslern.

Achermann verneinte, wich aber etwas aus: «Tatsache ist, dass uns das gar nicht so ungelegen kommt. Denn die Basler laufen extrem kompakt und zügig und benötigen deshalb kaum länger Zeit als die Busse. Sicherheitstechnisch ist das nicht schlechter.» Später erklärte Achermann dann aber, dass Spiele gegen den FCB gar nicht so ein hohes Risikopotential hätten. Denn vor den Baslern hätten alle Respekt. Viel heikler seien Spiele gegen Mannschaften mit etwa ähnlich vielen Fans wie der FCL. Konkret nannte Achermann den FCZ, GC und St. Gallen. Diese via Bundesplatz zum Stadion laufen zu lassen, berge ein zu hohes Sicherheitsrisiko.

 

FCL soll 800’000 Franken an Polizeikosten zahlen

Nicht immer läuft ein Spieltag so friedlich ab wie an diesem Samstag, 21. März. Zwei, drei Mal pro Jahr krachts, Fans suchen die Konfrontation mit den Gästen und der Polizei, VBL-Busse werden demoliert, Anwohner fürchten sich. Zu den schwersten Ausschreitungen seit Langem in Luzern kam es zuletzt nach dem Spiel FCL gegen FC Zürich vom letzten August. Luzerner bewarfen den Buskonvoi der FCZ-Fans mit Steinen und schlugen mit Eisenstangen auf die Fahrzeuge. Beim Bundesplatz stiegen Zürcher Fans aus den Bussen und griffen dort FCL-Fans an. Fünf Polizisten wurden verletzt, es entstand grosser Sachschaden.

Spätestens nach diesem Spiel war der Unmut in der Bevölkerung, speziell bei den Anwohnern entlang der Fanroute, enorm gross. Deshalb haben Polizei, Stadt und Kanton kürzlich beschlossen, die Anwohner künftig besser über Fantransporte und Fanmärsche an FCL-Heimspielen zu informieren. Den Auftakt machten sie mit einer spannenden Podiumsdiskussion (zentral+ berichtete und filmte).

Eine Million Franken Sicherheitskosten

Zu Reden geben auch immer die hohen Sicherheitskosten von rund einer Million Franken pro Saison. Hochrisikospiele wie gegen den FCB, FCZ, GC oder St. Gallen kosten laut Polizei jeweils gegen 100’000 Franken. Dann nämlich sind bis zu 200 Polizisten sowie eine ganze Flotte an speziellen Fahrzeugen im Einsatz. Derzeit zahlt der FCL etwa 50 Prozent an diese Kosten.

Aber per 2016 dürfte es noch viel mehr werden. «Das Parlament hat der Regierung den Auftrag erteilt, den Anteil des FCL auf das bundesgerichtliche Maximum von 80 Prozent zu erhöhen», erklärte Noch-Regierungsrätin Yvonne Schärli kürzlich gegenüber zentral+. Doch dagegen wehrt sich der FCL vehement. Er verweist auf die Tatsache, dass er im Vergleich mit anderen Super-League-Clubs mit insgesamt jährlich 1,4 Millionen Franken schon heute mit die höchsten Sicherheitskosten der Schweiz hat.

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1 Kommentare
  1. Raffael Büchler, 05.05.2015, 13:26 Uhr

    … für einmal ein unaufgeregter Bericht über einen Fanmarsch. Ohne Retusche, ohne Panikmache, einfach wie es war/ist.
    Nur fragt sich nach wie vor, wieso die Stadt, die Polizei, die SBB und wieso auch der Verein seit Jahren die Fans nicht im Güterbahnhof aussteigen lassen wollen. Dafür braucht es entgegen den Behauptungen einer SBB kein VOLLAUSGEBAUTES Perron, da reicht eine light-Variante längstens und man hätte damit mehrere Fliegen auf einen Streich erlegt:
    1. Kein Passieren des Bundesplatzes und damit der Zone 5,
    2. Keine Sperrung der Zentralstrasse, welche ja nun als einzige Zufahrt zum Bahnhof dienen soll,
    3. Weniger Aufregung und Störung der restlichen Zugreisenden im Bahnhof selbst,
    4. Nur eine minimale Einschränkung des Verkehrs auf der Langensandbrücke/Tribschenstrasse.

    Ein solch einfaches Perron ohne Schnickschnack wäre machbar und nach ein paar wenigen Jahren bereits amortisiert, wenn die Polizeikosten tatsächlich so hoch sind wie immer ausgewiesen wird. Zudem könnte man wohl an Polizeipersonal sparen oder dieses an wichtigeren Orten einsetzen. Ob das jedoch im Interesse der Polizei ist?

    Als Alternative dürfte immer noch eine Route von Gleis 3- ca. 10 via Bahnhofunterführung/Velotunnel – Inseli, Werkhofstrasse, Geissensteinring, etc. zum Stadion zweckmässiger sein. Denn auch bei einer solchen Budgetvariante wird die Zentralstrasse und der Bundesplatz umgangen.

    Die ständigen Absagen an solche – auch von FCL Fans propagierten – Varianten können einfach nicht ernst genommen werden…

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