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Was Zug gegen den Touristenschwund unternehmen will
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Publikumsmagnet: Die Sonnenuntergänge am Zugersee. (Bild: lob)

Citytrips, Trottinett und Designtour statt Chriesi Was Zug gegen den Touristenschwund unternehmen will

4 min Lesezeit 03.05.2017, 16:08 Uhr

Die Tourismusbranche kriselt. 2016 verzeichneten viele Regionen erhebliche Rückgänge – so auch der Kanton Zug. Auf nationaler Ebene will man seitens Schweiz Tourismus nun voll auf eine neue Kampagne setzen. Auch bei Zug Tourismus gibt es neue Konzepte – zentralplus hat nachgefragt.

2016 war kein gutes Jahr für den Zuger Tourismus. Gemäss den neusten Zahlen seitens Kanton und Bundesamt für Statistik ist der Tourismus nach einem Anstieg in den Jahren 2013 und 2014 wieder rückläufig. Für 2016 sind 290’642 Logiernächte registriert worden – das sind 36’803 Übernachtungen und somit rund 11 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Zwar nahm die Zahl gesamtschweizerisch ebenfalls ab, jedoch um gerade mal 0,3 Prozent.

Keine neue Gesamtstrategie

Macht man sich angesichts dieser Entwicklung in Zug Gedanken über eine neue Strategie? «Die übernachtungsstärkste Jahreszeit ist in Zug seit Jahren der Sommer», erläutert Seraina Koller, Geschäftsführerin von Zug Tourismus. Im Jahr 2015 verzeichneten laut Jahresbericht die Monate Mai bis September die höchsten Logierzahlen. Doch worauf ist der doch eher markante Rückgang der Übernachtungen im letzten Jahr – abgesehen vom starken Schweizer Franken – denn zurückzuführen?

«Im asiatischen Raum reagiert man auf Anschläge viel sensibler.»

Seraina Koller, Geschäftsführerin Zug Tourismus

«Der wirtschaftliche Aspekt, beziehungsweise die Frankenstärke, ist nicht zu unterschätzen; man kann sagen, dass sich ein Besuch in der Schweiz in den letzten Jahren stark verteuert hat», beginnt Seraina Koller. «Weiter hängt der Rückgang auch mit dem asiatischen Markt zusammen: Einerseits haben sich die Passvorschriften hinsichtlich Visaerteilungen für Touristen aus China verändert. Andererseits befinden wir uns sozusagen auf der Achse zu Paris. Und seit den Anschlägen meiden asiatische Touristen diese Gebiete zunehmend. Im asiatischen Raum reagiert man auf so etwas sensibler als beispielsweise in Europa.»

Nicht zuletzt hätten 2015 mit der U18-Hockey-WM und der Streethockey-WM einmalig auch zwei Events stattgefunden, welche für mehr Auslastung der Hotels gesorgt hätten. Fakt ist ebenso, dass bei Besuchern von Zug der Reisezweck zahlenmässig stärker mit dem Geschäftstourismus als mit dem reinen Ferientourismus zusammenhängt. «Darauf können wir natürlich keinen direkten Einfluss nehmen.»

Gesetzt wird auf Kirschen, Kreativität und Städtetrips

Nichtsdestotrotz will man den Rückgang nciht tatenlos hinnehmen. «In den letzten Jahren sind vor allem neue Gruppenangebote auf den Markt gekommen», erläutert Koller. Als Beispiele nennt sie unter anderem den Trottiplausch Zugerberg, Kirschtortenführungen und Stand-Up-Paddle-Touren. «Aber auch das Thema Design aus Zug wurde aufbereitet», sagt Koller. Das Resultat wird auf der Webseite angepriesen: eine «Zuger Designtour».

«Die Kreativwirtschaft in Zug ist sehr vielseitig.»

Seraina Koller

Eine Neuentwicklung bei den Strategien gibt es dennoch. Ab diesem Jahr will man bei Zug Tourismus versuchen, das Wochenendgeschäft anzukurbeln – beispielsweise in Form von Städtetrips. «Zu diesem Zweck wurde bereits ein Film gedreht, des Weiteren wurden auch entsprechende Packages entwickelt. Zukünftig wollen wir uns auch an ausländischen Reisemessen vermehrt präsentieren», verrät Seraina Koller. Bei Auslandgästen hat Zug sicherlich noch Potenzial – momentan kommt laut Statistik des Kantons Zug noch fast jeder zweite Gast aus der Schweiz selbst. Noch mehr Mailings sollen Firmen und Vereine darauf aufmerksam machen, dass sich in der Kolinstadt ausgezeichnet Meetings und Generalversammlungen übers Wochenende abhalten lassen.

Zug ist für seine Blüten berühmt.

Zug ist für seine Blüten berühmt.

(Bild: Facebook: Zug Tourismus)

Das sollen und wollen Touristen in Zug sehen

Was sollte man sich beim Zug-Besuch unbedingt anschauen? Wir wollen von der Geschäftsführerin von Zug Tourismus wissen, wie ihre persönliche Top 10 der Zuger Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten aussähe. Ganz oben stehen – wenig verwunderlich – Altstadt, Zytturm und die Sonnenuntergänge. Mit dabei in der Rangliste der Tourismusexpertin sind, wenn es schon um schöne Aussichten geht, auch das «Guggi» und die «Seesicht». Wer dann die Villette in Cham, den Ägerisee, die Höllgrotten und den Stierenmarkt besucht, habe ein ideales Zug-Programm hinter sich. Im besten Fall noch ergänzt durch den «Chriesisturm» und den «Märlisunntig».

Und was ist mit den Touristen selbst? Wir schauen bei «Tripadvisor», dem Standard-Nachschlagewerk des Reisenden. Dort ist eine Top 15 mit denselben Kategorien (Sehenswürdigkeiten / Aktivitäten) zu finden. Auf der Bewertungsskala ganz oben finden sich auch hier die üblichen Verdächtigen. Zugerbergbahn und Schifffahrten auf Zuger- und Ägerisee sind zuoberst im Ranking. Vertreten sind auch das Strandbad und die Seebadi Seeliken.

Eher überraschend in der Liste ist die «Bloodhound Missile Station», eine Lenkwaffenstellung aus den 60er-Jahren auf dem Gubel. Bei genauerem Hinsehen ist diese aber doch eher nur bei Einheimischen beliebt: Alle hinterlassenen Bewertungen stammen von Zugern selbst.

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