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Warum sich Allergiker jetzt besonders fürchten müssen
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Matteo Schaffhauser in der Alten Suidterschen Apotheke in der Luzerner Kleinstadt. Seit knapp sechs Jahren führt er das Geschäft. (Bild: Archivbild zentralplus )

Keine Adrenalinstifte mehr in hiesigen Apotheken Warum sich Allergiker jetzt besonders fürchten müssen

3 min Lesezeit 18.07.2018, 14:11 Uhr

Für Allergiker ist im Ernstfall eine Adrenalininjektion unentbehrlich. Erst recht im Sommer, wenn Wespen und Bienen Hochsaison haben. Wer sich eine solche Notfallspritze in einer Luzerner oder Zuger Apotheke zutun will, den erwartet eine böse Überraschung.

Sie schwirren, brummen und brausen wieder herum: Für Bienen, Wespen und Hornissen ist derzeit Hochsaison angesagt. Für Allergiker ist diese Zeit besonders mühsam. Denn für sie ist ein Bienen- oder Wespenstich nicht nur schmerzhaft, sondern im schlimmsten Fall tödlich.

Deshalb ist es sinnvoll, dass Allergiker sich im Vorfeld mit den nötigen Tabletten, bei einer starken Allergie gar mit einem sogenannten Epipen wappnen. Der Begriff entsteht durch die Zusammensetzung der englischen Wörter für Adrenalin und Stift – Epiphrene und Pen. Mit dem Injektionsstift können sich Gestochene selbstständig Adrenalin zuführen. Adrenalin verengt die Gefässe bei einem Blutdruckabfall, dadurch stabilisieren sich der Blutdruck und der Kreislauf.

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Aber was, wenn man sich gar nicht für den Worst Case eindecken kann? So schildert uns ein allergiegeplagter zentralplus-Leser, er habe in verschiedenen Luzerner Apotheken erfolglos nach einer Epipen-Spritze gefragt.

Tatsächlich: Bei der Toppharm-Apotheke am Bahnhof Zug bestätigt man zentralplus, dass Epipen-Stifte derzeit ausverkauft seien. Wie lange es dauere, bis der Artikel wieder an Lager sei, wisse man aktuell nicht.

Es gibt eine schwache Alternative

Auch eine weitere Anfrage in der Rotpunkt-Apotheke im Zuger Metalli lässt für Allergiker nichts Gutes erahnen. «Der Epipen hat in der letzten Zeit immer wieder gefehlt und auch im Moment haben wir keinen an Lager», stützt eine Pharmaassistentin die Befürchtungen.

Alternativ gebe es eine schwächere Variante «Junior Epipen» des gleichen Herstellers, doch auch dieses Produkt sei gerade nicht lieferbar. Und die starke Version des Jext-Injektionsstifts, das Pendant eines anderen Herstellers, sei momentan nicht erhältlich. Die Apotheke im Metalli führe jedoch die schwächere Version des Jext-Stifts an Lager.

Für Allergiker ist der Lieferengpass sowohl gefährlich als auch ärgerlich. Nicht zuletzt, weil der Adrenalinstift bloss knapp ein Jahr hält bis zum Ablaufdatum und man dann einen neuen kaufen muss. Für rund 76 Franken das Stück.

Die Angestellte der Metalli-Apotheke sagt: «Normalerweise empfehlen wir, einen neuen Stift zu kaufen, sobald der alte abgelaufen ist. Denn mit dem alten Produkt ist die Sicherheit nicht gewährleistet.» Doch sei es für Allergiker immer noch besser, im Notfall den alten zu brauchen als gar keinen, gibt sie zu bedenken.

Ein allergischer Schock kann lebensbedrohlich sein

Beim «Aha» Allergiezentrum Schweiz sind in der letzten Zeit mehrere Anfragen bezüglich Epipen eingegangen. Man sei jeweils weiterverwiesen worden an den Arzt oder Allergologen, erklärt Sereina de Zordo vom Allergiezentrum Schweiz. Sie beteuert: «Menschen mit einer Insektengiftallergie müssen sofort eine Adrenalin-Fertigspritze anwenden und ihre Notfallmedikamente einnehmen.» Wichtig sei es, Ruhe zu bewahren und umgehend den Notfallarzt zu verständigen. Denn ein allergischer Schock könne lebensbedrohlich sein.

Doch was ist der Grund für die Lieferschwierigkeiten? Die Firma Pfizer, welche den Epipen herstellt, erklärt auf Anfrage, dass das Problem bei der Lieferung externer Komponenten liege. Weiter erlaube die Veränderung von Prozessen aktuell nur eine beschränkte Herstellung.

Laut Bund soll der Engpass im September vorbei sein

Die Versorgungsengpässe beim Epipen sind nicht neu. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL hatte die Lieferschwierigkeiten bereits im März 2018 notiert. Die voraussichtliche Dauer des Engpasses wird vom BWL auf 1. September 2018 prognostiziert. Der Artikel sei aktuell beschränkt lieferbar, schreibt das Bundesamt weiter. Man solle den Artikel bei anderen Anbietern beziehen und keine Hamsterkäufe tätigen.

Nicht nur die Schweiz ist betroffen von den Lieferschwierigkeiten. Auch deutsche sowie österreichische Medien sowie die amerikanische Financial Times berichteten dieses Jahr über die Lieferschwierigkeiten des Pfizer-Produkts. Das Onlinemagazin Finanztreff.de berichtete ausserdem vor einem Jahr, dass Pfizer abgemahnt worden sei, weil die Firma Fälle, in denen ihr Produkt Epipen versagt habe, nicht eingehend untersucht habe. Zuvor war bekannt geworden, dass in den USA fehlerhafte Epipen-Stifte im Umlauf waren.

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