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Vermieter verschenken Monatsmieten, ÖV-Abos und Denner-Gutscheine
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Mit kreativen Angeboten werben Verwaltungen für ihre Immobilien. (Bild: www.homegate.ch)

Luzerner Wohnungen bleiben leer Vermieter verschenken Monatsmieten, ÖV-Abos und Denner-Gutscheine

4 min Lesezeit 2 Kommentare 29.07.2019, 05:02 Uhr

Der Leerwohnungsbestand steigt. Immobilienverwalter müssen sich bei der Suche nach Mietern etwas einfallen lassen – und werden teils kreativ. Der Mieterverband ist darüber nur mässig begeistert.

«Ihr Geschenk: 1 Monat gratis wohnen!» Damit wirbt eine Immobilienfirma für 3,5-Zimmer-Wohnungen in der Grossmatte im Luzerner Stadtteil Littau. Dazu gibt es eine Mobility-Mitgliedschaft für ein Jahr umsonst. Gar zwei Monate Gratismieten geschenkt erhält, wer in ein frisch renoviertes Mehrfamilienhaus an der Gerliswilstrasse in Emmenbrücke zieht. 

In der Überbauung Fratello & Sorella im Emmer Quartier Feldbreite profitieren Familien neben einem Gratis-Monat von einem Mietrabatt von 50 Franken pro Kind und Monat. Und der Nachmieter einer 2,5-Zimmer-Wohnung an der  Brünigstrasse in Luzern bekommt gemäss Inserat einen 500-Franken-Gutschein vom Denner, der im selben Gebäude einquartiert ist. Zudem kann der Neuzuzüger ein Jahr lang gratis Bus fahren.  

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Folge des Baubooms

Die neue Grosszügigkeit der Vermieter hat einen einfachen Grund: Der Bauboom der letzten Jahre hat Folgen. Leere Mietwohnungen können nicht mehr so einfach neu besetzt werden. Der Leerwohnungsbestand ist so hoch wie seit zwanzig Jahren nicht mehr (zentralplus berichtete).

Gerade in neuen Grossüberbauungen stehen relativ viele Wohnungen leer: Beim Projekt Fratello & Sorella in Emmen sind drei Jahre nach der Eröffnung noch 24 der 170 Wohnungen frei. In der Grossmatte in Littau sind nach einem Jahr erst 80 Prozent der 164 Wohnungen besetzt. Bei der Grossüberbauung Schweighof in Kriens sind es gar erst rund die Hälfte.  

Die Eigentümer fürchten um ihre Rendite und machen Druck, die Verwaltungen müssen sich etwas einfallen lassen. Und Angebote wie geschenkte Monatsmieten funktionieren, wie Stefan Knüsel, Geschäftsleitungsmitglied der Knüsel Treuhand Immobilien AG, sagt. «Gratismieten sorgen für mehr Aufmerksamkeit auf den Immobilienportalen, die Wohnungen können in der Folge tatsächlich einfacher vermietet werden.»

«Gratismieten sorgen für mehr Aufmerksamkeit.»

Stefan Knüsel, Geschäftsleitungsmitglied Knüsel Treuhand Immobilien AG

In der Liegenschaft an der Gerliswilstrasse in Emmenbrücke, welche seine Firma verwaltet, wurden so schon mehrere Mieter gefunden. «Interessenten entscheiden sich bei einer Auswahl an gleichwertigen Wohnungen wohl eher für jene, wo ihnen eine oder zwei Monatsmieten geschenkt werden», so Knüsel. 

Neu sei das Phänomen im Übrigen nicht, sagt Knüsel, der seit 40 Jahren im Immobiliengeschäft tätig ist. «Auch vor 30 Jahren, als es viele leere Wohnungen gab, warben Firmen mit Gratiswohnmonaten oder -parkplätzen.»

Skiabos, E-Bikes und Kochkurse

Auch die schweizweit tätige Privera AG setzt hin und wieder auf kreative Angebote: Geschenkte Jahres-Skiabos, E-Bikes, Mountainbikes, SBB-Abos und Kochkurse zählen dazu. «Solche Vermietungsmassnahmen können nicht nur bei Leerstand Sinn machen», schreibt Privera-COO Michael Stucki auf Anfrage. Häufig werde sie auch in Gebieten mit hoher Bautätigkeit angewandt, um die Aufmerksamkeit für die Liegenschaft zu erhöhen. Ausschlaggebend für die Vermietung sei in erster Linie aber die Lage und die Liegenschaft selbst.

Cyrill Studer, Geschäftsleiter des Luzerner Mieterverbandes, warnt Mieter davor, vorschnell auf Angebote wie Gratismonatsmieten oder ÖV-Abos einzusteigen. «Damit spart man einmalig 1000 oder 2000 Franken. Die allenfalls hohe Miete hingegen bezahlt man dann regelmässig, was schnell ins Geld gehen kann.» Selbst wenn das Angebot nicht an eine Mindestmietdauer gebunden sei, werde man wohl nicht so schnell wieder den Aufwand einer «Züglete» auf sich nehmen.

«Damit spart man einmalig 1000 oder 2000 Franken. Die allenfalls hohe Miete hingegen bezahlt man dann regelmässig.»

Cyrill Studer, Geschäftsleiter Luzerner Mieterverband

Die Entwicklung habe aber durchaus ihr Gutes. «Sie zeigt, dass die Mieter in gewissen Regionen seit Langem einmal wieder am längeren Hebel sitzen und einen gewissen Verhandlungsspielraum haben», sagt Studer. Er rät, statt eines einmaligen «Goody» einen tieferen Mietzins auszuhandeln. 

Darauf, ist sich Studer bewusst, gehen die Eigentümer allerdings nur ungern ein. Denn ist die Miete einmal gesenkt, wird es schwierig, sie später wieder zu erhöhen. «Gerade wenn man nicht dringend auf eine Wohnung angewiesen ist, ist es aber durchaus einen Versuch wert», sagt Studer. 

«In den letzten 20 Jahren ist der Referenzzins massiv gesunken, parallel dazu hätten auch die Mieten sinken müssen», so Studer. Passiert sei exakt das Gegenteil. Die Vermieter hätten dank der Wohnungsknappheit jahrelang höhere Mietzinse und damit hohe Gewinne realisiert. «Niemand kann den Mietern verübeln, wenn sie nun parallel zum steigenden Leerwohnungsbestand versuchen, die Mietpreise auf ein faires Niveau zu senken.»

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2 Kommentare
  1. m.d., 29.07.2019, 09:55 Uhr

    kein wundner wenn eine wohnung leer wird.wird sie zum preis einer neu wohnung vermietet.Da gehe ich lieber in eine neubau wohnung,nur bezahlbar ist diese ja auch nicht wenn nur eine partei arbeitet.Möchte schon lange umziehen,geht nicht die neue Wohnunge ist kleiner und viel zu teuer.
    Blockiere jetzt halt eine 4,5 Z.wohnung zu zweit.

  2. Jöre, 29.07.2019, 08:37 Uhr

    früher war es gang und gäbe ein bis 2 Monate Gratis Wohnen 70 oder 80jgerJahre, die Liegenschaft Matt verw, durch Livit ist sehr gut Vermietet,, nur Mattenhof und Überbauung Feldbreite haben schwierig, die Feldbreite ist Laut, nicht Kinderfreundlich, und bietet für die teils überteuerten Wohnungen nicht vil in Emmen,, , es gibt insgesamt 900 Wohnungen deren 600 sind Gebaut und trotz schlechter Vermietung wird weitergebaut,,, Trotz ein Monat gratis muss man noch 2 – 3 Depots hinblättern und ein Jahr Wohnen bleiben, zu 70% zieht nach einem Jahr wieder weg, die Jungen haben kein Sitzleder mer, meine Erfahrung aus der Feldbreite Emmen,