200 Verkehrsschilder müssen dran glauben

Luzern passt mehrere Verkehrsregeln der Realität an

Hier am Eingang zum Luzerner Kapellplatz steht bald eine Stele als Zeichen für die Fussgängerzone. (Bild: kok)

Die Stadt Luzern verändert in der Altstadt an mehreren Stellen die Verkehrsregeln. Denn das geltende Regime ergibt dort gemäss den Behörden keinen Sinn mehr.

Rund 200 Verkehrsschilder wird die Stadt Luzern in den kommenden Wochen abschrauben. Einige seien beschädigt und müssten ersetzt werden, andere seien nicht mehr zeitgemäss, heisst es in einer Mitteilung. Die Stadt will einige der alten Schilder daher gar nicht mehr neu anbringen.

«Ziel der Bereinigung ist es, die Anzahl Schilder zu reduzieren und mit weniger Signalen verständlicher anzuzeigen, was in welchem Bereich gilt», schreibt die Stadt. Ein Beispiel sei die Fussgängerzone, beginnend am Kapellplatz, ergänzt Elena Müller auf Anfrage von zentralplus. Sie ist Sachbearbeiterin beim städtischen Tiefbauamt.

Fussgängerzone am Kapellplatz ist doppelt beschildert

«Neben dem Schild Fussgängerzone gibt es noch ein Schild für ein allgemeines Fahrverbot.» Das sei eine doppelte und damit unnötige Beschilderung. Wie bei allen Haupteingängen der Fussgängerzone soll auch hier künftig eine Stele stehen. Sie soll die Zone klar abgrenzen und sicherstellen, dass nur Befugte in die Altstadt fahren.

So soll die neue Stele aussehen. (Bild: Stadt Luzern)

Ob damit jene Touristen geschützt werden, die regelmässig mit dem Auto auf der Rathaustreppe stecken bleiben, weil sie in die Fussgängerzone gefahren sind? (zentralplus berichtete). Elena Müller sagt, solche Fahrer hätten so viele Schilder missachtet, dass auch Stelen nicht helfen würden. «Wir wollen mit den Stelen Menschen vom Fahren in der Altstadt abhalten, die wissen, dass es verboten ist und es trotzdem tun.»

Im September blieb wieder einmal ein Auto auf der Rathaustreppe stecken (Bild: zvg)

Dass einige Schilder und Regeln in der Altstadt hinken, weiss die Stadt schon länger. Die Luzerner Polizei hatte das Tiefbauamt in den letzten Jahren darauf aufmerksam gemacht. Nun zeige sich, dass «der Grossteil der in der Altstadt gültigen Verkehrsregimes» in Ordnung seien, schreibt die Stadt, die das Ganze prüfte. Nur an einer Handvoll von Orten seien Schilder irreführend, ergänzt Elena Müller.

Bei fünf Strassen ändern sich die Verkehrsregeln der Altstadt

Diese Ecken werden jetzt angepasst. Die Stadt arbeitete dafür mit der Polizei, dem Quartierverein Altstadt und der City-Vereinigung Luzern zusammen. Das Ergebnis sind nicht nur neue Schilder mit Anti-Grafiti- und Anti-Kleber-Schutz, sondern auch drei grössere Änderungen im Verkehrsregime. Anfang 2024 will die Stadt mit der Umstellung fertig sein.

Auf der Grabenstrasse und auf dem Löwengraben wird das Halteverbot für den Güterumschlag dann aufgehoben. Das bedeutet, dass Lieferdienste, Umzugswagen und auch Anwohner in der Strasse anhalten dürfen, um Waren ein- und auszuladen. «Wir gehen davon aus, dass das eh schon getan wird», sagt Elena Müller. Nun passt die Stadt die Regel also der Wirklichkeit an.

In der Grabenstrasse dürfen Lieferwagen künftig auch legal halten. (Bild: kok)

Ein ähnlicher Fall ist das Fahrverbot an der Brüggligasse und der Museggstrasse. Hier dürfen derzeit nur Anwohner und Fahrzeuge der Stadt fahren. Handwerker, Besucher von Anwohnern und andere Personen müssen das Auto unten am Berg stehen lassen.

Ob sie das auch tun? «Stellen Sie sich vor, ein Handwerker würde einen Kühlschrank vom St. Karli hoch zu seinem Kunden tragen. Das ist unrealistisch», sagt Elena Müller. Also justiert die Stadt auch hier die Regel und öffnet die Strassen für den Zubringerdienst.

Die Brüggligasse darf man bald auch als Besucher eines Anwohners oder als Handwerker mit dem Auto befahren. (Bild: kok)

Wichtig sei es der Stadt nur, dass die Durchfahrt Richtung Löwenplatz verboten bleibt, erklärt Elena Müller. Denn sonst könnte die Strecke zum Schleichweg für den Umweg Pilatusplatz–Bahnhof–Schweizerhof werden. Das gelte es zu verhindern.

Zwei Einbahnstrassen in der Altstadt Luzern verschwinden

Die letzte Änderung der Verkehrsregeln in der Altstadt betrifft zwei kleine Querstrassen der Hertensteinstrasse. Die Falkengasse nahe beim Falkenplatz und die Töpferstrasse beim Ristorante Barbatti. Beide Strassen sind heute Einbahnstrassen, sollen künftig aber in beide Richtungen befahrbar sein.

«So müssen die Anlieferer nicht mehr über den Falkenplatz in die Hertensteinstrasse fahren. Oder über den Museumsplatz aus der Einkaufsmeile rausfahren», erklärt Elena Müller. Warum die beiden Strassen überhaupt Einbahnstrassen wurden, weiss auch sie nicht. «Das geschah, bevor die Altstadt im Jahr 1973 für den allgemeinen Verkehr gesperrt wurde.»

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung der Stadt Luzern
  • Augenschein vor Ort
  • Telefonat mit Elena Müller, städtisches Tiefbauamt
  • Website des Quartiervereins Altstadt Luzern
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8 Kommentare
  • Profilfoto von Philipp
    Philipp, 07.12.2023, 14:23 Uhr

    Für mich als Autofahrer gibt es genau 1 Tafel die mir klar und deutlich sagt Fahrverbot. Roter Kreis auf weisser Tafel.
    Alles andere ist nicht klar ersichtlich bei dem heutigen Schilderwahnsinn.

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    • Profilfoto von Roli Greter
      Roli Greter, 07.12.2023, 20:36 Uhr

      Für mich als Autofahrer, Velofahrer und Fussgänger ist ihre Aussage befremdlich.

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  • Profilfoto von Raul
    Raul, 07.12.2023, 09:57 Uhr

    Bin gesoannt ob das mit der Fussgängerzone ohne Fahrverbot funktioniert. Ich glaube nicht.
    Weniger Schilder ist jedoch schon super

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  • Profilfoto von Romano
    Romano, 07.12.2023, 09:55 Uhr

    Luzerns hässliche Fussgängerzonen. Schwarzversiegelung, keine Bäume/Pflanzen, keine Sitzbänke. Nichts was zum Verweilen und deshalb nur zum Durchmarschieren einlädt.

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    • Profilfoto von mvonrotz
      mvonrotz, 07.12.2023, 11:01 Uhr

      Dann bleiben Sie einfach weg. Wenn das alle Kritiker machen würden, wäre es viel gemütlicher dort.

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  • Profilfoto von Hanspeter Flueckiger
    Hanspeter Flueckiger, 07.12.2023, 09:06 Uhr

    Mittlerweile gehört das Befahren der Rathaustreppe zum kulturellen Erbe der Stadt Luzern! Billigstmassentourismusstadt Luzern.

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    • Profilfoto von Marie-Françoise Arouet
      Marie-Françoise Arouet, 07.12.2023, 09:33 Uhr

      Billigstmassentouristen fahren nicht mit PWs.

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    • Profilfoto von mvonrotz
      mvonrotz, 07.12.2023, 11:02 Uhr

      zum Glück gehören solche sinnlosen Kommentare nicht zur «normalen» Kultur.

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