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Darum war der Millionenbau günstiger
Tangente ohne Flüsterbelag: Zug spart beim Lärmschutz

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 3
Tangente: Hangwärts dringt der Verkehrsläm in die Wohngegenden.
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Tangente: Hangwärts dringt der Verkehrsläm in die Wohngegenden.

Rund 160 Millionen Franken hat die neue Tangente Zug–Baar gekostet – 40 Millionen weniger als projektiert. Jetzt stellt sich heraus: Auf den Einbau eines Flüsterbelags, der etwas teurer als eine herkömmliche Deckschicht gewesen wäre, wurde verzichtet. Dafür gibt’s nun mehr lästigen Lärm für die Anwohner.

Wer in erhöhter Lage wohnt, profitiert von guter Aussicht – aber leidet eher unter Lärm, da sich der Schall oft ungehindert in die Höhe ausbreiten kann. Dies erfahren derzeit Anwohner der neuen Tangente Zug–Baar, die von der neuen Strasse ein Brummen und Zischen vernehmen, wie Gewährsleute berichten.

Dies, obwohl «dem Lärmschutz auf der gesamten Strecke der Tangente Zug–Baar ein hoher Stellenwert beigemessen wurde», wie Baudirektor Florian Weber sagt (FDP). Nördlich von Inwil wurde der Aushub zu mächtigen Dämmen aufgetürmt und mit einer Lärmschutzwand gekrönt.

Auch der Tunnel Geissbühl sei eigentlich eine Lärmschutzmassnahme, sagt Weber. «Wo die Strasse in die Nähe der Wohnüberbauung Rote Trotte kommt, wurde zudem eine Lärmschutzwand als Verlängerung des unteren Tunnelportals erstellt.»

Flüsterbelag nur auf Industriestrasse

Hingegen hat der Kanton beim Bau der 160 Millionen Franken teuren Tangente beim Belag gespart. Bei der Tangente indes wurde auf allen Neubaustrecken der konventionelle Belag AC 8 verbaut, wie die Baudirektion auf Anfrage bestätigt. Einzig zwischen dem Kreisel Industriestrasse und dem im Bau befindlichen Parkhaus der V-Zug – also auf der neuen Einfallsachse in die Stadt Zug – verwendete man die lärmarme Deckschicht SDA 4.

«Es wird überprüft, ob die baulichen Massnahmen zum Schutz vor Lärm dem Lärmschutzprojekt entsprechen.»

Baudirektor Florian Weber

Ein leiser Flüsterbelag ist ein wenig teurer, hat aber das Potenzial, den Lärm um bis zu 40
Prozent zu reduzieren. Der verwendete konventionelle Belag werde von den Experten als langlebig
betrachtet, sagt Baudirektor Florian Weber.

«Erste Erfahrungen zur Lebensdauer der lärmarmen Beläge im Kanton Zug liegen frühestens in sechs bis zehn Jahren vor», erkärt er die abwartende Haltung. In der Tat müssen diese halbdichten Flüsterbeläge oft bereits nach 10 bis 15 Jahren ersetzt werden und auch die Lärmdämmung nimmt mit den Jahren ab.

Massnahmen werden überprüft

«Die Wahl der Beläge erfolgte unter Berücksichtigung der Lärmsituation sowie der Einhaltung der geltenden Normen und Ausführungsbestimmungen», sagt Weber. Die Lärmgrenzwerte scheinen tatsächlich eingehalten zu werden.

Jedenfalls sind bislang weder beim Sicherheits- noch beim Bauvorsteher der Gemeinde Baar Reklamationen eingegangen, wie Recherchen ergaben. «Bei mir hat sich deswegen noch niemand gemeldet», sagt auch Erika Wyss, die beim Quartierverein Nachbarschaft Inwil-Arbach für das Dossier Verkehr und
Infrastruktur zuständig ist.

Beim Kanton gab es bislang «eine einzelne Rückmeldung bezüglich störender Einzelgeräusche, die durch laute Fahrzeuge beim Beschleunigen erzeugt werden», erläutert Baudirektor Florian Weber. Derzeit laufe die Erfolgskontrolle des Lärmschutzprojekts durch Messungen. «Es wird überprüft, ob die baulichen Massnahmen zum Schutz vor Lärm dem Lärmschutzprojekt entsprechen», so Weber.

Grenzwerte einhalten reicht nicht

Mögliches Fazit: Der Lärm ist für einige Anwohner zwar lästig, aber legal. Doch reicht es wirklich, einfach unter den Lärmgrenzwerten bleiben zu wollen?

Die Annahme liegt zwar nahe, aber die Sache ist nicht so einfach. Im Bundesgesetz über Umweltschutz ist nämlich das Vorsorgeprinzip verankert. Zur Begrenzung der Umweltbelastung durch Luftverunreinigungen, Lärm,
Erschütterung und Strahlen bestimmt Artikel 11, Absatz 2: «Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und
wirtschaftlich tragbar ist.» Nächster Absatz: «Die Emissionsbegrenzungen werden verschärft, wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen (…) schädlich oder lästig werden.»

Der Lärm durch den Verkehr auf der Tangente scheint lästig zu sein und der Einbau eines Flüsterbelags ist nicht nur technisch möglich, sondern auch wirtschaftlich tragbar. Wenn man also davon ausgeht, dass die Lärmemissionen nicht nur wegen den Fahrzeugen, sondern auch durch den Strassenbelag entstehen, so könnte man sich durchaus auf den Standpunkt stellen, dass seitens des Kantons Handlungsbedarf besteht.

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3 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 09.11.2021, 10:56 Uhr

    Und schon wieder verkaufen uns die Mannen vom Amt für Bau und Unfug für blöd. Hauptsache man darf Steuergelder verlochen. Da muss dem einen oder anderen Beamten einer abgehen. Und alles läuft wie geschmiert!

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  2. Stefan Ernst, 09.11.2021, 08:48 Uhr

    Wenn der «Flüsterbelag» tatsächlich nicht so langlebig ist wie der konventionelle, wäre es Umweltverschmutzung diesen einzusetzen. Ich lade die Anwohner ein, ein paar Sonnenstunden an der Zugstrecke ZH – LU zu verbringen. Einfach um etwas Perspektive zu gewinnen was man unter Lärm versteht.

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  3. Oliver Heeb, 09.11.2021, 08:16 Uhr

    Auch ein Flüsterbelag bringt nichts, solange die Autoposer und andere Kindsköpfe machen dürfen, was sie wollen. Und von diesen gibt es in dieser Ecke des Kantons ganz viele. Löst zuerst dieses Problem; dann erübrigt sich ein Flüsterbelag möglicherweise?

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